„Weißt Du, wie Du Gott zum Lachen bringen kannst? Erzähl ihm Deine Pläne.“

„Weißt Du, wie Du Gott zum Lachen bringen kannst? Erzähl ihm Deine Pläne.“ Blaise Pascal
Der Humor ist eine Seelenhaltung, der Status weltüberwindender Distanz. Die Überwindung besteht darin, dass er die Welt relativiert, ohne sie zu verachten. Gerade die Sicherheit in der Differenzierung zwischen Letztem und Vorletztem zeichnet den Christen aus. Der Christ macht sich über das Vorletzte lustig, während ihm das Letzte unantastbar und heilig bleibt.
„Der christliche Humor lebt nicht von einer selbst errungenen Distanz zur Welt, aus der er das Weltgetriebe zu belächeln vermag (Anmerkung des Autors: das wäre tragischer Humor oder sarkastischer Humor), sondern er lebt von einer Botschaft, in deren Namen er zur Freiheit des Lächelns ermächtigt ist.“ Helmut Thielicke
„Als Luther gefragt wurde, was Gott in der Ewigkeit vor der Erschaffung der Welt getan habe, gab er zur Antwort, er habe im Busch gesessen und Ruten geschnitten für die, welche solch törichte Fragen stellen“.
Sigmund Freud vermochte zwar sein Lebtag keinen einzigen Patienten mit Hilfe seiner Psychoanalyse zu heilen, er erkannte aber mit genialer Hellsicht: „Der Witz ist die letzte Waffe des Wehrlosen.“
»Denn wenn der Heilige Geist sagt, Gott lache und spotte den Gottlosen, so tut er es um unsertwillen, damit auch wir mit Gott lachen und nicht zittern und zagen. Wer das immer und überall kann, der ist ein wahrer Doktor der Theologie, aber weder Petrus, noch Paulus, noch die anderen Apostel haben es gekonnt, darum  müssen auch wir bekennen, dass wir in dieser Kunst noch Schüler und noch keine Doktoren sind.« Martin Luther
Ps 126: »Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.
Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Heiden: Der Herr hat Großes an ihnen getan.
Der Herr hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.
Herr, wende unser Gefängnis, wie du die Wasser gegen Mittag trocknest!
Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin  und weinen  und tragen edlen Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.«
„Auch ist es nirgendwo untersagt, zu lachen, sich am Klang der Musik zu freuen oder Wein zu trinken“ Johannes Calvin

Worüber darf ich als Christ lachen?

Albert Einstein sagte einstmals zu Charlie Chaplin, dass er ihn beneide: Alle Menschen verstünden seine Kunst und bewunderten ihn. Darauf sagte Chaplin: Ich beneide Sie noch viel mehr, denn kein Mensch versteht Sie und trotzdem werden Sie von allen bewundert.
Als ich dieses Zitat (und einige andere) gelesen habe, habe ich herzhaft darüber gelacht. Manchmal passiert es mir auch, dass ich reflexartig über Dinge lache, die eigentlich eher ernst wären (gewissermaßen ist das dieses Zitat ja auch). Kennst du das auch? Warum ist das so? Sicher spielen hier verschiedene psychologische, soziale und auch medizinische Aspekte eine Rolle. Hintergründe für unser Lachen können z.B. Freude, Zustimmung, Ausgleich, Verachtung, Geringschätzung oder Selbstschutz sein, etwa um eine peinliche Situation zu entschärfen. Lachen findet sogar in manchen Therapien Anwendung, da durch die Ausschüttung von Hormonen das Immunsystem gestärkt und dadurch Krankheiten vorgebeugt werden soll.
Ist es aber möglich völlig zu kontrollieren worüber man lacht? Die Fragestellung: „darf ich“ oder „darf ich nicht“ ist aus meiner Sicht nämlich nur dann angebracht, wenn es tatsächlich so wäre. Es gibt Christen, die in ihrem Alltag nach den Kategorien „darf ich“ und „darf ich nicht“ handeln. Als Grundlage für diese Art der Lebensführung wird – wie könnte es auch anders sein – die Bibel angegeben. Denke ich jedoch einen Augenblick über die oben gestellten Fragen nach, komme ich recht schnell zu dem Schluss, dass dies ein sehr mühsames und unsicheres Christenleben sein muss. Was sagt eigentlich die Heilige Schrift zu diesem Thema? Verlangt sie hier vielleicht sogar totale Selbstbeherrschung?
Als ich die Bibel zum Thema „lachen“ untersucht habe, habe ich einmal mehr erlebt wie diese immer wieder Überraschungen bereit hält: Im Alten Testament gibt es zwei hebräische Verben für „lachen“, von denen eines nur einmal neutral verwendet wird (Pred 3,4), ansonsten werden beide insgesamt 20x durchgehend im Sinne von „auslachen“ gebraucht. Das Neue Testament kennt ebenfalls zwei griechische Verben, die allerdings insgesamt nur vier Mal vorkommen, davon drei Mal im Sinne von „auslachen“ oder „sich lustig machen“. Was sollen wir davon halten? Nun, die Bibel gibt uns ein erfrischend menschliches Bild davon wie und worüber Menschen lachten, sie macht jedoch keinerlei Vorschriften! Wir können darüber lesen wie Menschen über andere Menschen lachten (Hi 30,1; Spr 29,9), wie über Jesus gelacht wurde (Mk 5,40) und sogar wie Gott über Menschen lacht (Ps 2,4; 37,13). Es handelt sich fast durchgehend um spontane oder reflexartige Reaktionen auf Umstände und Einflüsse, die von den Verfassern meist nicht weiter gewertet werden.
Ich für meinen Teil finde, dass auch die Aussage, die Charlie Chaplin gemacht haben soll – soweit es ums Lachen im positiven Sinn geht – eine wertvolle ist: „Ein Tag ohne lachen ist ein verlorener Tag.“
Was du auch tust, tu es in Fröhlichkeit. Dann tust du das Rechte und tust es gut. Augustinus
Oder wie Calvin gesagt hat.
Es ist nirgendwo untersagt, zu lachen oder …
Es ist nirgendwo untersagt, zu lachen oder sich zu sättigen oder neue Besitztümer mit dem alten, erhabenen zu verbinden oder zum Klang der Musik sich zu erfreuen oder Wein zu trinken. Institutio III, 19,9 Johannes Calvin

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Das Lachen der Erlösten – Warum Glaube und Humor zusammengehören

Welche Verbindung zwischen Glauben und Humor besteht, das beschreibt Dr. Stephan Holthaus bereits im Vorwort: „Gerade weil viele den Glauben nicht mit Humor verbinden, musste dieses Buch einmal geschrieben werden. Denn ich bin davon überzeugt, dass der Glaube sehr viel mit Humor zu tun hat, ja dass richtig verstandener Humor sogar eine Frucht des Glaubens ist. Wer glaubt, kann befreit lachen. Wer Christus gefunden hat, dem gelingt es, zu der äußeren Welt und den Problemen, mit denen wir täglich konfrontiert werden, innerlich auf Distanz gehen.“ Gerade die populäre Beschäftigung mit der Brücke zwischen Glaube und Humor macht das Buch zu einem Geschenk. Wenn Holthaus behauptet, Humor sei eine Art zu leben und eine Lebenseinstellung, so beschreibt er eine Parallele, die Theologen immer wieder vom Glauben behaupten. Humorvolle Menschen seien dauerhaft witzig und humorvoll, denn Humor präge und forme den Charakter. Humorvolle Zeitgenossen nähmen die Dinge nicht so wichtig. Holthaus erinnert an das alttestamentliche Buch der Sprüche, in dem steht: „Ein fröhlicher Mensch lebt gesund; wer aber ständig niedergeschlagen ist, wird krank und kraftlos.“ Wer Gott sehe, dem würden weltliche Dinge klein, der könne über sich selbst lachen. Gott hat Humor. Wenn Holthaus mutmaßt, der Grund für die Freudlosigkeit vieler Christen sei möglicherweise, „dass uns diese Ewigkeitsperspektive verloren gegangen ist“, wagt er einen mutigen Blick auf die Dynamik der menschlichen Psyche. Als Gegengewicht erinnert Holthaus an „Humorvolles in biblischen Geschichten“. Und man wird feststellen, welch reichhaltige Fundgrube die Heilige Schrift für den Humor sein kann. Weniger Erkenntnisse findet man in der Kirchengeschichte. Erwähnenswert erscheint lediglich der „risus paschalis“, das Ostergelächter. Dieser Brauch sei Jahrhunderte lang üblich gewesen und habe die Heiterkeit und Seligkeit des Glaubens über den Sieg Jesu aus. Wir lachen, weil Jesus Christus die Macht der Finsternis besiegt hat. Halleluja.“ Holthaus schaut kritisch auf die Humorlosigkeit vieler Kirchenväter. Bei der Einschätzung des Verhältnisses von Humor und Selbsteinschätzung blickt Holthaus auf Karl Barth zurück. Barth soll behauptet haben, Humor sei das Gegenteil von aller Selbstbestaunung und Selbstbelobigung. Holthaus: „Da Humor Distanz zu allen Dingen, auch zum eigenen Ich, beinhaltet, führt er zur richtigen Selbsteinschätzung und bewahrt uns vor Selbstüberschätzung.“ Er spricht an anderer Stelle auch eine deutliche Sprache. Die humorlose Frömmigkeit fanatischer und orthodoxer Kreise habe nicht mit der Ernsthaftigkeit des Glaubens und der Ehrfurcht vor Gott zu tun, sondern mit dem Autoritätsgehabe von scheinbar Unfehlbaren. „Da solche Menschen alles richtig machen, können und brauchen sie nicht über sich selbst zu lachen.“ Es lohnt sich, der Einladung und Ermutigung von Stephan Holthaus näher zu kommen. Unsere Gottesdienste würden einladender, wenn wir die kantigen Gesichtszüge der Heiligen eintauschen würden gegen die weichen Linien der lachenden Erlösten. Es wäre gut, wenn man dies dem Gottesdiensten und den Gemeinderatssitzungen anmerken würde, dass Glaube und Humor keine Gegensätze sind. Ganz im Gegenteil: Der Christ kann als befreiter Mensch über den Dingen des Alltags stehen und gerade dadurch humorvoll sein. Echter Humor ist deshalb mehr als nur bloßer Spaß; er ist Ausdruck der Erlösung von den Zwängen der Welt und wirkt stets heilsam und befreiend. Ein motivierendes Buch!

Stephan Holthaus: Das Lachen der Erlösten – Warum Glaube und Humor zusammengehören, Brunnen-Verlag, Basel 2002, 128 Seiten, 9.80 Euro.