2.Petrus 1,10 Darum, liebe Brüder, bemüht euch desto mehr, eure Berufung und Erwählung festzumachen. Denn wenn ihr dies tut, werdet ihr nicht straucheln

Die Berufung und Erwählung macht uns nicht zu „Marionetten“ in Gottes Hand, er läßt uns „Person“ bleiben mit eigener Verantwortung.
Die Erwählung ist kein Freibrief zum Sündigen. Gegen eine unberechtigte Selbstsicherheit wendet sich das NT mit seinen Imperativen, den Aufforderungen zum Gehorsam. Darum betont Petrus den Eifer, „Berufung und Erwählung festzumachen“. „Fest“ ist ein Begriff der Rechtssprache und bedeutet „rechtskräftig“ (vgl. Mk 16,20; Hebr 2,2f.; Phil 1,7). Die Heilsgewissheit beruht auf der rechtsgültigen Verheißung und im Wort Gottes (1. Kor 1,6.8; Hebr 6,16.19; 2. Petr 1,10.19).
Wir können unsere „Berufung und Erwählung“ nicht noch fester machen, als sie es schon sind, denn Gottes ewige Pläne können nicht umgestoßen werden. Leben in der Heiligung hält uns vom Straucheln ab. Es geht dabei nicht darum, dass wir in ewige Verdammnis fallen könnten, denn das Werk Christi errettet uns davor.
Hier ein versuch, anhand eines unvollkommenen Beispiels. Angenommen, jemand, der wohlhabend und gütig ist, ermöglicht einem armen Jungen, der von sich aus keine Gelegenheit dazu gehabt hätte, ein Universitätsstudium. Der junge Mann kann jedoch erst dann von ihm zuteil gewordenen Vorrecht Gebrauch machen, wenn er bereit ist, zu arbeiten, zu studieren und keine Mühe zu scheuen. Je härter er arbeitet, desto mehr nützt ihm das Vorrecht. Erst wenn das großzügige Angebot sich mit persönlicher Anstrengung verbindet, kann es voll wirksam werden. So verhält es sich auch mit Gott und uns. Gott hat uns zwar in seiner unverdienten Gnade und Barmherzigkeit berufen, doch wir selbst müssen uns gleichzeitig mit allem Fleiß darum bemühen, voranzukommen auf dem Wege zu ihm.

1.Petrus 5,10 Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen.

Der Ring schließt sich. Das ist das „Thema“ des ganzen Briefes, mit dem er begonnen, unter dem er geschrieben ist und mit dem er jetzt schliessen wird: der Gott aller Gnade. Wer Gott sagt, der sagt: alle Gnade, ganze Gnade Wie wenig verstehen wir oft, was Gnade ist, und wie groß die Gnade Gottes ist. Gnade setzt voraus, dass wir Sünder sind. Wenn wir keine Sünder wären, dann hätten wir nicht Gnade nötig, sondern Gerechtigkeit.
Der euch berufen hat macht deutlich: das neue Leben beginnt nicht mit dem Tun des Menschen, sondern mit Gottes Berufung. Die Berufung aber zielt hin auf unser Teilhaben an seiner ewigen Herrlichkeit. „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und was in keines Menschen Herz gekommen ist“, das „hat Gott bereitet denen, die ihn lieben“ (1 Ko 2, 9).
Petrus liefert eine präzise Beschreibung dieses irdischen Heiligungsprozesses durch Gott anhand von vier nahezu synonymen Begriffen: aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. All diese Worte beinhalten Stärke und Festigkeit, die Gott allen Gläubigen im geistlichen Kampf geben will (1Kor 15,58; 16,13; Eph 6,10; 2Tim 2,1).
„Herrlichkeit“ ist also nicht nur, nicht einmal primär unser individuelles Glück, sondern endgültige Heilung einer abgespaltenen Welt.
Gott selbst ist nicht Zuschauer oder Schiedsrichter im Kampf der Christen, sondern Bundesgenosse und machtvoller Helfer im Streit. Er bleibt auch inmitten des Kampfes „der Gott aller Gnade“. So wie am Anfang des Christenweges Gottes wirksamer Anruf stand, so ist von Anfang an das Ziel dieses Weges im Auge, das dieses innerzeitliche Zwischenstadium („kurze Zeit“, vgl. 1,6) der Leiden übergreift. Gott aber wird auch auf diesem Wege selbst den Bedrängten zu Hilfe kommen und ihnen Kraft verleihen.