Biblischer Engelglaube und heutiger Engelkult

Engel sind seit einigen Jahren in Mode. Engelausstellungen und „Workshops“ zum Thema Engel durchziehen viele Gemeinden und Bildungswerke. Vor Jahren hätte sich das kaum jemand vorstellen können. Engel waren etwas für Kinder, denn Kinder lieben Engel. Aber die Welt der Erwachsenen hatte dafür lange Zeit keinen Raum. Seit den Zeiten des Rationalismus, der sogenannten Aufklärung vor gut 200 Jahren, waren Engel für den gebildeten Europäer nur Traum- und Phantasiegestalten.
Seit etwa zwei Jahrzehnten kann man beobachten, wie jene angeblichen Phantasiegestalten wiederkehren. Die sogenannte Postmoderne macht’s möglich. Man ist der Nüchternheit von Vernunft und Wissenschaft müde geworden, unter denen Herz und Gemüt zu erfrieren drohen. So haben die Menschen angefangen, nach den alten Weisheiten, nach den Wurzeln zu suchen. So sind Esoterik und Magie groß geworden unter uns und haben den Raum gefüllt, den der verlorene Gottesglaube hinterlassen hat. Auf einmal sind auch wieder die Engel da, jenes „himmlische Federvieh“ [W. Busch] wie man sie vor hundert Jahren verspottet hat. Die frei schaffende Phantasie entwirft Engelbilder und -gedichte. Manches fließt ein an biblischen Erinnerungen, noch mehr aber stammt aus tiefen Sehnsüchten und Träumen, die ins Bild der Engel gefasst werden. So wie man vor zweihundert Jahren die Engel für erledigt erklärt hat kraft menschlicher Vernunft, so werden sie jetzt wieder ins Leben gerufen kraft menschlicher Seelenbedürfnisse. Weiterlesen