Dogmatische Korrektheit reicht nicht

„Wir müssen uns unsere Glaubensüberzeugungen nicht nur intellektuell, sondern auch existenziell zu Eigen machen; sie müssen in unserem Alltag praktisch werden. Dogmatische Korrektheit, die wir nicht auch im Herzen erfahren, führt zum Namenschristentum und letztlich in den Unglauben. Traurig aber wahr: Ausgerechnet viele konservative, um die rechte, gesunde Lehre bemühte Christen vernachlässigen das Gebet und bemühen sich nicht darum, Gott in ihrem Herzen zu erfahren; am Ende ist es dann manchmal auch um die gesunde Lehre geschehen.“
Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016, S. 197f.

Warum erhört Gott mich nicht?

Wer bei Google diese Frage eingibt wird allein anhand der Suchvorschläge feststellen können, dass sie viele Menschen beschäftigt. Interessant fand ich, dass als ähnlicher Vorschlag von Google die Frage „Warum erhört Allah deine Gebete nicht?“ sofort als Frage auftauchte. Die islamischen Antworten darauf enthalten schnell Bedingungen, die der Mensch erst erfüllen muss. Wie ermutigend ist im Gegensatz dazu die christliche Antwort auf die Frage, warum Gott unser Gebet manchmal nicht erhört. Wayne Grudem schreibt:
„Obgleich Menschen beten, werden viele Ereignisse nicht vor der Zeit geschehen, die Gott selbst festgelegt hat. Die Juden beteten jahrhundertelang dafür, dass der Messias kommen möge, und zwar völlig zu Recht, doch erst als „ die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn“ (Gal 4,4). Die Seelen der Märtyrer im Himmel, die frei von der Sünde sind, rufen zu Gott, dass er die Erde richten möge (Offb 6,10), doch Gott erhört sie nicht unmittelbar; vielmehr sagt er zu ihnen, „dass sie noch eine kleine Zeit ruhen sollten“ (Offb 6,11). Es ist klar, dass es lange Perioden der Verzögerung geben kann, während denen Gebete unerhört bleiben, weil die betenden Menschen die weise Zeitplanung Gottes nicht kennen.
Manches Gebet wird auch unerhört bleiben, weil wir nicht immer wissen wie wir beten sollen, wie es sich gebührt (Röm 8,26), wir nicht immer nach dem Willen Gottes beten (Jak 4,3) und wir nicht immer im Glauben bitten (Jak 1,6-8). Und manchmal denken wir, dass eine bestimmte Lösung am besten sei, doch Gott hat einen besseren Plan, sogar wenn er darin besteht, dass sein Ratschluss durch mancherlei Leiden und Entbehrungen erfüllt wird. Joseph bat zweifellos ernstlich darum, aus der Grube befreit zu werden und vor dem Abtransport in die Sklaverei in Ägypten errettet zu werden (1. Mose 37,23-36), doch viele Jahre später fand er heraus, wie Gott in allen diesen Ereignissen „gedachte es gut zu machen“ (1. Mose 50,20).
Wenn wir damit konfrontiert sind, das Gebet nicht erhört wird, sind wir in guter Gesellschaft mit Jesus, der betete: „Vater, wenn du diesen Kelch von mir nehmen willst – doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe“ (Lk 22,42). Wir sind auch in guter Gesellschaft mit Paulus, der den Herrn „dreimal“ bat, dass sein Dorn im Fleisch entfernt werden möge, doch es geschah nicht; vielmehr sagte der Herr zu ihm: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen“ (2. Kor 12,8-9). Wir sind in guter Gesellschaft mit David, der dafür betete, dass das Leben seines Sohnes gerettet werden möge. Als das aber nicht geschah, ging er in das Haus des Herrn, betete an und sagte über sein Kind: „Ich werde wohl zu ihm gehen, es wird aber nicht wieder zu mir zurückkehren“ (2. Sam 12,20.23). Wir sind in guter Gesellschaft mit den Märtyrern im Laufe der Geschichte, die um eine Befreiung baten, die aber nicht kam, denn sie „haben Ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod“ (Offb 12,11).
Wenn Gebet dauerhaft nicht erhört wird, müssen wir weiter Gott vertrauen, der uns „alle Dinge zum Guten mitwirken“ lässt (Röm 8,28), und unsere Sorgen auf ihn werfen, in dem Wissen, dass er beständig für uns sorgt (1. Petr 5,7). Wir müssen uns ständig daran erinnern, dass er uns für jeden Tag genügend Kraft geben wird (5. Mose 33,25) und dass er verheißen hat: „Ich will dich nicht versäumen, noch dich verlassen“ (Hebr 13,5, vgl. Röm 8,35-39).
Wir müssen auch weiter beten. Manchmal wird eine lang erwartete Antwort plötzlich gegeben werden, so wie es der Fall war, als Hanna nach vielen Jahren plötzlich ein Kind gebar (1. Sam 1,19-20) Oder als Simeon mit seinen eigenen Augen den lang erwarteten Messias in den Tempel kommen sah (Lk 2,25-35).
Manchmal jedoch werden Gebete in diesem Leben unbeantwortet bleiben. Bisweilen wird Gott jene Gebiete erhören, nachdem der Gläubige gestorben ist. Zu anderen Zeiten wird er dies nicht tun, Aber selbst dann werden der in jenen Gebeten zum Ausdruck gebrachte Glaube und ihre zutiefst empfundenen Ausdrücke der Liebe zu Gott und dem Volk, dass er geschaffen hat, dennoch wie ein angenehmer Weihrauch vor Gottes Thron aufsteigen (Offb 5,8; 8,3-4), und sie werden „zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi“ führen (1. Petr. 1,7).  Wayne Grudem: Biblische Dogmatik, S. 434.

Warum erhört Gott mich nicht?

 

O mein Gott ich bitte Dich, nimm meinen leichten Sinn und meinen eigensüchtigen Willen

Zitat

„O mein Gott ich bitte Dich, nimm meinen leichten Sinn und meinen eigensüchtigen Willen, der an den süssen, verderblichen Dingen hängenbleiben will, von mir, ich vermag es nicht, ich bin viel zu schwach.
Ich kann es nicht verstehen, wie heute „fromme“ Leute fürchten um die Existenz Gottes, weil Menschen seine Spuren mit Schwert und schändlichen Taten verfolgen. Als habe Gott nicht die Macht (ich spüre, wie alles in seiner Hand liegt), die Macht. Fürchten bloss muss man um die Existenz der Menschen, weil sie sich von Ihm abwenden, der ihr Leben ist.“ Tagebucheintrag vom 9.8.1942 Sophie Scholl

 

Gebet

„Die Bibel sagt nachdrücklich, dass wir beten sollen, sie fordert uns dazu auf, und sie liefert auch Beispiele für das Gebet. In unserem Denken läuft etwas falsch, wenn es uns vom Beten abbringt; unsere Theologie hat eine Schwachstelle, wenn sie uns sagt, dass man nicht beten müsse. Doch Manchmal geschieht genau das. Es kann sein, dass ein naiver, aber begeisterter Christ im Gebet viel größere Erfahrungen macht als der Theologe, der viel über das Gebet nachdenkt. Oder, wie schon gesagt, manchmal geschieht es, dass ein Christ so sehr die „Lehren der Gnade“ – diese Wahrheiten, welche Gottes Souveränität, Freiheit und Gnade betonen – begreifen und schätzen lernt, dass als eine der ersten Folgen davon das Gebetsleben mächtig leidet. Das war an einem Punkt in meinem Leben mein Problem. Der Fehler lag nicht in der Lehre an sich, sondern bei mir selbst und meiner Unfähigkeit, sie in rechter Weise mit anderen biblischen Lehren zu verknüpfen.“ D.A. Carson

Allmächtiger Gott! Du lädst uns so freundlich zu dir ein

Allmächtiger Gott! Du lädst uns so freundlich zu dir ein, und ob wir auch taub sind, so hörst du doch nicht auf, immerfort die gleiche Gnade gegen uns walten zu lassen. So gib uns denn, daß wir endlich willig werden zum Gehorsam und uns von deinem Wort regieren lassen, nicht nur für einen Tag oder für eine kurze Zeit, sondern daß wir uns beständig dir folgsam erweisen, bis daß wir dereinst unsern Pilgerlauf vollbracht haben und zu deiner himmlischen Ruhe versammelt werden, durch Christus, unsern Herrn. Amen. Calvins Gebete zu Hesekiel 1 – 20

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Gebet

Höchster König des Himmels, Herr der Jahre, souverän über Zeit und Geschichte,
gib uns überwältigende Erkenntnis dessen, wer du bist,
so dass unser Vertrauen unerschütterlich feststeht.
Gewähre uns ein ausreichendes Verständnis der Zeichen der Zeit, in der wir leben,
damit wir wissen, wie wir Dir in unserer Generation dienen
und noch viel wahrhaftiger dein Volk in dieser Welt repräsentieren können.
Zu diesem Zweck, o Herr, belebe uns wieder
und ziehe uns näher zur dir selbst und zueinander.
Wo wir in falscher Zufriedenheit dahindümpeln, säe in uns eine heilige Ruhelosigkeit;
Wo Entmutigung niederdrückt, gewähre uns neue Frische in unsere Herzen.
Für deine Sache stärke uns als Salz und Licht,
damit wir in deinem Frieden aufblühen können.
In Namen Jesus‘, Amen.
Aus: Os Guinness, Renaissance: The Power of the Gospel However Dark the Times. (freie Übertragung)
http://hanniel.ch/2014/09/14/gebet-gib-uns-die-ueberwaeltigende-erkenntnis-dessen-der-du-bist/

Vater unser

Das Gebet – Lebensäußerung und Aufgabe der Menschen Gottes
1. Das „Vater Unser“ als grundlegende Schule des Gebets
2. Wie sind die biblischen Verheißungen fürs Gebet zu verstehen?
3. Die Bibel nennt einige Gründe, warum Gebete nicht erhört werden.
4. Einerseits soll ich nicht zu schnell bei einem Gebetsanliegen aufgeben, aber andererseits muss ich auch ein eventuelles Nein Gottes akzeptieren.
Wie soll ich erkennen, was in meinem Fall zutrifft? Weiterlesen

Das Gebet in der Frühe entscheidet über den Tag

„Das Gebet in der Frühe entscheidet über den Tag.
Vergeudete Zeit, derer wir uns schämen,
Versuchungen, denen wir erliegen,
Schwäche und Mutlosigkeit in der Arbeit,
Unordnung und Zuchtlosigkeit in unseren Gedanken
und im Umgang mit anderen Menschen
haben ihren Grund häufig in der Vernachlässigung
des morgendlichen Gebets.“
Dietrich Bonhoeffer

Wir fallen auf unsere Knie und fühlen, wie unsicher der Untergrund ist

Ich bin fassungslos angesichts des verheerenden Erbebens in Japan. John Piper hat ein bewegendes Gebet verfasst, das ich auch zu meinem mache:
Father in heaven, you are the absolute Sovereign over the shaking of the earth, the rising of the sea, and the raging of the waves. We tremble at your power and bow before your unsearchable judgments and inscrutable ways. We cover our faces and kiss your omnipotent hand. We fall helpless to the floor in prayer and feel how fragile the very ground is beneath our knees.
O God, we humble ourselves under your holy majesty and repent. In a moment—in the twinkling of an eye—we too could be swept away. We are not more deserving of firm ground than our fellowmen in Japan. We too are flesh. We have bodies and homes and cars and family and precious places. We know that if we were treated according to our sins, who could stand? All of it would be gone in a moment. So in this dark hour we turn against our sins, not against you.
And we cry for mercy for Japan. Mercy, Father. Not for what they or we deserve. But mercy.
Have you not encouraged us in this? Have we not heard a hundred times in your Word the riches of your kindness, forbearance, and patience? Do you not a thousand times withhold your judgments, leading your rebellious world toward repentance? Yes, Lord. For your ways are not our ways, and your thoughts are not our thoughts.
Grant, O God, that the wicked will forsake his way, and the unrighteous man his thoughts. Grant us, your sinful creatures, to return to you, that you may have compassion. For surely you will abundantly pardon. Everyone who calls on the name of the Lord Jesus, your beloved Son, will be saved.
May every heart-breaking loss—millions upon millions of losses—be healed by the wounded hands of the risen Christ. You are not unacquainted with your creatures’ pain. You did not spare your own Son, but gave him up for us all.
In Jesus you tasted loss. In Jesus you shared the overwhelming flood of our sorrows and suffering. In Jesus you are a sympathetic Priest in the midst of our pain.
Deal tenderly now, Father, with this fragile people. Woo them. Win them. Save them.
And may the floods they so much dread make blessings break upon their head.
O let them not judge you with feeble sense, but trust you for your grace. And so behind this providence, soon find a smiling face.
In Jesus’ merciful name, Amen.

http://www.hanniel.ch/?p=2401