2.Petrus 2, 9. Der Herr weiß die Frommen aus der Versuchung zu erretten, die Ungerechten aber festzuhalten für den Tag des Gerichts, um sie zu strafen,

Der Herr weiß. Das ist die Antwort auf die Frage: Warum greift der Herr nicht ein, wie er in den großen Strafgerichten der Vorzeit eingegriffen hat? Jesus ist der Herr über die Gerechten und auch über die Ungerechten.
Die treuen Gemeindeglieder aber dürfen und sollen ihre Lage als Versuchung, als „Prüfung“ ansehen. Das ist, seit es Menschen Gottes gibt, deren normale Lage in der Welt. Ihr Verhältnis zu Gott muss durch Versuchungen hindurch. Sie sind; von Gott her „Prüfungen“ und Erprobungen, damit der Glaube darin seine Echtheit bewährt, wie das Gold im Feuer. Petrus hat das in seinem 1. Brief der Gemeinde ausführlich gesagt und eindringlich vor Augen gestellt: 1 Pt 1, 6.7; 3, 13 – 17jj 4, 12 – 19.
Dabei ist „Versuchung“ nicht mehr die Bedrängnis des Glaubenden in dem großen endzeitlichen Entscheidungskampf, den es nach apokalyptischer Anschauung zu bestehen gilt (vgl. Offb.3,10; Mt.6,13), sondern die dauernde Gefährdung des Frommen in einer gottlosen Welt (vgl. 1. Tim. 6,9 u.ö.). So gewiss Gott Gerechte aus solcher Versuchung rettet (vgl. l.Kor. 10,13), so gewiss wird er Ungerechte unter Strafen und Züchtigungen bis zum Gericht aufbewahren.
Es ist klar, was der Apostel mit den drei Beispielen in V. 4-8 sagen will: Gott wird die Bösen mit Sicherheit richten und die Gerechten erretten, „zur Bestrafung aufzubewahren“ Manche Kommentatoren und viele Übersetzungen sehen hierin einen Hinweis auf eine Bestrafung der Bösen schon vor dem Jüngsten Gericht. Diese Deutung drängt sich von der griech. Ausdrucksweise her zwar auf, aber viele Bibelausleger verstehen die Wendung dennoch als Hinweis auf die zukünftige Strafe am Tag des Gerichts. Da es Petrus in diesem Abschnitt um die Gewissheit des Jüngsten Gerichts geht, scheint letztere Deutung plausibler als die erstere zu sein.

2.Petrus 1,9 Wer dies aber nicht hat, der ist blind und tappt im Dunkeln und hat vergessen, dass er rein geworden ist von seinen früheren Sünden.

Je mehr wir mit und für Christus leben, desto besser lernen wir ihn kennen. Uns in den genannten Tugenden immer mehr zu vervollkommnen heißt, Jesus Christus immer besser kennen und ihm immer näher kommen.
Wenn wir diese Mühe jedoch scheuen, geschieht folgendes, a) Wir werden blind; wir bleiben ohne das Licht, das uns die Erkenntnis Jesu Christi bringt. Ohne Christus leben, heißt nach Petrus im Dunkeln tappen und den Weg nicht erkennen können, b) Wir werden, was Petrus myöpazön nennt. Dieses Wort kann zweierlei bedeuten. Erstens kurzsichtig. Es ist nicht schwer, kurzsichtig zu sein im Leben und alles nur so zu nehmen, wie es sich im Augenblick darbietet, statt auf weite Sicht zu denken. Es ist nicht schwer, immer nur das Vordergründige, niemals aber das Hintergründige zu sehen. Das Wort kann aber auch heißen blinzeln, die Augen schließen. Auch das ist nicht schwer: die Augen vor dem zu verschließen, was wir nicht sehen möchten, zu leben, als hätten wir Scheuklappen, die unser Blickfeld auf das einengen, was zu erkennen uns angenehm ist, sowohl im Hinblick auf uns selbst als auch im Hinblick auf die Welt.
Der Vorwurf, sie hätten vergessen, dass sie die »Reinigung« ihrer „alten Sünden empfangen“ haben, ist hart. Schon David mahnt sich selbst: „… vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: Der dir alle deine Sünde vergibt“ (Ps 103,2f.). Wer die Sündenvergebung vergisst, missachtet als Erstes Jesu und Gottes Liebe; der nimmt zum anderen Gottes Willen nicht ernst; schließlich steckt in diesem Wort die Mahnung, doch ja nicht vergebene Sünde neu in sich aufleben zu lassen bzw. alte (Lieblings -) Sünden, die eigentlich vergeben sein sollten, weiter mit sich zu tragen oder sich von ihnen beschweren zu lassen (1. Joh 3,19-21).
Reinigung ist die Übersetzung von katharismos, von dem sich das eingedeutschte Wort Katharsis („Läuterung“) herleitet. Die derartige Sünde eines Gläubigen macht ihn unsicher bezüglich seiner Reinigung und Errettung von seinem früheren Leben (Eph 2,4-7; 5,8.26; Tit 3,5-6; Jak 1,18; 1Petr 1,23; 1Jo 1,7). Diese Art geistlicher Vergesslichkeit führt dazu, dass solche Christen alte Sünden erneut begehen. Außerdem raubt sie ihnen ihre Heilsgewissheit.
Ohne Christus leben heißt der Gefahr ausgesetzt sein, einen kurzsichtigen oder engbegrenzten Lebensstandpunkt einzunehmen.

1.Petrus 5,9 Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass eben dieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen.

Bisher war immer die Rede von Konflikten der Christen mit Menschen die immer auch unter missionarischem Aspekt gesehen wurden; hier ist dagegen die Rede vom Feind schlechthin. Eine derartig scharfe Konfrontation wie im V 9a760 (vgl. Jak 4,7) war bisher im Brief noch nicht gezeichnet worden. Den konkreten Widersachern, den Nichtchristen nämlich, sollten die Christen nach allen brieflichen Anweisungen mit der „Waffe“ (4,1) eines überzeugend guten Lebens und der Leidensbereitschaft begegnen. Hier ist dagegen von Widerstand und Härte die Rede.
„Widersteht“ bedeutet „entgegentreten“, „widersetzen“. Dem Teufel widersteht man nicht durch bestimmte Formeln oder durch Worte, die gegen ihn oder seine Dämonen gerichtet sind, sondern indem man fest im christlichen Glauben bleibt. Das bedeutet, dauerhaft in Übereinstimmung mit der Wahrheit des Wortes Gottes zu leben. Wenn der Gläubige die gesunde Lehre kennt und der Wahrheit Gottes gehorcht, widersteht er damit dem Satan (vgl. Eph 6,17).
Petrus beendet diesen Abschnitt mit einer Zusicherung an seine Leser, die ihre vielen Verfolgungen, Leiden und Prüfungen demütig, gehorsam, wachsam und mutig durchstanden, aber darin nicht allein waren. Er erinnerte sie daran, dass sich die gleichen Leiden erfüllen an ihrer Bruderschaft, die in der Welt ist. Gläubige an anderen Orten konnten mit ihnen mitfühlen, weil jeder Teil der christlichen Gemeinschaft die Angriffe des Feindes erfahren hat oder noch erfahren wird (vgl. Hebr 13,3).
Hier ist die Kirche nicht die „Herde Gottes“, auch nicht das „Haus Gottes“ und nicht der „Leib Christi“, sondern die „Gemeinschaft der Brüder“. Von Anfang an hatten die Christen den Brauch, sich untereinander „Bruder“ und „Schwester“ zu nennen.
Lassen Sie sich nicht von Ihrem eigenen Selbstvertrauen oder irgendeiner mittelalterlichen Karikatur eines koboldhaften Teufels in die Irre führen. Unser Feind ist ein Mörder, und außer Jesus Christus ist ihm keiner gewachsen. Wir können ihn zwar verabscheuen, aber wir tun gut daran, ihn wie alle lebensgefährlichen Feinde zu respektieren und auf Distanz zu gehen. Hier wütet ein Krieg!