1 Petrus 1,1 ein Apostel Jesu Christi, an die auserwählten Fremdlinge, die verstreut wohnen in Pontus, Galatien, Kappadozien, der Provinz Asien und Bithynien,

Der Schreiber Petrus eröffnet den Brief entsprechend der Gepflogenheit seiner Zeit mit seiner Signatur. So nennt er seinen Dienstnamen gleich am Anfang dieses Briefes und weist damit weg von seiner Person und hin auf seinen Dienstauftrag. Seine Vollmacht ist nicht in ihm selbst begründet, sondern eben in dem Dienst, zu dem ihn Jesus Christus selbst berufen hat. Das kommt auch deutlichst in der knappen Beifügung zum Ausdruck: „ein Apostel Jesu Christi“. Jesus Christus selbst hat ihn zum Apostel berufen (vgl. Mk 3,14; Apg 1,2). „Petrus“ ist sein Dienstauftrag, „Apostel« seine Dienstbezeichnung“. „Apostel“ ist ein einmaliges, unwiederholbares Amt, gemeindegründend (vgl. Eph 2,20), in das Jesus seine zwölf Jünger berufen hatte (vgl. Mt 10,2; Mk 3,14. Petrus schreibt diesen Brief in seiner ganzen apostolischen Vollmacht. Die Signatur Petrus kalkuliert im voraus eine breitere Zuhörerschaft als nur jüdische Gläubige. Dies wird vielleicht durch seine Anspielungen auf die Leser, d.h. auf solche, deren Vergangenheit als „eure Unwissenheit“ (1,14) bezeichnet wird, gestützt. Zu dieser Zeit waren sie „nicht ein Volk“ (2,10), sondern übten heidnische Praktiken aus, von denen sie nun befreit worden waren (4,3.4), durch ihre Bekehrung sind sie Kinder Abrahams „geworden“
Schon in den ersten tröstenden und ermutigenden Worten des Briefes kommt die zutiefst seelsorgerliche Intention des ganzen Schreibens zum Ausdruck. Gott hat die Christen nicht nach den Gesetzen des Zufalls oder nach menschlichem Ermessen zu seinen Auserwählten (vgl. 1. Petr 2,9) gemacht, sondern nach seiner souveränen, unbedingten Gnadenwahl. Die Erwählung ist Teil seines vorherbestimmten Planes. Sie gründet sich nicht auf das Verdienst derer, die erwählt sind, sondern allein auf die Gnade und Liebe Gottes, die ihnen von Anbeginn der Welt an galten. Weiterlesen

1Petrus 1,24 Denn „alles Fleisch ist wie Gras und alle seine Herrlichkeit wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt und die Blume abgefallen; 1Petrus 1,25 aber des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit“ (Jesaja 40,6-8). Das ist aber das Wort, welches unter euch verkündigt ist.

Petrus verwendet hier eine höchst anschauliche Illustration aus Jesaja 40 und legt sie den Gläubigen vor, die durch die souveräne Hand Gottes wie Samen zerstreut worden waren. Die kurze und übergangsmäßige Eigenschaft des natürlichen Lebens wird hier als verdorrendes Gras dargestellt. Dieses Leben ist einem kurzen Tag zu vergleichen. In Ps 90,6 heiß es: „Morgens blüht es und sproßt auf; am Abend wird es abgemäht und verdorrt“. Die gleichen Winde und Regen sowie die versengende Hitze legen sich über den guten wie auch den fleischlichen Samen.
Mit dem Ausdruck alles Fleisch sind alle Menschen gemeint. „Fleisch“ bezeichnet den natürlichen Menschen. Wie groß erscheint der Mensch mit seiner Macht und Weisheit, mit seiner Kultur und Wissenschaft! Und doch ist das alles nur „Fleisch“, auch in seinen schönsten und edelsten Blüten. Und dessen Schicksal ist gekennzeichnet durch die Worte: verdorrt ist das Gras und die Blume ist abgefallen. Die Vergangenheitsform besagt: Das ist nicht nur Vorhersage der Zukunft, sondern millionenfache Erfahrung. Weiterlesen

Zur Hoffnung berufen

„HOFFNUNG“ Esra 10,2b: Nun, es ist trotz allem noch Hoffnung für Israel! Hiob 5:16: Dem Armen wird Hoffnung zuteil, und die Bosheit muß ihren Mund zuhalten. Hiob 11,18: Du fühlst dich sicher, weil noch Hoffnung ist; geborgen bist du, du kannst in Ruhe schlafen. Hiob 14,7: Denn ein Baum hat Hoffnung, auch wenn er abgehauen ist; er kann wieder ausschlagen, und seine Schößlinge bleiben nicht aus. Psalm 9,19: Denn er wird den Armen nicht für immer vergessen; die Hoffnung der, Elenden wird nicht ewig verloren sein. Psalm 40,5: Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN und sich nicht wendet zu den Hoffärtigen und denen, die mit Lügen umgehen! Psalm 62,6: Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele, denn er ist meine Hoffnung. Psalm 71,5: Denn du bist meine Zuversicht, HERR, mein Gott, meine Hoffnung von meiner Jugend an. Psalm 119,116: Erhalte mich durch dein Wort, daß ich lebe, und laß mich nicht zuschanden werden in meiner Hoffnung. Psalm 146,5: Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN, seinen Gott, Sprüche 22,19: Damit deine Hoffnung sich gründe auf den HERRN, erinnere ich daran heute gerade dich. Sprüche 24,14: So ist Weisheit gut für deine Seele; wenn du sie findest, wird dir’s am Ende wohlgehen, und deine Hoffnung wird nicht umsonst sein. Jeremia 17,13: Denn du, HERR, bist die Hoffnung Israels. Alle, die dich verlassen, müssen zuschanden werden, und die Abtrünnigen müssen auf die Erde geschrieben werden; denn sie verlassen den HERRN, die Quelle des lebendigen Wassers. Apg. 2,26: Darum ist mein Herz fröhlich, und meine Zunge frohlockt; auch mein Leib wird ruhen in Hoffnung. Röm. 4,18: Er hat geglaubt auf Hoffnung, wo nichts zu hoffen war, daß er der Vater vieler Völker werde, wie zu ihm gesagt ist: »So zahlreich sollen deine Nachkommen sein.« Röm 5,2ff: Durch Christus haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, daß Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist. Röm 8,24ff: Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht? Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld. Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Röm. 12,12: Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. Röm. 15,4: Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. Röm. 15,13: Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, daß ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des heiligen Geistes. 1. Kor. 9,10: Ja, um unsertwillen ist es geschrieben: Wer pflügt, soll auf Hoffnung pflügen; und wer drischt, soll in der Hoffnung dreschen, daß er seinen Teil empfangen wird.
1. Kor. 13,13: Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. – (d.h.: Die Hoffnung ist etwas Bleibendes!) 2. Kor. 1,7: Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: wie ihr an den Leiden teilhabt, so werdet ihr auch am Trost teilhaben. 2. Kor. 3,12: Weil wir nun solche Hoffnung haben, sind wir voll großer Zuversicht Eph. 1,18ff: Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist und wie überschwenglich groß seine Kraft an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde, mit der er in Christus gewirkt hat. Eph. 4,4: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung… Kol. 1,23: …wenn ihr nur bleibt im Glauben, gegründet und fest, und nicht weicht von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt und das gepredigt ist allen Geschöpfen unter dem Himmel. Kol 1,27: nun aber ist es offenbart seinen Heiligen, denen Gott kundtun wollte, was der herrliche Reichtum dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, nämlich Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. 2. Thess. 2,16: Er aber, unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung durch Gnade, der tröste eure Herzen und stärke euch in allem guten Werk und Wort. 1. Tim 4,10: Denn dafür arbeiten und kämpfen wir, weil wir unsre Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt haben, welcher ist der Heiland aller Menschen, besonders der Gläubigen. Titus 2,13f: Wir warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken. Titus 3,7f: …damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben des ewigen Lebens würden nach unsrer Hoffnung. Das ist gewißlich wahr! 1.Petr. 1,3f: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch… 1. Petr. 1,13: Darum umgürtet die Lenden eures Gemüts, seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird in der Offenbarung Jesu Christi. 1. Petr. 1,21: …die ihr durch Christus glaubt an Gott, der ihn auferweckt hat von den Toten und ihm die Herrlichkeit gegeben, damit ihr Glauben und Hoffnung zu Gott habt. 1.Petr. 3,15: Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und das mit Sanftmut und Gottesfurcht 1. Joh. 3,3: Und ein jeder, der solche Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich, wie auch jener rein ist. Hebr. 3,6: Christus aber war treu als Sohn über Gottes Haus. Sein Haus sind wir, wenn wir das Vertrauen und den Ruhm der Hoffnung festhalten. Hebr. 6,11: Wir wünschen aber, daß jeder von euch denselben Eifer beweise, die Hoffnung festzuhalten bis ans Ende, damit ihr nicht träge werdet. Hebr. 7,19: Das Gesetz konnte nichts zur Vollendung bringen -, und eingeführt wird eine bessere Hoffnung, durch die wir uns zu Gott nahen. Laßt uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat! Hebr. 10, Vers 23

Der Tod ist nicht der mächtigste Herrscher, sondern die Hoffnung, die über den Tod hinausgeht.

Eine psychologische Analyse: Freiheit
Der Glaube an Jesus Christus befreit in vielerlei Hinsicht. Besonders wichtig ist, dass er uns von unserer Schuld befreit. Im folgenden Artikel sei aber noch ein weiterer Aspekt der Freiheit erwähnt.
Ohne Zweifel leben wir in einer Gesellschaft, in der die individuellen Wahlmöglichkeiten über die Jahrhunderte angestiegen sind. Beispielsweise kann man zwischen verschiedenen Automarken, Nahrungsmitteln, Fernsehkanälen und Urlaubszielen wählen. Mehr als früher kann man frei wählen, in welcher Stadt man lebt, welchen Beruf man ergreift und welche Partei man unterstützt. Doch die Freiheiten sind relativ klein im Angesicht der Bindungen und Zwänge, denen der Mensch nach wie vor unterliegt.
Bis zu einem gewissen Grad ist man frei, aber jeder dient gewissen Herrschern. Herrschern im Sinne von Rahmenbedingungen, Prinzipien oder Personen, die unseren Handlungs- und Denkspielraum vorgeben. Der eine wird beherrscht von seiner Arbeit. Der andere wird beherrscht von seinem Partner. Der nächste wird beherrscht vom Streben nach Glück oder Reichtum. Wieder andere werden beherrscht von ihrer Eigensucht. Die Gravitationskraft beherrscht uns in dem Sinne, dass sie uns unablässig Richtung Erdmittelpunkt zieht. Sie schränkt damit die Freiheit ein, hoch zu springen. Dabei ist „beherrscht werden“ nicht unbedingt etwas Negatives. Es gibt Menschen, die sind glücklich, wenn ihr Leben von Gedanken an Arbeit oder an einen anderen Menschen beherrscht wird. Ohne die Gravitationskraft wäre menschliches Leben nicht möglich. Manche kämpfen – beispielsweise durch ein Face-Lifting – gegen das mächtige Urteil des Herrschers Gravitationskraft, der befiehlt: „Deine Wangen und Gesichtsfalten werden nach unten gezogen, und zwar ohne Barmherzigkeit und Diskussion.“ Ob positiv oder negativ, diese Herrscher sind Teil unserer Existenz. Jeder dient solchen Herrschern, keiner ist völlig frei. Jeder folgt den Anweisungen seiner Herrscher und tut, was sie verlangen.
Oft stehen unsere Herrscher miteinander in Konkurrenz und befehlen unterschiedliche Handlungen. Der Bauch befiehlt: „Iss die Schokolade!“ Die Eitelkeit befiehlt: „Iss sie nicht, sondern achte auf deine Figur!“ Die Vernunft befiehlt: „Iss ein wenig, denn Schokolade in kontrollierten Mengen ist gesund!“ Die Herrscher geben nicht nur Anweisungen, sondern sie versorgen und bestrafen ihre Untergebenen auch. Beim Beispiel der Schokolade versorgt einen der Bauch mit zufriedener Sattheit und straft mit Übergewicht. Die Eitelkeit versorgt einen mit Schönheit und straft mit Entbehrung. Die Vernunft versorgt einen mit Gesundheit und straft mit Leidenschaftslosigkeit.
Die Vernunft ist ein sehr mächtiger Herrscher. Auch wenn sie beispielsweise bei Trauer, Liebe und den zahlreichen Paradoxa des Lebens nicht weiterhilft, ist es gut, ihren Anweisungen Folge zu leisten. Doch ein weit mächtigerer Herrscher ist Leid. Zwar kann man die Vernunft lange hochhalten, doch wenn das Leid nur stark genug ist, dann interessieren Vernunftschlüsse nicht mehr. Es interessiert nur noch: Wie komme ich aus dem Leid heraus? Dieser Gedanke gibt dann das Handeln vor. Im Leid akzeptieren die Menschen die unvernünftigsten Trost- und Heilmittel. Im Leid akzeptieren Menschen Ungerechtigkeit und Inkonsequenz zu ihren Gunsten. Im Leid des Hungers nehmen sich Menschen Nahrung, die ihnen nicht gehört. Im Leid der Sehnsucht akzeptieren Menschen Drogen als Trost. Im Leid der Einsamkeit akzeptieren Menschen unpassende Liebespartner. Im Leid der Minderwertigkeitsgefühle kaufen sich Menschen unpraktische überteuerte Autos, um ihr Ansehen zu erhöhen. Im Leid der Sucht werden Menschen kriminell. Im Leid der Langeweile ist die unvernünftigste Zerstreuung willkommen. Wenn Leid Befehle gibt, dann kuscht die Vernunft und schweigt. Die Vernunft hat keine Chance, wenn es zu einem ernsthaften Kräftemessen kommt. Das Leid gibt das Thema vor. Es beherrscht das Leben des Leidenden und gibt die Befehle. Die stärkste Form des Leides ist der Tod. Der Tod gibt eine Anweisung (z.B. „Lebe schnell und hetze!“), der Mensch gehorcht. Alles Wissen, alle Weisheit und Lebensklugheit lässt einen im Angesicht des Todes ratlos zurück. Die Philosophen wollten das Sterben lernen, doch ihre Vernunft war zu schwach und sie haben den Kampf verloren. Doch es gibt einen noch mächtigeren Herrscher als Leid und Tod. Dieser Herrscher heißt Hoffnung. Wer Hoffnung hat, der ist vom Zwang befreit, dem Leid gehorchen zu müssen. Im Leid vergisst man die Vernunft. In Hoffnung vergisst man das Leid. Hoffnung wird oftmals gar nicht wahrgenommen, obwohl sie Leben und Empfinden maßgeblich ausmacht. Es ist unmöglich, ohne Hoffnung zu leben. Hoffnung ist das, was man sich von seiner Zukunft erwartet. Je nachdem, was man von seiner Zukunft erwartet, ist man in der Gegenwart fröhlich oder bedrückt. Es gibt prinzipiell zwei Möglichkeiten, den Moment zu genießen und sich an ihm zu freuen:
1) Man denkt nur an den jetzigen Moment und verweigert das Denken an die Zukunft. Den wenigsten Menschen ist das in Reinform möglich. Wer es jedoch schafft, der ist sorglos, aber unvernünftig. Sorglos, weil die Zukunft ihn nicht bedroht, denn er denkt einfach nicht an sie. Unvernünftig, weil die Zukunft ihn in der Realität sehr wohl bedroht. Jugendliche können das Leben froh und dynamisch angehen, weil sie sich nicht vor Augen halten, dass alle jugendliche Schönheit verwelken wird. Dass sie alles Erarbeitete schließlich wieder abgeben müssen. Dass sie letztlich nichts mitnehmen können. Der sorgenbeladene Mensch ist froh über jede Beschäftigung, die seine Gedanken auf den gegenwärtigen Moment lenkt, so dass er den sorgenvoll quälenden Gedanken an Morgen entkommen kann.
2) Die zweite Möglichkeit, den Moment zu genießen, ist, wenn man in naher oder ferner Zukunft etwas Schönes erwartet. Mit anderen Worten: Wenn man Hoffnung hat. Andererseits wird der Moment zur Qual, wenn man beim gedanklichen Durchstreifen seiner Zukunft nichts Schönes findet. Mit anderen Worten: Wenn man hoffnungslos ist. Hoffnung meint dasselbe wie Erwartung, wie Vorfreude, wie Optimismus. Hoffnungslosigkeit meint dasselbe wie Sorge, wie Erwartungslosigkeit, wie Pessimismus. Wer Hoffnung hat, der ist der Herrscher über das Leid. Denn Leid kann man akzeptieren und dadurch überwinden. Hoffnungslosigkeit kann man nicht akzeptieren. Hoffnungslosigkeit ist der Gedanke, dass das Leid nie aufhören wird. Das ist der schlimmste denkbare Gedanke. Jeder, der noch irgendwie im Leben steht, hat auch noch ein Stück Hoffnung, ob bewusst oder unbewusst. Es kann Hoffnung auf Freundschaft, Familie, Erlebnisse, Ruhe, Zufriedenheit, Geld, Wohlstand, Reisen, Partys, künstlerische Selbstverwirklichung, Bewunderung, Ehre, Sex oder Liebe sein. Falls all diese Hoffnungen enttäuscht haben, dann bleibt immer noch die diffuse Hoffnung, „dass da im Leben noch irgendwas kommt“. Auf was genau man hofft und wie existentiell wichtig Hoffnung ist, wird einem oft erst bewusst, wenn man erkennt, dass keine Aussicht auf Erfüllung der Hoffnung mehr besteht. Dann beginnt eine unzähmbare Suche nach einer neuen Hoffnung. Denn ohne Hoffnung kann niemand leben.
Wenn man also Hoffnung hat, dann kann man den Moment, unbelastet von Sorgen und Unvernunft, genießen. Sorglos, weil man davon ausgeht, dass die Zukunft letztlich Gutes bringen wird. Unbeeinträchtigt von Unvernunft, weil man Gedanken an die Zukunft nicht verdrängen muss. Die Zukunft bringt nur dann letztlich Gutes, wenn der Tod besiegt wird. Der Tod ist nicht der mächtigste Herrscher, sondern die Hoffnung, die über den Tod hinausgeht. Die Hoffnung auf ewiges Leben. Sie befreit davon, den Anweisungen des Todes gehorchen zu müssen. Diese Hoffnung ist in Jesus Christus, der den Tod bei seiner Auferstehung besiegt hat und diesen Sieg jedem anbietet, der an ihn glaubt.
Es ist bemerkenswert, wie man in der Bibel mit Personen wie Paulus konfrontiert ist. Sein Handeln legt nahe, dass ihn die Anweisungen des Todes nicht mehr interessieren. Als er von Jesus Auferstehung in verschiedenen Städten erzählt, wird er teilweise geschlagen, gesteinigt und halbtot aus der Stadt geschleift[51]. Trotzdem geht er weiter und hält die Botschaft von Jesus unbeirrt hoch. Die Begebenheiten lesen sich, als habe der Tod, dieser Herrscher, der die größten Denker bezwungen hat, keine Macht über Paulus. In einem Brief schreibt er: „Der Tod wurde vom Sieg verschlungen. Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“[52] Wie kann ein Mensch zu so einer Aussage kommen? Er sagt es nicht ängstlich, als ob er sich den Sieg über den Tod nur wünschen würde. Er sagt es nicht zynisch spottend, was die Hilflosigkeit nur noch verdeutlichen würde. Stattdessen sagt er es froh. Er jubelt, weil er glaubt, dass Gott, der Jesus von den Toten auferweckt hat, auch ihn auferwecken wird.
Gott vertröstet nicht nur auf das Leben nach dem Tod, sondern durch die Erwartung des Himmels wertet er das Diesseits auf. Diese Erwartung ist daran gekoppelt, ob die Kreuzigung und Auferstehung von Jesus als tatsächliche Begebenheit in Raum und Zeit passiert ist. Durch die Auferstehung sagt Gott: „Ich werde dich nach dem Tod wieder aufwecken.“ Durch die Kreuzigung sagt Gott: „Und ich werde dich nicht bestrafen.“ Durch die zugesicherte Hoffnung auf das ewige Leben verhilft Gott uns zu mehr Liebe und weniger Egoismus, anstatt nur mehr Liebe und weniger Egoismus zu fordern. Philosophen, Humanisten, Agnostiker und Atheisten können nur appellieren: „Liebt mehr. Seid weniger egoistisch.“ Doch niemand kann die Kraftlosigkeit solcher in der Luft hängenden Appelle angesichts der Realität unserer Welt leugnen. Egoismus ist ein zu mächtiger Herrscher, als dass er sich von Appellen bezwingen ließe. Der Christ dagegen wird vom Egoismus befreit, indem er u.a. von Gott das höchste und schönste Ziel, nämlich die Ewigkeit im Himmel, schon bekommen hat. Der Glaube an Jesus schafft also andere Rahmenbedingungen, die faktisch für mehr Liebe sorgen, anstatt nur zu mehr Liebe auffordern.
Daniel

Ein Gebet um Hoffnung, die größer ist als alles Leid

Herr, alle Worte von Hoffnung und neuem Mut sind so leer, wenn
tief in uns Verzweiflung herrscht. Wenn wir voller Empörung und
Verbitterung stecken, erscheinen uns solche Worte bedeutungslos.
Wenn wir aber in unseren Herzen aufgeräumt haben, hören wir mit
neuen Ohren, Dann widerstehen wir diesen Worten nicht mehr,
sondern wissen sie plötzlich zu schätzen, und wir danken dir für sie.
Gib uns ein Maß an Gnade, das deckungsgleich mit dem Umfang
unserer Probleme ist Gib uns eine Hoffnung und ein Sinnbewusstsein,
das über unseren Schmerz hinausreicht. Und gib uns
immer wieder die Bestätigung, dass wir nicht allein sind und
dass dein Plan nicht im Sande verlaufen ist, auch wenn unser Schmerz zunimmt.
Hilf uns, wenn es uns zurzeit gut geht, ein Herz für die zu
haben, denen es nicht so gut geht. Gib uns ein Wort der Ermutigung
für die: die in einer Welt des Kummers leben.
Um uns nie vergessen, dass jedes Stolpern auf dieser steinigen
Wanderung von der Erde zum Himmel ein Hinweis darauf ist, dass
wir auf dem richtigen Weg sind.
Darum bitte ich in dem Namen dessen, der von Schmerzen und
Krankheit gezeichnet war.
Amen
Charles R. Swindoll Zeit der Hoffnung: Hoffnung ist der feste Glaube, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, Asslar: Projetktion J, 1996.

„Die Hoffnung ist – darin sind alle einer Meinung – eine göttliche Tugend,

„Die Hoffnung ist – darin sind alle einer Meinung – eine göttliche Tugend, die allein auf Gott acht gibt; Gott aber ist die Gütigkeit selbst und die uns verheißene Barmherzigkeit. Wo nun einer auf etwas anderes hofft als auf die verheißene Barmherzigkeit (d.h. auf Gott), der ist vermessen und hat schon die Hoffnung verloren“ (Martin Luther, Operationes in Psalmos).

Die lebendige Hoffnung

Im ersten Petrusbrief da schreibt Petrus in 1. Petrus 1, 3: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten.“. Vor Jahren war ich auch mal auf einer Hütte mit einer Gruppe – bin oft auf Hütten. Hab da schon viele Monate meines Lebens verbracht. Als ich einen Vortrag gehalten habe kam danach auch ein Mitarbeiter der Hütte – da hören auch andere zu, nicht nur unsere Leute. Und da kam einer und hat gesagt: „Find’s nett von dir, dass du diesen Leuten ein bisschen Hoffnung geben möchtest.“. Dann hab ich gesagt: „Weißt du, ich gebe ihnen eigentlich keine Hoffnung, ich gebe ihnen eine Gewissheit.“. Das hat er nicht ganz einordnen können. Hat es als arrogant empfunden, weil: Hoffnung kann ja nicht etwas sicheres sein. Jeder Mensch hat gewisse Hoffnungen. Wir hoffen etwas, das gehört zu uns. Hoffnung tröstet uns, Hoffnung gibt uns die Kraft weiterzumachen. Aber, wenn wir keine Hoffnung haben, die über das Grab hinausreicht, dann müssen wir sehr vorsichtig sein dieses Wort zu gebrauchen. Wir müssen auf jeden Fall unterscheiden zwischen einer zeitlich begrenzten Hoffnung und einer lebendigen Hoffnung. Was ist Hoffnung? Wenn man Leute fragt: „Ich hoffe halt auf ein bisschen besseres Leben. Ich hoffe auf ein besseres Einkommen. Ich hoffe auf einen netten Partner. Ich hoffe auf ein Abenteuer in meinem Leben.“. Und was ist, wenn alle Erwartungen enttäuscht werden? Was ist, wenn das Ende kommt und nichts von dem hat sich in deinem Leben erfüllt? Wo ist da die Hoffnung? Darum gibt es viele Sprichwörter darüber. Ein russisches Sprichwort sagt: „Auf der Wiese der Hoffnung wandern viele Narren.“. Ein deutsches Sprichwort sagt übrigens: „Hoffen und harren macht viele zu Narren.“. Und ein englisches Sprichwort sagt: „Wer auf Hoffnung baut, der tanzt ohne Musik.“. Ein gewisser Alexander Pope hat einmal gesagt: „Gesegnet ist der Mann, der nicht hofft. Denn er kann nie enttäuscht werden.“  Weiterlesen

Gibt es eine biblische Hoffnung für unsere Welt?

Ernst Bloch, der Marxist, schrieb ein Buch über „Das Prinzip Hoffnung“, Jürgen Moltmann eine „Theologie der Hoffnung“ und in vielen Kreisen liest man Bücher wie z. B. von Hal Lindsey und anderen, die eine ganz genaue Zukunftserwartung ausarbeiten. Überall geht es um die Frage, welche Hoffnung wir für die Zukunft unserer Welt haben. Die Hoffnungslosigkeit ist tief in der europäischen und besonders in der deutschen Kultur verwurzelt. Das erklärt, weshalb wir uns so sehr nach Hoffnung sehnen. Vielleicht verbergen es manche hinter Materialismus und Vergnügen, aber dennoch zweifeln sie, ob es eine Hoffnung für unsere Welt gibt – nach allem, was wir aus ihr gemacht haben; nach zwei Weltkriegen und dem Druck der technischen Entwicklung, die unsere Erde bedroht, nach dem Trauma Tschernobyl, der Bedrohung durch Atomwaffen und unserer ständigen Verschmutzung der Erdatmosphäre. Gibt es eine biblische Hoffnung für unsere Welt? Was ist die Zukunftserwartung der Christen? Die meisten Bücher zu diesem Thema handeln von der Zukunft der Menschen und der Zukunft der Christen im Himmel. Aber was ist mit der Erde? Ist nicht unsere ganze Welt gefährdet? Weiterlesen