AfD – Wenig glaubwürdig

Stellenweise liest sich das Wahlprogramm der AfD aus christlicher Sicht wirklich gut. Immerhin ist die AfD die einzige Partei, die sich öffentlich für die besondere Förderung der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau stark macht. Nur die AfD will mehr Förderung von Eltern, die ihre Kleinkinder selber erziehen, statt sie staatlichen Stellen zu überlassen. Auch war die AfD in den vergangenen Jahren die erste Partei, die offen darauf aufmerksam gemacht hat, dass Flüchtlinge nicht unbegrenzt aufgenommen werden können.
Allerdings sollte man nicht vergessen, dass starke Sprüche aus der Opposition immer wesentlich einfacher sind als handfeste Regierungsarbeit, wie das Beispiel der einstmals gefeierten „Piraten“ oder der „Republikaner“ zeigt.
Trotz mancher positiver Ideen sind mir viele Vertreter der AfD allerdings zu wenig glaubwürdig.
1. Die AfD propagiert ein traditionelles Familienbild von Vater, Mutter Kind. Ihre Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, Alice Weidel, aber lebt in einer unehelichen lesbischen Beziehung. Frauke Petry, eine weitere Top- Frau der AfD verlässt ihren Mann und zieht, noch verheiratet, mit ihrem neuen Freund zusammen. Offensichtlich lebt man im Privaten etwas ganz anders, als man in Reden öffentlich propagiert. Solche Personen sind für mich nicht glaubwürdig, wenn sie sich für Ehe und Treue aussprechen.
2. Manche AfD- Mitglieder propagieren christliche Werte und bewerben die Partei als christlich geprägte Partei. Auf der Ebene der Bundesleitung und auch auf der der meisten Länder wird die AfD allerdings von Atheisten und bloßen Namenschristen dominiert. Umfragen zufolge stammen viele AfD- Wähler im Osten aus der Partei Die Linke und stehen dem Glauben sehr kritisch gegenüber. Gerade dort aber ist die AfD am stärksten.
3. Auch wenn die Bibel im Neuen Testament nicht sehr viel über das politische Engagement von Christen sagt, eines wird ganz deutlich hervorgehoben: Gläubige sollen für die Herrschenden beten, sich ihnen unterordnen und sie ehren (z.B. 1Tim 2,1f; 1Petr 2,17).
Im gegenwärtigen Wahlkampf aber machen sehr viele AfD Anhänger genau das Gegenteil. Gerade bei Auftritten der Bundeskanzlerin fallen AfD Sympathisanten regelmäßig dadurch auf, dass sie mit Tomaten werfen und dass sie durch Sprechchöre, Buhrufe oder Trillerpfeifen die Veranstaltungen massiv stören. Dabei handelt es sich, wie offen zugegeben wird, nicht um Einzelfälle, sondern um Aktionen, die von der AfD- Leitung organisiert wurden. „Bei der AfD gehört es zum Pflichtprogramm, zu Veranstaltungen mit Regierungspolitikern zu fahren“, sagte der persönliche Referent von AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland, René Springer, der „Zeit“. Daraus müsse man kein Geheimnis mehr machen. Hauptziel sei es, Merkel klarzumachen, wie viel Ablehnung ihr entgegenschlage, erklärte Springer. Hinzu komme: „Die Parteifreunde sagen: Wenn wir schon in den Medien nicht vorkommen, dann stellen wir uns hin und protestieren lautstark – so wird man schon über uns berichten.“ – Zwischenzeitlich ging das sogar so weit, dass die Partei- Chefin Frauke Petry ihre Truppen zurückgerufen hat, um die bürgerlichen Wähler nicht zu verschrecken.
4. Auch die Stellung der AfD zu Flüchtlingen ist undurchsichtig. Hat man zuerst gegen eine große Zahl von Flüchtlingen und gegen straffällig gewordene Ausländer protestiert, wird zwischenzeitlich in der Partei darüber diskutiert, das Asylrecht generell abzuschaffen und Abschiebequoten einzuführen. – Dann werden Leute, die sich stark gegen Juden und gegen Israel äußern lange Zeit in der Partei geduldet, ohne eindeutig Stellung zu beziehen. – Frau Alice Weidel will Deutschland vor Frau Merkel retten, wohnt selbst aber in der Schweiz. – Auch ist es nicht sehr glaubwürdig, wenn Frau Weidel jede Information über eine von ihr angestellte syrische Asylbewerberin erst einmal leugnet. Das hört sich ganz nach dem altgewohnten Politikerauftreten an, das alle Deutschen hinlänglich kennen. – Glaubwürdigkeit sieht aus meiner Perspektive anders aus.
Zweifellos wird auch in den übrigen Parteien das eine gesagt und das andere getan. Regelmäßig werden Versprechungen gemacht und dann nicht eingehalten. Begriffe wie „Familie“ werden still und heimlich umdefiniert, um eine gesellschaftliche Umerziehung zu verschleiern. – Wenn aber die AfD als moralische Erneuerung antritt, als ehrlich, offene Kraft, die gerade nicht agieren will wie andere Parteien, dann muss man leider feststellen, dass sie diesem Anspruch nicht gerecht wird. Am Ende scheint es doch wieder nur um Macht und Ideologie zu gehen.
Natürlich können Christen auch die AfD wählen. Man sollte aber genau wissen welchen Menschen man damit seine Stimme gibt und was dann im Namen der Wähler gemacht wird. – Informationen über die AfD sollte man auch nicht nur aus den Werbeabteilungen der Partei oder deren Wahlhelfern beziehen, weil man alles andere schnell als böswillige Fälschung erklärt, ohne es jeweils genau geprüft zu haben.
Wer als Christ aber regelrecht für irgendeine politische Partei „missioniert“ sollte sich ernsthaft überlegen, wem seine eigentliche Loyalität gehört. https://www.facebook.com/michael.kotsch.9