Religiöse Motive sind in der Gegenwartsliteratur nicht selten.

Der sensible Umgang mit Sprache, der sich in der Literatur findet, kann für die Theologie ein Anstoss sein, an der sprachlichen Vermittlung ihrer Sinngehalte neu zu feilen, ohne die Differenz zwischen poetischer Erzähl- und argumentativer Reflexionssprache einfach einzuebnen. Zugleich hat die Theologie im Gespräch mit der Gegenwartsliteratur auch Eigenes einzubringen. Wo Literatur Züge von Religionsersatz annimmt und Dichter eine weihevolle Aura um sich verbreiten, wird sie ein warnendes Fragezeichen anbringen müssen. Auch kann es vorkommen, dass Literaturschaffende die Bibel als Steinbruch benutzen oder theologische Denkfiguren nicht nur umschreiben, sondern geradezu entstellen.
Was zu lernen wäre
Die Theologie pflegt mit der Bibel, die eine Bibliothek von Büchern versammelt, ja selbst ein Erbe, dessen poetische Qualität den Vergleich mit der Weltliteratur ebenso wenig zu scheuen braucht wie die Sprachmacht von Augustinus, Luther oder Pascal. Heutige Theologen, die als Zwerge auf den Schultern dieser Riesen stehen, werden im Gespräch mit der Literaturwissenschaft einiges lernen können und müssen. Umgekehrt werden sie aber auch daran erinnern, dass die Rezeption von Literatur verarmt, wenn religiöse Spuren überlesen werden oder eine methodisch enggeführte Philologie die anthropologische Verständigung über letzte Fragen blockiert. Schön wäre es, wenn sich das geschulte Auge für die literarischen Feinheiten eines Textes mit dem geschärften Blick für die Grammatik des Menschen verbinden liesse. Prof. Dr. Jan-Heiner Tück
http://www.nzz.ch/feuilleton/aktuell/gegenwartsliteratur-und-theologie-wenn-die-metaphysischen-antennen-ins-leere-zappeln-ld.13580

 

Vermeidbare Predigtfloskeln (aktuell: ZDF-Gottesdienst):

1.) „Lebendige Gemeinschaft“: Meist als Selbstbezeichnung für das Miteinander in der christlichen Gemeinde gebraucht. Kein Mensch weiß was das ist – oder was eine „tote“ Gemeinschaft ist. Okay – von Friedhöfen einmal abgesehen!
2.) „Wer durch Christus verbunden ist …“: Sehr beliebt, um das eigene spirituelle Netzwerk anzupreisen. Tatsächlich ein Abstraktum, das empirisch uneingelöst oder eine semi-dogmatische Floskel bleibt. Wann ist man denn „connected“ – und wie erfahre ich das?
3.) „Er/sie spürt“: Taucht häufig im Nacherzählungsmodus des Predigttextes auf. Niemand weiß, was eine in der Bibel vorkommende Person „spürte“ und wie man
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