2.Petrus 1,4 Durch sie sind uns die kostbarsten und größten Verheißungen geschenkt, damit ihr durch sie Teilhaber der göttlichen Natur werdet und dem Verderben entflieht, das durch die Gier in der Welt ist.

Das ist der Christ, wie Petrus ihn versteht, die Charakterzüge Gottes werden in ihm gefunden, er gleicht Christus, göttliches Leben, göttliche Lebensqualität werden in ihm gebildet, werden bei ihm gesehen. Hierzu sind wir berufen. Mir ist nicht nur vergeben, ich bin Teilhaber der göttlichen Natur. Ich bin ein neuer Mensch, eine neue Schöpfung, und ich soll es der Welt kundtun. Das ist meine Berufung! Wie aber ist ein solcher Standard erreichbar? Der Apostel weist zunächst darauf hin, dass uns alles, was zum Leben und zur Gottseligkeit gehört, bereits geschenkt wurde: Und wie befähigt mich diese aus dem Evangelium geschenkte Erkenntnis, schon hier ein Leben zu führen, das dem Gottes und Christi gleicht? Zuerst und vor allem öffnet mir das Evangelium die Augen für meinen natürlichen Zustand. Das erste, worüber ein Mensch Licht haben muss, ist er selbst. Wer ist er? Welchen Sinn hat sein Leben in dieser Welt? Wo geht er hin? Und in der Tat, wenn wir uns dann das neue Leben des Christen vorstellen, verstehen wir, wie vollständig Petrus die Lehre des Neuen Testaments, ja die ganze Bibel in eben diesen Worten zusammengefasst hat: „Ihr seid dem in der Welt durch die Lust herrschenden Verderben entflohen.“
Anteil zu haben an der göttlichen Natur, d. h. mit Gott verbunden zu sein, führt nicht zur Weltflucht, sondern lässt uns dem Zwang dieser Welt entgehen, nur an sich zu denken, und macht uns frei, für Gott in dieser Welt zu wirken (vgl. Joh. 17,15: in der Welt, nicht von der Welt).

1.Petrus 5,4 So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen.

Wie alle Vergleiche hinkt auch der zwischen der Herde Christi und einer Schafherde. Am Ende des Lebens eines Schafes steht die Schlachtung. Das Schaf lässt, so möchte man sagen, sein Leben für seinen Besitzer, der sich dann einen Lammbraten serviert. Bei der Herde Christi ist das ganz anders. Am Ende eines Christenlebens steht zwar auch der Tod, aber dieser ist der Eingang ins ewige Leben, wie die Auferstehung Jesu Christi zeigt. Und mehr noch: Am Ende steht die Wiederkunft Christi, die in unserem Text als das Erscheinen des Erzhirten bezeichnet wird. Dann wird Christus alle die, die rechte Schafe seiner Herde waren, als eine große Herde aus allen Völkern und aus den unterschiedlichsten geschichtlichen Epochen offenbar machen. Dann werden auch die Pastoren nichts anderes als Schafe Christi sein und sich mit der ganzen Herde an der Barmherzigkeit des Herrn freuen.
In der ganzen Schrift ist der oberste Hirte einer der schönsten Titel für den Heiland. Das Bild des Hirten für den Messias tauchte zum ersten Mal im Alten Testament auf (Sach 13,7; vgl. Ps 23,1). Das Johannes-Evangelium nennt ihn den guten Hirten (10,11; vgl. V. 2.12.16.26-27). Der Verfasser des Hebräerbriefs bezeichnete Christus als den großen Hirten (13,20-21). In einem früheren Kapitel dieses Briefes nannte Petrus ihn den Hirten und Hüter unserer Seelen (2,25).
In der Welt des NT wurden Kronen als Zeichen siegreich bestandenen Kampfes verliehen (vgl. 1Kor 9,24.25). Gläubigen sind verschiedene Kronen verheißen: außer der Ehrenkrone die Krone des Lebens (Jak 1,12), dazu noch die der Gerechtigkeit (2Tim 4,8) und der Freude (1Th 2,19). Alle diese Kronen sind unvergänglich (1Kor 9,25) und beschreiben bestimmte Merkmale des ewigen Lebens. Das gr. Wort für „unverwelklich“ ist der Name einer Blume, nämlich der Amaranthgewächse.
Offen gesagt wissen wir nicht allzu viel über die verheißenen Kronen der Schrift – etwa den Freudenkranz (1. Thess 2,19), den Kranz der Gerechtigkeit (2. Tim 4,8), den Kranz des Lebens (Jak 1,12; Offb 2,10) und den Kranz der Herrlichkeit. Wir wissen nicht, ob es sich um echte Kränze handelt, die wir dem Heiland zu Füßen legen werden, oder ob sie einfach nur anzeigen, welche Verantwortung wir während der Herrschaft Christi haben (Lk 19,17-19), oder ob sie Teil unseres christlichen Charakters sein werden, die wir in der gesamten Ewigkeit behalten werden. Doch wir wissen, daß sie die gerechte Vergeltung für alle Tränen, Anfechtungen und Leiden sein werden, die wir hier auf Erden erduldet haben.