„Sie haben uns verführt zu ihren Zwecken, wir haben aber gerne mitgemacht“, schreibt der Schriftsteller Erich Loest über seine Jugend im Nationalsozialismus.

Heute erscheint Hitler vielen nur noch als seltsame Figur, geradezu als Karikatur eines Diktators. Im Vergleich zu manchen Spielfilm- Bösewichtern wirkt er harmlos, aus einer längst vergangenen Zeit. Man versteht nicht mehr wie sich Millionen von Menschen von diesem Menschen haben faszinieren lassen können, wie sie ihn geradezu als Erlöser feierten. Dieses Unverständnis wird wahrscheinlich noch unwillentlich durch die Charakterisierungen von Journalisten und Historikern gefördert, die Hitler als „arm und armselig“ (Guido Knopp), als ein „Niemand aus Wien“ (Joseph P. Stern) oder als „eine Spottgeburt aus Dreck, aus unsäglicher Verklemmtheit, tiefstem Provinzialismus“ (Hans- Ulrich Wehler) bezeichnen. Vielleicht verfälscht die begründete Abscheu über den deutschen Diktator den objektiven Blick und vielleicht verbauen gerade diese empörten Umschreibungen die Möglichkeit auch längerfristig Lehren aus dem Nationalsozialismus zu ziehen. Wem Hitler dermaßen absurd und lächerlich dargestellt wird, der hält es für vollkommen ausgeschlossen heute auf eine ähnliche Person hereinzufallen. Je weniger man sich in die scheinbar „dummen Vorfahren“ hineinversetzen kann, und versteht, warum sie Hitler zugejubelt haben, desto weniger ist man heute geschützt vor neuen Verführern und Ideologen, deren Inhalte natürlich anders lauten werden. Und das betrifft Intellektuelle und einfache Gemüter gleichermaßen.
Schon 1921 verstand Hitler es die Massen beispielsweise im Circus Krone in München zu begeistern. Politiker, Wissenschaftler und Künstler sahen in ihm den starken Mann, der Deutschland aus einer Phase von Unsicherheit und Depression herausführen könnte. Irgendwie verstand Hitler es die Sehnsucht der Menschen anzusprechen und alle ideologischen Ideale seiner Zeit miteinander zu verbinden, den Nationalismus und den Sozialismus, den Individualismus und den Kollektivismus, den Konservativismus und die Progressivität. Geschickt nutzte er die Möglichkeiten der modernen Massenmedien, deren Vertreter ihn größtenteils begeistert feierten. Hitler gab den Mensch den Eindruck von Bedeutung zu sein, gebraucht zu werden und einen historischen Auftrag zu erfüllen. Er behauptete die Welt vor einer globalen Bedrohung zu retten. Dieser „Kampf“ diente dann zur akzeptierten Einschränkung von Meinungs- und Glaubensfreiheit. Die Menschen identifizierten sich mit Hitler und das nicht nur in Deutschland. Wäre er 1938 einem Unfall oder einem Anschlag zum Opfer gefallen würde er von vielen Deutschen wahrscheinlich bis heute als einer der wichtigsten Staatsmänner des 20.Jahrhunderts angesehen. Bis in die Gegenwart fasziniert Hitler auch junge Menschen, insbesondere aus der rechtsradikalen Szene. Als kollektives Tabu bestimmt er bis heute die Diskussionen um Armee, Euthanasie oder Gentechnologie.
Da sich Menschen nicht grundsätzlich verändert haben, besteht jederzeit die erneute Gefahr, dass sich skrupellose Agitatoren inszenieren, versuchen die Meinung der Massen zu manipulieren und Andersdenkende zu unterdrücken. Sehr wahrscheinlich werden diese zukünftigen Hitler- Verschnitte nicht mehr mit denselben, zwischenzeitlich antiquierten Parolen kommen, sondern mit anderen Ideen die „Rettung der Welt“ versprechen oder die „Abschaffung bestehender Ordnung“ oder eine „vollkommen neue Zeit“ oder den notwendigen „Kampf gegen das Böse“. Immer wenn die öffentliche Meinung zu uniform wird, wenn bestimmte Überzeugungen verbannt oder lächerlich gemacht werden, wenn Werte nur noch von Massenmedien bestimmt sind, dann besteht die Gefahr von Totalitarismus und Meinungsdiktatur. Wenn dann noch der äußere Druck einer wirtschaftlichen oder politischen Krise dazukommt, sind wahrscheinlich auch heute viele Menschen bereit einem neuen „starken Mann“ oder einer „starken Frau“ zuzujubeln und ihr begeistert zur Macht zu verhelfen.
Wer selbst zu denken verlernt hat und keine zeitlosen Maßstäbe wie die der Bibel kennt, steht in erhöhter Gefahr, erneut einem falschen Messias auf den Leim zu gehen. Menschen sind stärker verführbar, wenn sie Gott verdrängen und sich oder ihr momentanes Empfinden für das Maß aller Dinge halten. https://www.facebook.com/michael.kotsch.9?ref=ts&fref=ts

 

Vor 60 Jahren: Die letzten Tage Adolf Hitlers

Hitler -Der Untergang
April 1945: Die deutschen Großstädte liegen in Schutt und Asche, die Alliierten rücken unaufhaltsam vor, die deutsche Wehrmacht meldet große Verluste. Angesichts der nahen Niederlage im 2. Weltkrieg nimmt sich Adolf Hitler am 30.04.1945, 10 Tage nach seinem 56. Geburtstag (20.04.1889 in Braunau, Oberösterreich) zusammen mit seiner langjährigen Freundin Eva Braun im Führerbunker unter der Reichskanzlei das Leben. Die Leichen der am Tag zuvor noch vermählten werden gemäß Hitlers Befehl im Garten der Reichskanzlei mit Benzin übergossen und verbrannt. Noch am selben Tag stürmt die rote Armee das Reichstagsgebäude. Am frühen Morgen des 7.Mai 1945 unterzeichnet Generaloberst Jodl im Alliierten-Hauptquartier in Reims die von General Eisenhower geforderte bedingungslose Kapitulation. Das 1.000-jährige Reich, das Adolf Hitler aufbauen wollte, geht bereits nach 12 Jahren unter. Die letzten Tage Hitlers sind in Bernd Eichingers „Der Untergang“ eindrucksvoll verfilmt. Nicht durch Ironie oder Karikatur, sondern durch Ehrlichkeit entzaubert der Film das Idol der faschistischen Bewegung. Wenn man nicht wüsste, dass der Film Hitlers Untergang historisch präzise darstellt, würde man ihn für absurdes Theater halten: Intelligente, tapfere Generäle führen bis zum bitteren Ende unsinnige und Tod bringende Befehle eines offensichtlich nicht mehr zurechnungsfähigen Führers aus. Warum gehorchen sie ? Nicht aus Angst, nicht aus Überzeugung und nicht allein aus Gehorsam. Für die Leute, die nach dem verlorenen 1.Weltkrieg orientierungs- und hoffnungslos waren, war Hitler der Heilsbringer. Ganz gezielt sprach Hitler die religiösen Bedürfnisse an, wenn er vom „Allmächtigen“, von „Vorsehung“ und „Erlösung“ sprach. In den Filmen und Bildern im Nürnberger Dokumentationszentrum spürt man noch etwas von dem religiösen Charakter der Parteitage. Nur wo die religiösen Bereiche von Menschen leer waren, konnte Hitler sie füllen und sie so sehr missbrauchen. aref.de Geschrieben von Ali