1.Petrus 5,5 Desgleichen ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter. Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.

Im letzten Abschnitt dieses Briefes spricht Petrus die gottesfürchtigen Einstellungen an, die für die Entwicklung einer geistlichen Denkweise so wichtig sind. In einer abschließenden Reihe von Ermahnungen und einigen Schlussworten bringt der Apostel seine Leser zum Nachdenken über wesentliche christliche Einstellungen: Unterordnung, Demut, Vertrauen, Selbstbeherrschung, Wachsamkeit, innere Stärke, Hoffnung, Anbetung, Treue und Liebe.
Wie zuvor schon in diesem Brief (3,1.7) verwendet Petrus das Wort (Desgleichen) als Überleitung. In drei Stellen markiert das Wort einen Wechsel von einer Gruppe zu einer anderen. In 2,13-20 und 3,1-7 fordert Petrus die Gläubigen auf, sich ihren Arbeitgebern, den staatlichen Autoritäten und in der Ehe unterzuordnen.
Die Jüngeren sollen das höhere Alter und die auf Grund der Erfahrung größere Weisheit der Älteren anerkennen und deshalb deren Urteil höher schätzen als ihr eigenes. Außerdem sollen sie sie um ihres Werkes willen hochachten (Kap 2,13.18; 3,1)
Um seine Aufforderung zu Demut zu bekräftigen, zitierte Petrus aus Sprüche 3,34: Gott widersteht den Hochmütigen; den Demütigen aber gibt er Gnade (vgl. Jak. 4,6). Das Petrus’ Zitat unterscheidet sich geringfügig von der Septuaginta, insofern dass er „Herr“ aus der Septuaginta durch Gott ersetzt, aber letzten Endes sind die beiden Namen gleichbedeutend. „Alle aber miteinander haltet fest an der Demut;“
Die Grundhaltung der Demut sollen alle Christen „festhalten“. Engkomböomai bezeichnet das Anknoten, Anbinden, Umlegen, Anlegen von Kleidung, gemeint ist Arbeitskleidung (vgl. Joh 13,4). Damit wird sehr deutlich, dass „Demut“ im biblischen Sinne keine Emotion meint, sondern eine Haltung, die sich im praktischen Tun, im Dienst aneinander auswirkt. So hat es Jesus getan und seinen Jüngern ein für alle Mal gezeigt, wie christliche Demut dient (vgl. Joh 13,4ff.). „Demut“ (wörtlich „hinunterdenken“) ist das Tun, das dem, der „unten“ ist, den Geringen und Armen selbstlos und hilfreich begegnet und hilft, sich selbst gibt.
Die Hochmütigen (vgl. Lk 1,51; Röm 1,30; 2 Tim 3,2) sind hier die selbstgerechten Gegner der Christen, ebenso wie die auf Ehrgeiz und Einfluss bedachten Christen, die den Gemeindefrieden stören. Ihr Weg führt nicht zum Ziel. Die Demütigen sind jene Christen, die vor Gott um ihre Grenzen und ihre Unvollkommenheit wissen und um Gottes und Christi willen dienstbereite Liebe üben, sich ein- und unterordnen und ihre Sache Gott anheimstellen (vgl. 4,19). Gnade steht hier für Gottes Wohlwollen, Sorge, Treue, Führung, Kraft, Beistand und endgültiges Heil (vgl. 1,2.10.13; 3,7; 4,10; 5,10.12).
Und genau das fehlt den „Erfolgreichen“ unserer Zeit: eine größere Gnade. Es ist auffallend, wie selten auf der Überholspur bei den Aggressiven und Selbsteingenommenen von Gnade die Rede ist. Gnade, so Petrus, verschenkt Gott an die Demütigen, nicht an die Überheblichen.