Der Wolf im Toleranzpelz

Religiöser Pluralismus ist heute IN. Wer glaubt, dass es nur einen Weg zu Gott gibt, der ist arrogant und unverschämt. Viele unserer Freunde glauben sogar das genaue Gegenteil, nämlich dass viele Wege zu Gott führen. Religiöser Pluralismus eben. Sie denken nicht nur, dass religiöser Pluralismus netter und freundlicher ist, sondern auch aufgeklärter, demütiger und vor allem toleranter. Doch ist er das wirklich?
Was lehren die Religionen über Gott?
Die Vorstellung, dass alle Religionen zu demselben Gott führen, hängt maßgeblich davon ab, was die vielen Religionen über Gott denken. Das Problem hierbei ist gerade, dass alle sehr verschieden über Gott denken und darüber lehren. Es gibt sehr große Widersprüche in Bezug auf die Natur Gottes. Der Buddhismus beispielsweise glaubt an gar keinen Gott. Der Islam glaubt an einen unpersönlichen Monotheismus, Allah. Der Koran behauptet, dass Gott zwar seinen Willen offenbart, jedoch niemals seine Person. Das Christentum lehrt den persönlichen, dreieinigen Gott, der gleichzeitig drei Personen in einer Beziehung ist, Vater-Sohn- Heiliger- Geist, der erkannt und erfahren werden kann. Der Hinduismus grenzt sich dort gar nicht ein, von Polytheismus bis Atheismus reicht seine Bandbreite. Sie haben keine klare Theologie. Weiterlesen

Wahrheit und Toleranz

Wahrheit und Toleranz (1)
Unsere Haltung zur Toleranz wurde ganz wesentlich durch Lessings „Ringparabel“ zur Frage nach der wahren Religion geprägt. Nach Lessing haben alle Religionen einen gemeinsamen Kern. Dieser Kern ist die tätige Liebe. Streitobjekt in der Ringparabel aus Lessings Stück „Nathan der Weise“ sind drei Ringe, bei denen man nicht mehr feststellen kann, welcher der echte Ring ist. In dieser Parabel erben drei Brüder einen Ring; die drei Ringe sehen alle gleich aus, aber nur einer ist echt. Die Echtheit läßt sich nicht mehr feststellen, und es stellt sich schliesslich auch heraus, daß es unbedeutend ist, welcher Ring der echte ist. Der Kern der drei Religionen Christentum, Judentum und Islam ist tätige Liebe. Man kann in der Liebe tätig sein, egal, ob der Ring, den man trägt (bzw. die Religion, an die man glaubt) echt ist oder nicht. Man braucht ihn dazu nicht. Dieses Bild von den drei Ringen hat viele Zuschauer und Leser bis heute überzeugt. Weiterlesen

Gibt es Wahrheit? Und wenn ja, was ist Wahrheit überhaupt?

Wenn heute über „Wahrheit“ gesprochen wird, so lautet die herrschende Vorstellung, dass es mit Bezug auf die wirkliche Wirklichkeit, jenseits unserer wissenschaftlichen Modelle, so etwas wie Wahrheit nicht gibt. Also auch nicht mit Bezug auf alles sogenannte Orientierungswissen. Hier formiert sich im Namen von Freiheit ein heftiger Widerstand gegen jeden Wahrheitsanspruch. Es ist zwar ständig von „Werten“ die Rede, aber dieser -Begriff ist in seiner heutigen Verwendung durch und durch vom Relativismus initiiert. Schon die Rede von „unseren Werten“ oder von „christlichen Werten“ usw. ist relativistisch. Sie suggeriert ja, dass Werte in Wertungen gründen statt umgekehrt Wertungen in Werten. Und wenn dann doch für europäische Werte ein Absolutheitsanspruch erhoben wird, dann gilt dieser Anspruch eigentlich nur einem Wert, der unbedingt gelten soll, dem höchsten Wert Europas nach Auskunft unserer Bundeskanzlerin, dem Wert der Toleranz.
Darin steckt aber ein Denkfehler. Toleranz gilt den Überzeugungen anderer Menschen, die wir für irrig halten, aber achten, weil es Menschen sind, die sich mit ihnen identifizieren. Und solche Toleranz gründet selbst in einer höchst voraussetzungsvollen eigenen Überzeugung von der Würde jedes Menschen. Weiterlesen

Toleranz

„In einer Zeit, die Toleranz hochhält, Vielfalt betont und kategorische Festlegungen scheut, muten Bekenntnisse zur Wahrheit regelrecht anachronistisch an – man erntet damit oft verlegene Blicke, hohen Blutdruck, ja offene Feindseligkeit. Bekenntnisse zur Wahrheit stempeln einen zum Kulturtrottel, zum politisch höchst Inkorrekten oder gar zum Parteigänger von Fanatikern und Bombenwerfern.“ Os Guinness:In The Journey – Our Quest for Faith and Meaning (Die Reise – unsere Suche nach Glaube und Sinn)

Toleranz

Der Philosoph und emeritierte Münchner Professor Robert Spaemann warnte davor, jeglichen Wahrheitsanspruch aufzugeben. „Politisch korrekt erscheint es vielen Menschen, dass jemand überhaupt keine Überzeugungen mehr haben darf. Damit wird auch der klassische Begriff der Toleranz zerstört, weil Toleranz bedeutet, Menschen respektieren mit Überzeugungen, die wir für falsch halten. Wenn aber jetzt im Namen der Toleranz es nicht mehr erlaubt sein soll, Überzeugungen überhaupt zu haben, dann ist ein Punkt erreicht, an dem eine offene Feindschaft zwischen Glauben und einer sich so verstehenden Gesellschaft unvermeidlich ist.