„Ehe für alle“ – Fortschritt wohin?

Ein Diskussionsbeitrag von Gastautor Dr. Reinhard Junker
Der Artikel kann mit ausführlicheren Anmerkungen hier als PDF heruntergeladen werden.
„Ehe für alle“ – klingt gut und einladend, es wird niemand „diskriminiert“, es gelten gleiche Rechte für alle, niemandem wird etwas weggenommen. Und wenn Menschen dauerhaft Verantwortung füreinander übernehmen, ist das doch wertvoll und verdient Unterstützung, unabhängig davon, ob es sich um eine hetero- oder homosexuelle Beziehung handelt. Wo also  ist das Problem?
In diesem Beitrag möchte ich zunächst darlegen, was aus christlicher Sicht zur Ehe gesagt werden kann und anschließend die Argumente untersuchen, die spezifisch von kirchlicher Seite für die „Ehe für alle“ vorgebracht werden. Im zweiten Teil soll es um Argumente gehen, die unabhängig von christlicher Dogmatik und Ethik in der Diskussion über die „Ehe für alle“ (Efa) vorherrschen: Wie begründen die Befürworter die Efa und aus welchen Gründen lehnen sie ihre Gegner ab? In einem dritten Teil werden einige Konsequenzen erörtert. Weiterlesen

Ehe wird Privatsache

Ganz geschickt haben Grüne und Liberale die Situation vor der Bundestagswahl genutzt, um noch schnell ihre Sexualvorstellungen weiter zu zementieren. Wieder einmal haben sich all diejenigen als unverbesserliche Idealisten erwiesen, die vor zehn Jahren den Beteuerungen der Schwulenlobby geglaubt haben, man strebe nur eine gesetzliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften an, aber keine vollkommene Gleichstellung mit der Ehe. Jedem erfahrenen Politikbeobachter aber hätte eigentlich klar sein müssen, dass es genau darauf hinauslaufen würde. –Und noch sind wir ganz sicher nicht am Ende des Weges sexueller Liberalisierung.
„Ehe für alle“ heißt das trügerische Motto der jetzigen Aktion. In Wirklichkeit wird hier die breite Öffentlichkeit aber wieder einmal durch klug gewählte Begriffe manipuliert. Tatsächlich wird natürlich keine „Ehe für alle“ gefordert. Mehrere Partner gleichzeitig zu heiraten bleibt auch jetzt noch verboten. Pädophile und Zoophile müssen glücklicherweise auch weiterhin auf ihren staatlich sanktionierten Partner verzichten. „Ehe für alle“ klingt aber auf den ersten Blick so demokratisch und so gerecht. Endlich könne eine unverständliche Ungleichberechtigung aufgehoben werden, wird hier suggeriert. In Wirklichkeit geht es natürlich nur darum, das Genderkonzept ungezügelter Sexualität weiter zu festigen und gegen alle anderen Auffassungen durchzusetzen, in Deutschland und international.
Schon vor Jahren hat die deutsche Regierung den Begriff der „Familie“ neu definiert. Offiziell versteht man darunter nicht mehr die lebenslange Verbindung eines Mannes mit einer Frau und ihren Kindern, sondern eine Gruppe in der „Erwachsene mit Kindern zusammenleben“. Um wie viele Erwachsene oder Kinder es sich handelt, wie und ob sie miteinander verwandt sind oder welches Geschlecht sie haben ist bei dieser neuen Sichtweise von „Familie“ weitgehend irrelevant geworden. Nun ist auch der offizielle Sprachgebrauch von „Ehe“ ganz von seinem ehemals christlich- biblischen Hintergrund gelöst worden. „Ehe“ meint heute eben nur noch das zeitweilige Zusammenleben von mehreren Erwachsenen, nicht mehr und nicht weniger. Christen aber verstehen unter „Ehe“ die dauerhafte, exklusive und liebevolle Gemeinschaft zwischen einem Mann und einer Frau.
Es kann nicht mehr lange dauern bis sich der Staat ganz aus allen Partnerschaftsfragen verabschieden wird. Spätestens dann müssen sich Christen wieder ganz neu auf Gottes Vorstellungen von Ehe besinnen und unabhängig von gesellschaftlichen und politischen Moden verpflichtende Partnerschaft leben. Wahrscheinlich ist die Zeit nicht mehr weit, in der die eigentliche Eheschließung nicht mehr vor dem Standesamt stattfindet, sondern vor der Öffentlichkeit der Gemeinde. Auch wenn bequemerweise christliche und staatliche Vorstellungen von Ehe jahrhundertelang Hand in Hand gingen, ist das heute endgültig vorbei. Gottes Vorstellungen von einer christlichen Ehe gehen weit über die staatlicher Vorgaben hinaus. Christen sollten sich neu darauf besinnen, dass nicht alles was deutsche Gesetze legitimieren auch vor Gott akzeptabel ist.
Zu erwarten, dass ein säkularer, gottferner Staat christliche Perspektiven vertritt ist eben illusionär. Und selbst wenn Politiker so etwas versuchen würden, haben sie damit in einer materialistisch- genußorientierten Welt kaum Aussicht auf Erfolg. Statt christliche Moral im Staat herbeizusehnen müssen wir uns als Christen eben immer mehr darauf besinnen, selber vorbildlich zu leben und tatkräftig auf Jesus Christus hinzuweisen. Wenn dann diejenigen, die alles ausprobiert haben, die nur noch nach Lust und Laune gelebt haben das Scheitern und die Öde dieser Existenz erfahren haben, dann sind manche offen für die glaubwürdige Alternative echter Treue und dauerhafter Partnerschaft zwischen einem Mann und einer Frau.
Lasst uns beten für die Verantwortungsträger unseres Landes; aber nicht so sehr für eine kosmetische Erhaltung christlicher Hüllen, sondern weit eher für geistliche Weisheit und echte Umkehr. Vor allem aber ermutigt einander, treu Jesus nachzufolgen und seinen Maßstäben zu vertrauen, auch wenn der Zeitgeist sexuelle Grenzenlosigkeit bewirbt.
Michael Kotsch

Die Ehe ist Gottes Idee

„Die Ehe hat sich nicht in der späten Bronzezeit als Mittel zur Regulierung von Eigentumsrechten herausgebildet, sondern sie bildet den Höhepunkt des biblischen Schöpfungsberichtes: Gott führt Mann und Frau zusammen und vereint sie in der Ehe. Die Bibel beginnt mit einer Hochzeit( der von Adam und Eva) und endet in der Johannesoffenbarung mit einer zweiten Hochzeit (der von Christus und der Gemeinde). Die Ehe ist Gottes Idee. Sie ist zweifellos auch eine menschliche Institution und als solche immer auch ein Spiegel der Kultur, zu der sie gehört. Aber ihre Grundidee und ihre Wurzeln liegen in Gott selber,…“ Timothy Keller (Keller S. 13) Keller, Timothy + Kathy: Ehe. Brunnenverlag 2013
Die umstrittene Ehe
Dass weder in Fernsehserien, noch in Talkshows den Lebensformen Ehe und Familie angemessener Raum geboten wird, darauf hat die Kirche keinen Einfluss. Dass aber in neuesten kirchlichen Verlautbarungen diesem Trend das Wort geredet wird, ist einer traurigen Anpassung an den Zeitgeist geschuldet. Eine Kirche, die aufhört, auf Gottes Wort zu hören und es versäumt, diese Botschaft fröhlich, überzeugend und mutig zu verkündigen, kann weder „Salz der Erde“ noch „Licht der Welt“ sein ( Matthäus 5, 13+14). Die wertschätzenden Aussagen der Bibel zur Lebensform Ehe lagen nie im Trend, weder in biblischen Zeiten, noch zur Zeit Martin Luthers, noch in der Gegenwart. Luther hat die Ehe als „weltlich Ding“ bezeichnet. Damit entwertet er weder die Lebensform Ehe noch entheiligt er sie. Er weist ihr den von Gott bestimmten Ort zu. Die Ehe gehört zur Schöpfungsordnung und stellt ein Angebot für alle Menschen dar. Sie ist kein Sakrament, durch das Menschen Heil erlangen. Wer mit Luther die Ehe relativieren möchte, hat den Reformator gründlich missverstanden. Er sagt: „ Gott hat die Ehe selbst eingesetzt“ Und: „Der Ehestand ist nicht allein anderen Ständen gleichgesetzt, sondern er gehet vor und über sie alle, es seien Kaiser, Fürsten, Bischöfe…. Denn er ist nicht ein besonderer, sondern der allgemeinste edelste Stand, der durch den ganzen Christenstand, ja durch alle Welt gehet und reitet. Radikal neu war, dass sich Luther für eine ausnahmslose Verbindung von Sexualität und Ehe aussprach. Diese biblisch gut begründete ethische Position ist also keinesfalls eine Sonderlehre der Pietisten, sondern gute lutherische Theologie!
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