1.Petrus 5,4 So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen.

Wie alle Vergleiche hinkt auch der zwischen der Herde Christi und einer Schafherde. Am Ende des Lebens eines Schafes steht die Schlachtung. Das Schaf lässt, so möchte man sagen, sein Leben für seinen Besitzer, der sich dann einen Lammbraten serviert. Bei der Herde Christi ist das ganz anders. Am Ende eines Christenlebens steht zwar auch der Tod, aber dieser ist der Eingang ins ewige Leben, wie die Auferstehung Jesu Christi zeigt. Und mehr noch: Am Ende steht die Wiederkunft Christi, die in unserem Text als das Erscheinen des Erzhirten bezeichnet wird. Dann wird Christus alle die, die rechte Schafe seiner Herde waren, als eine große Herde aus allen Völkern und aus den unterschiedlichsten geschichtlichen Epochen offenbar machen. Dann werden auch die Pastoren nichts anderes als Schafe Christi sein und sich mit der ganzen Herde an der Barmherzigkeit des Herrn freuen.
In der ganzen Schrift ist der oberste Hirte einer der schönsten Titel für den Heiland. Das Bild des Hirten für den Messias tauchte zum ersten Mal im Alten Testament auf (Sach 13,7; vgl. Ps 23,1). Das Johannes-Evangelium nennt ihn den guten Hirten (10,11; vgl. V. 2.12.16.26-27). Der Verfasser des Hebräerbriefs bezeichnete Christus als den großen Hirten (13,20-21). In einem früheren Kapitel dieses Briefes nannte Petrus ihn den Hirten und Hüter unserer Seelen (2,25).
In der Welt des NT wurden Kronen als Zeichen siegreich bestandenen Kampfes verliehen (vgl. 1Kor 9,24.25). Gläubigen sind verschiedene Kronen verheißen: außer der Ehrenkrone die Krone des Lebens (Jak 1,12), dazu noch die der Gerechtigkeit (2Tim 4,8) und der Freude (1Th 2,19). Alle diese Kronen sind unvergänglich (1Kor 9,25) und beschreiben bestimmte Merkmale des ewigen Lebens. Das gr. Wort für „unverwelklich“ ist der Name einer Blume, nämlich der Amaranthgewächse.
Offen gesagt wissen wir nicht allzu viel über die verheißenen Kronen der Schrift – etwa den Freudenkranz (1. Thess 2,19), den Kranz der Gerechtigkeit (2. Tim 4,8), den Kranz des Lebens (Jak 1,12; Offb 2,10) und den Kranz der Herrlichkeit. Wir wissen nicht, ob es sich um echte Kränze handelt, die wir dem Heiland zu Füßen legen werden, oder ob sie einfach nur anzeigen, welche Verantwortung wir während der Herrschaft Christi haben (Lk 19,17-19), oder ob sie Teil unseres christlichen Charakters sein werden, die wir in der gesamten Ewigkeit behalten werden. Doch wir wissen, daß sie die gerechte Vergeltung für alle Tränen, Anfechtungen und Leiden sein werden, die wir hier auf Erden erduldet haben.

1.Petrus 5,3 nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde.

Jede Art von autokratischer, repressiver und einschüchternder Leiterschaft mit demagogischen Elementen – ist eine Verzerrung des Aufseheramtes. In Matthäus 20,25-28 legte der Herr Jesus den Maßstab fest: Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wisst, dass die Fürsten der Heidenvölker sie unterdrücken.
Es gibt einen Mißbrauch der Leitung, ein falsch verstandenes Amtsbewußtsein. Durch Herunterherrschen spielen sich die Diener der Gemeinde als Herren auf, nehmen Gott die ihm gebührende Ehre und Herrscherstellung und entmündigen die Gemeindeglieder. Dabei geht deren Freiheit und verantwortliche Mitarbeit, die Freude am Dienst und das Gemeinschaftsbewußtsein verloren. So können Älteste das ihnen Zugeteilte durch „Herunterherrschen“ geradezu „herunterwirtschaften“.
Der Prophet Hesekiel warf den falschen Hirten vor: „Das Schwache stärkt ihr nicht, und das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht; das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt, und meine Schafe sind zerstreut, weil sie keinen Hirten haben“ (Hes 34,4 – 5).
Nicht Herrscher-Naturen, sondern Vorbilder braucht die Gemeinde. Wer sich zum Herrn macht, verlangt gern von der Gemeinde Dienste, die er selbst nicht zu tun bereit ist. Wer dagegen Vorbild ist, geht im Dienen voran. Alle „Älteren“ stehen unter dem Auftrag, Vorbilder der Herde zu werden. Nicht die Predigtgabe und nicht überragende menschliche Fähigkeiten sind in erster Linie für den Ältestendienst nötig, wohl aber eine Lebenshaltung, die von Jesus und den Aposteln, und das heißt von der Heiligen Schrift her geprägt ist.
Viele Mißstände in der Christenheit ließen sich verhindern, wenn man nur den drei Anweisungen in den Versen 2 und 3 gehorchen würde. Die erste würde alle falsche Zurückhaltung ausschließen, die zweite das Ende der Geldgier im Amt sein und die dritte der Tod des Amtsdenkens in der Gemeinde.

1. Petrus 5,2 Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund;

Mit wenigen Worten bringt Petrus geistliche Leitung auf den Punkt, indem er das Bild des Hirten und seiner Herde aufgreift. Bevor er ins Detail geht, stellt er eins klar: Es ist Gottes Herde, die geleitet wird. Und weil die Herde (sprich die Gemeinschaft der Christen) Gottes Besitz ist, bringt das das Leitungsamt eine große Verantwortung mit sich.
Hirte sein bedeutet nicht nur, den lieben langen Tag im Gras zu sitzen und Flöte zu spielen. Hirten müssen auf die ihnen anvertraute Herde aufpassen. Wer nur seine Schokoladenseite präsentiert, kann eigentlich kein Vorbild sein. Höchstens ein Idealbild, an dem alle scheitern, er selbst einbegriffen. Vorbilder sein, auch vorbildlich leiten, können wir dann, wenn wir nicht aus den Augen verlieren, dass die Gemeinde immer eine Gemeinschaft von Sünderinnen und Sündern ist.
Mit scharf kontrastierenden Mitteln macht Petrus klar, aus welchen Motiven heraus und in welcher Weise das Amt des Bischofs oder Ältesten verwaltet werden muß. Der Älteste muß aus freiem Antrieb und nicht aus dem Gefühl äußeren Drucks handeln: Nicht gezwungen, sondern freiwillig. Soziale oder finanzielle Beweggründe dürfen nicht an die Stelle des reinen Wunsches treten, Gottes Willen zu erfüllen und ihm engagiert zu dienen: Nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund (vgl. 1. Tim 3,8; Tit 1,7.11). Ein Hirte, der aus falschen Motiven heraus für seine Herde sorgt, „bringt nur sein eigenes Schäfchen ins Trockne“ und läßt die Herde verderben (Hes 34,2 – 3).

1. Petrus 5,1 Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll:

Menschen sind wie Zahnpastatuben, drückt man drauf, kommt raus was in ihnen ist. Das heißt, unter Druck kommt raus, was wirklich in einem Steckt. Im „Normalmodus“ können wir uns gut etwas vorspielen, wir tragen unser Sonntagsgesicht, oder unser Gottesdienstgesicht, oder Hauskreisgesicht. Kommen wir jedoch unter Druck, die Art des Drucks kann dabei völlig verschieden sein, dann kommt raus, was wirklich in uns steckt.
Die Anweisungen an die Ältesten sind in drei paarweisen negativen und positiven Mahnungen zusammengefasst. Sie orientieren sich an Hesekiel 34,1 – 16, wo die falschen Hirten dem Guten Hirten gegenübergestellt werden.
Petrus nennt sich hier nicht Apostel“ (wie in 1, 1), sondern Mitältester und stellt sich damit auf die gleiche Stufe mit den Ältesten. Damit deutet er an, daß jede Mahnung, die er gibt, auch ihm selbst gilt, daß er ihnen keine Last auflegt, die er nicht selbst zu tragen bereit ist.
Das NT verwendet das Wort „Zeuge“ in doppeltem Sinn, wobei die Bedeutungen ineinander übergehen können. Das Wort bedeutet den, der als Augenzeuge etwas bezeugt (Mt 18, 16; Apg 7, 58), wie den, der werbend für etwas Zeugnis ablegt (Apg 22, 15; Apk 2, 13). Beides kann auch verbunden sein (Lk 24, 48; Apg 1, 8; 13, 31).
Der Ausdruck Herrlichkeit, die geoffenbart werden soll bezieht sich auf die Rückkehr Christi (vgl. 1,7-9; 4,7.12-13; Mt 24,30; 25,31; Mk 13,26; Lk 21,27). Indem Petrus sagt, er sei auch ein Teilhaber an diesem Segen, deutet er an, dass dies ebenfalls für die Ältesten gilt. Dass die Gläubigen die ewige Herrlichkeit mit ihrem Herrn teilen, ist der Kern ihrer Hoffnung (5,10; vgl. 2Kor 1,1-7; Phil 3,20-21; Kol 1,27; 3,4; 2Thes 2,14; Hebr 2,10; 2Petr 1,3; 1Jo 3,2).