Die Welt von Morgen

Die Zukunft ist auch nicht das was sie einmal war. In den 60er Jahren schien man detailliert zu wissen, wie die Welt im Jahr 2000 aussehen wird. Heute wirken diese „absolut sicheren“ Prognosen unfreiwillig komisch oder zumindest seltsam. Obwohl die Jahrtausendwende schon etwas zurückliegt gibt es heute immer noch keinen Wochenendurlaub auf dem Mond und immer noch hat nicht jedes Einfamilienhaus ein kleines Atomkraftwerk im Keller. Aber genauso haben sich Wissenschaftler die Zukunft vorgestellt. Ihre Modelle haben halt nur einige Aspekte außer Acht gelassen. Aber das merkt man meistens erst im Nachhinein.
In ihrer Nummer vom Dezember 1953 werfen die Macher von „Hobby. Das Magazin der Technik“ einen Blick in die Zukunft. Innerhalb weniger Jahre, so meinen sie, würde der Autoverkehr weitgehend automatisiert, gesteuert von Radarstrahlen. Bis zum Jahr 2000 werde es wahrscheinlich eine regelmäßige interstellare Raumschiffverbindung zum Mars geben. Auf der Erde werde man sich schon bald mit „fliegenden Unterfassen“ fortbewegen, die sich bereits in der Erprobungsphase befänden.
In einem Sonderband prognostizieren die Hobby-Herausgeber 1968 für das Jahr 2000 eine durchschnittliche Arbeitszeit von nur noch 25 Stunden pro Woche. Schmutzige oder körperlich anstrengende Tätigkeiten gäbe es dann so gut wie gar nicht mehr. Die Menschen würden sich darauf konzentrieren können, ihre Freizeit zu genießen. Eine Immunisierung gegen alle bekannten Erreger schütze den Menschen im Jahr 2000 vor den meisten Krankheiten. Auf Mond und Mars werde es dann ständig bewohnte Siedlungen geben. Man werde sich in fliegenden Autos fortbewegen und Nahrung zu sich nehmen, die größtenteils in chemischen Fabriken hergestellt werde. Landwirtschaft sei in dieser Zeit von untergeordneter Bedeutung. Kriege werde man dann ganz ohne Menschen und ohne den Verlust von Menschenleben führen.
Die Herausgeber von „Die Welt von morgen machen wir heute. Ein Blick in die Zukunft“ (1971) kritisieren zuerst die Futurologen des 19.Jahrhunderts. Ein großer Teil ihrer Prognosen hatten sich nicht erfüllt, stellen sie zutreffend fest. Anerkannte Professoren hielten es beispielsweise für unmöglich, dass je ein Gegensand der schwerer als Luft ist fliegen könne. Sie waren auch fest davon überzeugt, dass man nie in der Lage sein werde ein Atom zu spalten. Der amerikanische Schriftsteller Edward Bellamy prophezeite 1887, schon bald würden alle Bürgerseige überdacht. Man würde auch nicht mehr einkaufen gehen, weil einem alles per Rohrpost nach Hause geschickt werde. Im Unterschied zu diesen Mißschlägen meinten die Autoren 1971 zuverlässige Aussagen über das Jahr 2000 machen zu können. Dann stellen sie eine kugelrunde Küche im Weltraumstil vor, beschreiben, wie man Zähne, Hände und Lebern in Speziallabors züchten werde und künstliche Herzen mit miniaturisiertem Atomkraftreaktor serienmäßig transplantiert würden. Mehr als eine Millionen verschiedener wissenschaftlicher Zeitschriften würden dann regelmäßig erscheinen. 15 Milliarden Menschen müssten im Jahr 2000 auf der Erde Platz finden.
Eigentlich ist es durchaus lustig in solchen alten Zukunftsprognosen zu lesen. Wenn die Welt schon heute nicht so ist wie man sie sich damals vorstellte, verraten die Studien zumindest was man damals für die zukunft erträumte oder befürchtete. Heutige Trendstudien und Zukunftsmodelle werden in 50 oder 100 Jahren wahrscheinlich auch dumm dastehen, weil sie wichtige Entwicklungen oder Erfindungen natürlich nicht vorausgesehen haben. Das kann einen gelassen machen. Manches vor dem, wir uns heute fürchten, wird nicht eintreffen – manches auf das wir sehnlichst hoffen allerdings auch nicht. Dafür erwarten uns voraussichtlich einige Katastrophen, von denen heute noch niemand etwas ahnt. Manche heute undenkbaren Erfindungen werden dann das alltägliche Leben grundsätzlich verändert haben.
Für den Christen ist hier zweierlei wichtig. Zum einen sollte man „wissenschaftlich zuverlässige“ Zukunftsprognosen nicht mit biblischer Prophetie verwechseln. Da wo Menschen sich mit ihrem systembedingt begrenzten Erkenntnishorizont häufig irren, steht Gott sicher zu seinen Ankündigungen. Das, was er vor Jahrtausenden seinen Boten mitgeteilt hat, wird er halten, wie es zahlreiche bereits erfüllte Prophezeiungen deutlich machen. Er wird einmal dieser Welt ein Ende bereiten und jedem, der auf ihn vertraut, ein Leben in einer vollkommenen, ganz anderen Welt ermöglichen. Zum anderen sollten Christen sich durch die immer wieder wechselnden Zukunftsprognosen nicht beständig zu Sorgen verleiten lassen. Stattdessen sollten sie umso mehr auf Gott vertrauen, der jedem, der ihm vertraut, beistehen will – ganz gleich wie die Welt von Morgen dann tatsächlich aussehen wird.https://www.facebook.com/michael.kotsch.9?ref=ts&fref=ts

Gibt es heute noch Prophetie?

Prophetie und prophetisches Reden sind in den letzten Jahren in Mode gekommen. Es gibt evangelikale Gemeinden, die sich ausführlich mit diesem Thema befassen oder sogar Prophetie-Kurse anbieten. Dadurch sollen Christen lernen und trainieren, einander durch prophetisches Reden zu stärken. Der folgende Beitrag versucht, Möglichkeiten und Grenzen der Prophetie in der christlichen Kirche aufzuzeigen. Prophetie hat in der Bibel einen hohen Stellenwert – im Alten wie im Neuen Testament. Für Paulus hat sie unter den Geistesgaben den wichtigsten Platz, und er fordert dazu auf, sich am meisten nach dieser Gabe auszustrecken (1Kor 14,1). Weiterlesen

Prüfsteine wahrer Prophetie

Auch heute noch treten immer mal wieder Menschen mit einem prophetischen Anspruch auf. Wie ist das zu beurteilen? Hier einige Prüfsteine
1. Das Leben des Propheten muss mit dem geoffenbarten Wort übereinstimmen (Mi 3,5; Jer 23,14; 29,21-23). Es muss also zueinander passen. Ein Prediger sozialer Gerechtigkeit kann nicht mit seinem Porsche vorgefahren kommen …
2. Der Aufruf zum Götzendienst ist eine Missachtung des 1. Gebots und von daher Kennzeichen falscher Prophetie (5.Mose 13,1-3). Achtung: Der Götzendienst kann auch sehr gut getarnt daher kommen, z.B. als Wohlstandsevangelium, dass den Reichtum anbetet.
3. „… das Wort existiert nicht“ (5.Mose 18,22). Die Botschaft eines Propheten muss mit der Botschaft anderer wahrer Propheten übereinstimmen. Mose galt als der größte Prophet.
4. Erfüllung der Weissagung. (Hilft einem erst hinterher, beglaubigt jedoch fortan den Propheten als „echt“).
„Die Botschaft entscheidet über die Legitimität des Amtes, nicht das Amt über die Legitimität der Botschaft.“
Michakommentar von Manfred Dreytza.