1. Petrus 3, 12 Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Gebet; das Angesicht des Herrn aber steht wider die, die Böses tun« (Psalm 34,13-17).

Das Zitat aus Psalm 34,16-17 beschreibt anschaulich die Tatsache, die Gläubige zu einer Gott wohlgefälligen Lebensführung motivieren sollte. Die Worte des Psalmisten sprechen von einem souveränen, herrschenden Gott (Ps 90,2; 102,26-28; Dan 4,32; Eph 3,11), der alles sieht (Hi 28,24; Spr 5,21), alles weiß (Ps 147,5; Röm 11,33), der Menschen für ihr Verhalten verantwortlich macht (1Mo 2,16-17; Röm 1,20) und bei Ungehorsam mit Strafe droht (Hes 18,4; Röm 6,23). Aber Petrus’ Hauptanliegen hier ist nicht das Gericht, sondern Gottes Fürsorge für sein Volk.
Die Ausdrücke die Augen des Herrn… und seine Ohren wollen die liebevolle Achtsamkeit Gottes ausdrücken zugunsten der Gerechten, und ihrer Bitten. Das Gottesverhältnis äußert sich im Bitten, im Beten, und hier ist die Verheißung, daß Gott aufmerksam hört. Wer Bedrängnis und Schmähung erduldet, hat viel zu bitten. Wer betet, bekommt die Kraft, auf Böses nicht mit Bösem zu reagieren. Das Angesicht des Herrn (ist gerichtet) gegen die, die Böses tun. Diese Worte zeigen die aktive Gegnerschaft Gottes. Wer Böses tut, hat Gott frontal gegen sich. Gottes Zorn ist gegen die gerichtet, die Böses tun, und gegen jene, die seinem Wort ungehorsam sind (vgl. Offb 6,16). Ob heute oder zur Zeit von Petrus: Christen haben schon immer mit einer feindlich gesinnten Welt zu kämpfen gehabt. Doch sie können in Demut leben, in christusgemäßer Weise auf Verfolgung reagieren und am göttlichen Autoritätsmaßstab festhalten, weil sie die Verheißung haben, dass Gott selbst inmitten von Versuchungen über sie wacht, sie beschützt und ihnen seinen Segen schenken möchte.

1. Petrus 3, 11 Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach.

Der auf Psalm 34,15 basierende Vers 11 enthält vier imperative Anweisungen. Erstens sollen sich Gläubige vom Bösen abwenden (vgl. 1Thes 5,22 Meidet das Böse in jeder Gestalt).
Das Verb abwenden (ekklinatō) suggeriert eine starke Ablehnung von sündigen Dingen – in diesem Zusammenhang die sündige Behandlung anderer, selbst jener, die die Heiligen verfolgen (vgl. Mt 5,44; Röm 12,14). Zweitens fordert Petrus seine Leser auf, Gutes zu tun, etwas, das von ausgezeichneter Qualität ist und eine tiefe Tugendhaftigkeit zum Ausdruck bringt. Dies steht in scharfem Kontrast zur gegenwärtigen Vorstellung von einem guten Leben, wo jeder das tut, was er will, was ihm ein gutes Gefühl beschert – alles auf Kosten des Gehorsams gegenüber dem Willen Gottes. Der dritte und vierte Imperativ erscheinen zusammen in der Aufforderung an die Gläubigen: Suche den Frieden und jage ihm nach! Die Verben, die mit suche und jage übersetzt wurden, vermitteln beide ein intensives und dynamisches Handeln. (Der Satz enthält unausgesprochen das Bild eines Jägers, der seine Beute mit Leidenschaft aufspürt.) Frieden (eirēnēn) bezeichnet einen konstanten Zustand von Ruhe, der dauerhafte Freude und Glück zur Folge hat (vgl. Lk 2,14; 8,48; 19,38; Joh 14,27; 16,33; Röm 5,1; 8,6; 15,13; Gal 5,22; Phil 4,7; Kol 3,15; 2Thes 3,16).
Friede „muß eine Angelegenheit sorgfältigen Suchens“ sein. Jede Straße muß erforscht, jedes Hindernis muß überwunden, jede Tür muß geöffnet werden, um Frieden zu finden und den göttlichen Frieden herzustellen. Friede ist nicht nur die Abwesenheit eines Konfliktes; das kann ein Waffenstillstand besorgen. Es ist vielmehr die wohltuende, positive Herrschaft des Friedefürsten im Herzen, der Seele und im Verstand. Diese stille Freude kann im Leben regieren, selbst wenn es unter Druck steht oder angesichts einer Krise. Im Schatten des bevorstehenden Kreuzes sagte der Herr Jesus: „meinen Frieden gebe ich euch“ (Joh 14,27).

1. Petrus 3, 10 Denn »wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrügen.

Diese Mahnung ist so wichtig, daß Petrus sie durch ein Zitat aus Ps 34, 13-17 unterstreicht. Dort geht es um einen Ratschlag für Menschen, die Freude am Leben haben wollen. Und wer „will“ das nicht? „gute Tage“ zu sehen ist der Wunsch aller Menschen. Solch universale Hoffnung wird in den Grußformeln so vieler Sprachen ausgedrückt wie „Guten Tag“, „Buenos Dias“ usw. Diesen Wunsch auszudrücken ist eine Sache, aber wirklich einen guten Tag zu haben, erfordert mehr als Worte und den Wunsch. Seltsamerweise folgen hier keine Tipps, wie man sich gesund ernährt, richtig Geld verdient und Erfolg hat. Der Rat beschränkt sich auf unser Reden: „… der sollte seine Zunge zurückhalten, Böses zu reden, und keine Falschheit über seine Lippen kommen lassen.“ „hüte“ steht hier als Befehlsform im Aorist und schließt ein gewaltsames Zurückhalten ein, wobei dann etwas zum Aufhören veranlaßt wird. Die Enthaltsamkeit von negativem Gerede verbessert also unsere Lebensqualität.

1. Petrus 3,9 Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt.

Die Missionswissenschaft hat es nachgewiesen, der Schlüssel für die Ausbreitung des Christentums lag im einzigartigen Betriebsklima dieser jungen Gemeinden. Bei allen Streitigkeiten überzeugten sie durch ihre warmherzige, glaubwürdige und sympathische Atmosphäre. Sie zog die Menschen so in den Bann, dass sie das Geschwätz der anderen Leute auf der Straße in Kauf nahmen, so lange untereinander fair miteinander umgegangen wurde.
Bemerkenswert ist, daß Petrus keine passive Haltung, nicht Flucht und Reaktion der Schwäche fordert, sondern aktive Erwiderung: im Gegenteil segnet“. Im AT segneten die Patriarchen und Priester; sie waren von Gott beauftragt und beschenkt zum Segnen. Im NT ist jeder Wiedergeborene ein Priester (2, 9) und darum zum Segnen berufen. Jesus hat geboten, die Feinde zu segnen (Lk 6, 28).
„Segnet“ (eulogountes) bedeutet in diesem Fall, Gutes von jemand zu sagen. Es unterscheidet sich von dem Begriff „selig“ (makarioi, „glücklich oder bevorzugt“, in V. 14; vgl. 1. Petr 4,14; Mt 5,3 – 11).
Die Bedeutung des 1 Petrusbriefes liegt gerade darin, das die Worte Jesus in der Situation der Verfolgung unverkürzt zur Geltung zu bringen und den leidenden Christen zu sagen, daß sie gerade im Leiden berufen sind, sich als Christen zu bewähren. Er hat ernst mit der Forderung Jesu gemacht, alles Böse, gerade auch ungerechtes Leiden, im Geist Jesu gewaltlos, gläubig und liebend zu bestehen und so das Böse zum Guten hin zu wenden. Er hatte den Mut, im Anschluß an Jesu Seligpreisung der um seinetwillen Verfolgten, den leidenden Christen in Kleinasien, zu sagen, daß ihr Leiden in den Augen Gottes Gnade sei (2,20b; 4,14.16). „Nirgends sonst ist diese hohe Forderung in so ausführliche Beziehung zum Christus der Passion gebracht worden wie im 1 Petr (2,23)“. Es sollte einem Gläubigen leichtfallen,  einer anderen Person, die schuldig an ihm geworden ist, zu vergeben, denn  sowohl der Gläubige als auch die gegen ihn begangene Sünde sind so gering verglichen  mit der Größe Gottes und der gegen ihn gerichteten Sünde.

Aus Ichlingen sollen Wirlinge werden

1.Petrus 3,8 Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig.
„Seid allesamt gleichgesinnt!“ übersetzte Luther hier aus dem Griechischen. Allerdings kann dieser Aufruf zur gleichen Gesinnung leicht missverstanden werden. Als müsste man eine einheitliche Gesinnung in christlichen Gemeinden erzwingen. Aber wer definiert die Grenzen der richtigen Gesinnung? Ist es überhaupt sinnvoll, sie dem Einzelnen künstlich überzustülpen, ohne dass er mit ganzem Herzen Ja dazu sagen kann? Zu was Petrus hier tatsächlich aufruft, wird erst klarer, wenn man das Wort, das er hier gebraucht, näher untersucht. Man stellt fest, dass der Begriff „Gemeinsinn“ treffender ausdrückt, was gemeint ist. Christen sollen einen Sinn für die anderen entwickeln. Sie sollen lernen, wahrzunehmen, was der andere denkt, fühlt und braucht. Sie sollen lernen, dass die anderen um sie herum gleich wichtig und gleich wertvoll sind wie sie selbst. Von Natur aus sind wir Menschen nämlich Egoisten, „Ichlinge“. Selbst wenn wir andere Menschen lieben, sie schätzen und ihnen helfen, tun wir das nie ganz selbstlos. Man muss sich ganz ehrlich die Frage stellen: „Gibt es in meinem Bekanntenkreis Menschen, die mir nichts bringen und doch meine Liebe und Wertschätzung haben?“ Christen sollen „Wirlinge“ werden. Den Weg zu diesem Gemeinsinn beschreibt Petrus mit vier Adjektiven: mitfühlend, freundschaftlich verbunden, hilfsbereit und bescheiden. Christlicher Wirling kann man also nur werden, wenn man ein ehrliches Interesse am anderen entwickelt. Wie denkt er? Wie fühlt er? Wie kann ich ihn zum Freund gewinnen? Was kann ich für ihn tun? Wo kann ich ihn fördern und unterstützen? Diesen Sinn für den Nächsten zu entwickeln gilt für alle Christen. Wie der erste Schritt aussieht, um diesen Gemeinsinn zu bekommen, beschreibt Petrus in den nun folgenden Versen. http://www.muehlacker.feg.de/cms/1-Petrusbrief.212.0.html

1. Petrus 3,8 Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig.

Das Wort endlich will nicht den Schluß des Briefes einleiten, sondern die in 2, 11 begonnenen Mahnungen zusammenfassen in einer Ermahnung an alle. In Verfolgungszeiten redet nichts so laut wie das Leiden für Jesus, verbunden mit einer guten Lebensführung. Nicht intellektuelle Überlegenheit ist entscheidend oder überragendes Können, sondern ein neues Wesen. Verwandlung unseres Wesens von der Ichsucht zu der Art Jesu, das ist das Ziel.
Die für das Christenleben allgemein erforderlichen Haltungen („Tugenden“) faßt Petrus in fünf Partizipien zusammen:
„seid allesamt gleich gesinnt“ ist die erste Weisung. Dies meint keine Uniformität im Denken, sondern wird als Denken und Trachten, also ein auf etwas gerichtetes Wollen, gefasst. Dass seine Jünger „gleichgesinnt“ sein sollen, das sagt zuerst Jesus (vgl. Joh 17,21; auch Röm 12,16; Röm 15,5; 2. Kor 13,11; Phil 2,2; Phil 4,2). Die beste Formel findet sich in dem wohlbekannten Wort: „Im Wesentlichen Einheit, im Unwichtigen Freiheit, in allem aber Liebe“.
„Mitleidig“ ist die Übersetzung des griechischen Wortes sympathes, wovon das Wort Sympathie abgeleitet wurde. Es hätte besser durch „mitfühlend“ übersetzt werden müssen, weil es auch das Mitempfinden der Freude beinhaltet. Als Brüder und Schwestern, als Glieder der Familie Gottes, müssen wir miteinander Mitgefühl haben (Röm 12,15 u. 16).
„Seid … brüderlich“, fügt deshalb Petrus an (eigentlich „die Brüder liebend“). Dabei ist viel mehr als Gefühl gemeint, nämlich die helfende, heilende Begleitung des andern, gerade auch, wenn er zu tragen gibt, mir Not macht in seinem Versagen oder seiner Eigenart. Ein unbekannter Autor hat einmal geschrieben: Die Vorsehung fragt uns nicht, wen wir als Bruder haben – das ist für uns schon entschieden worden, doch wir werden gebeten, ihn zu lieben, und zwar unabhängig von unseren natürlichen Vorlieben.
„Barmherzig“, eüsplanchnoi; Barmherzigkeit ist die Gnade, die in dem Herzen erweckt wird, wenn wir die schwierigen Umstände derjenigen sehen, mit denen wir uns beschäftigen. Es gehört Barmherzigkeit dazu, den Bedürfnissen der anderen abhelfen zu wollen.
„Demütig“, tapeinöphrones. Demut ist nicht Kriecherei, sondern die Bereitschaft, mich dem andern zu geben. So sagt Jesus: „Ich bin von Herzen demütig“ (Mt 11,29.
Während die ersten beiden Begriffe auch im nichtchristlichen Raum als erstrebenswerte Haltungen sich finden, sind die drei letzten im kontextuellen Sinn nur im biblisch-christlichen Sprachgebrauch nachgewiesen. Die erste Haltung zielt auf Gemeinsamkeit im Denken und Streben (vgl. Rom 12,16; 15,5; Phil 2,2; 4,2), die zweite auf einfühlsames Verständnis füreinander, die dritte auf familienhafte Sorge füreinander; die vierte umschreibt das für eine Gemeinschaft auf Dauer notwendige gegenseitige wohlwollende Sich-Dulden und Verzeihen (s. Eph 4,32; Kol 3,12), die fünfte schließlich die im Umgang der Christen miteinander und anderen gegenüber notwendige Selbstbescheidung, Ein- und Unterordnung und Demut (5,5; Eph 4,2; Kol 3,2). Insgesamt umschreiben die genannten Grundhaltungen die Voraussetzungen, unter denen echte christliche Gemeinschaft möglich ist.

Mahnung an gläubige Ehefrauen 1.Petrus 3,1-7

Vermutlich befand sich der Apostel Petrus zur Zeit der Abfassung seines 1. Briefes in Rom (1Petr 5,13), irgendwann zum Anfang bis zur Mitte der 60er Jahre. Seine Empfänger waren überwiegend Heiden, die zum Glauben gekommen waren.1 Er schreibt ihnen von der Hoffnung, die sie durch den Glauben an Jesus bekommen haben, schweigt aber auch nicht über die Verantwortung, die dieses neue Leben mit sich bringt. In einem ausführlichen Mittelblock beschreibt er ihnen dann das Verhältnis, in dem ein Christ sich im Bezug auf die Gesellschaft bewegen soll. Innerhalb dieses Abschnitts wendet sich Petrus auch der Familie zu, die einzige menschliche Verbindung, die in der Schöpfung von Gott eingesetzt worden ist. Gott benutzt die Familie seit jeher, als einen der großen Segenskanäle für diese Welt und er möchte, das die Familie gesund bleibt und funktioniert.2 Petrus schreibt uns, wie dieser Wunsch zur Wirklichkeit werden kann! Weiterlesen

1.Petrus 3,7 Desgleichen ihr Männer, wohnt vernünftig mit ihnen zusammen und gebt dem weiblichen Geschlecht als dem schwächeren seine Ehre. Denn auch die Frauen sind Miterben der Gnade des Lebens, und euer gemeinsames Gebet soll nicht behindert werden.

Man kann fragen, warum die Mahnung an die Männer im Vergleich zu den anderen Mahnungen so kurz gehalten ist. Weil die Zahl der Männer in den angesprochenen Gemeinden geringer war? Weil der Mann in den Konflikten weniger gefährdet war? Oder zollt der Verfasser hier einfach seiner Zeit Tribut? Sieht man sich die Umwelt des Neuen Testaments an, ist es nämlich keineswegs selbstverständlich, daß sich überhaupt Mahnungen an den Mann zum rechten Verhalten gegenüber der Frau finden. Weiterlesen

1. Petrus 3, 6 wie Sara Abraham gehorsam war und ihn Herr nannte; deren Töchter seid ihr geworden, wenn ihr recht tut und euch durch nichts beirren lasst.

Daß von der gläubigen Frau durchaus nicht Urteilslosigkeit und Willensschwäche erwartet wird, zeigt das Beispiel der Sara.
Sie „war Abraham gehorsam“. „Gehorsam“ steht hier im selben Sinn wie „unterordnen“, wobei aber wohl der wörtliche Sinn „auf jemanden hören“ inhaltlich genau beschreibt, wie Sara gehorchte. Sie befolgte die Worte Abrahams und ging so seinen Glaubensweg mit. Sie „nannte ihn Herr“. Das verweist auf 1. Mose 18,12, wo Sara von Abraham als ihrem „Herrn“ redet. Die Tatsache, daß Sara den Abraham „Herr“ nannte. Das war übliche orientalische Sitte (vgl. 1. Mose 18,12).
Aber auch die Zeitform von „nannte“ (wörtlich: nennend, also Partizip Präsens Aktiv) zeigt, dass nicht nur dies eine Mal gemeint wird und es sich auch nicht auf das bloße Aussprechen des Wortes „Herr“ beschränkt, sondern dass das der Ausdruck ihres ganzen Verhaltens war. Das griechische Wort für „Herr“ ist kyrios. Es wird überall für Jesus gebraucht, aber auch für den römischen Kaiser (Apg 25,26), wobei dieser dann als eine göttliche Person betrachtet wird, wie es der Staatsbegriff des Römischen Kaiserreiches mit sich brachte. Aber daneben wurde es auch für die Apostel (Apg 16,30) und für Herren von Sklaven gebraucht (Eph 6,5 + 9).
Sara ist ein Vorbild für eine Ehefrau nach Gottes Wohlgefallen. Darum nennt Petrus die christlichen Ehefrauen „Töchter“ der Sara, wohl in Anlehnung daran, dass sich die Juden Abrahams Kinder nannten (vgl. Mt 3,9; Lk 19,9; Joh 8,39; Apg 13,26; 2. Kor 11,22; Hebr 2,16). Allerdings sind sie „Töchter“ nicht der blutsmäßigen Abstammung nach, sondern „wenn ihr recht tut und euch durch nichts beirren lasst“. Es geht um die Abstammung dem Glauben nach, um das Hineingehören in die Heilslinie. So sagt schon Jesus den Juden: „Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, so tätet ihr Abrahams Werke“ (Joh 8,39); und Paulus schreibt: „Nicht alle, die Abrahams Nachkommen sind, sind darum seine Kinder“ (Röm 9,7). Wo die geistliche Neugeburt geschehen ist, da stehen wir in der Glaubens – und Heilslinie eines Abraham und einer Sara. Das zeigt sich am „Recht –Tun“ (im Sinne von „das Gute tun“), nämlich den Willen Gottes, getrieben durch den Heiligen Geist.
Christliche Frauen brauchen sich durch Einschüchterungsversuche ihrer nicht-christlichen Ehemänner, mit denen sie sie etwa zum Verlassen der Gemeinde oder Verleugnen des Glaubens bewegen wollen, nicht entmutigen zu lassen. Wieder bestätigt sich, wie sehr der Brief darum bemüht ist, in den bis in die engste Gemeinschaft eingreifenden Gefahren die Menschenfurcht zu bannen.

1. Petrus 3, 5 Denn so haben sich vorzeiten auch die heiligen Frauen geschmückt, die ihre Hoffnung auf Gott setzten und sich ihren Männern unterordneten,

Die beiden folgenden Verse weisen die christlichen Frauen auf die Frauen der Heilsgeschichte hin, die für ihr Leben Vorbildcharakter haben.
Das gesamte häusliche Leben wird letztlich von der Gottesbeziehung der Ehepartner bestimmt. Wir sahen es schon in Vers 4. Auch in Vers 5 wird das deutlich: heilige Frauen, die ihre Hoffnung auf Gott setzten.
„Heilige“ sind sonst im NT fast ausnahmslos alle an ihn Glaubenden als die von ihm Berufenen (auch 2,5.9), wobei dieses Heiligsein immer neu gelebt werden muss (l,15f.).
Die Zeitform, in der „ihre Hoffnung auf Gott setzten“ steht (Partizip Präsens Aktiv), zeigt an, dass dieses Hoffen nicht nur zu bestimmten Zeiten, sondern fortwährend bestand und diese Frauen kennzeichnete. Wörtlich heißt es, sie hofften „in“ Gott, was ausdrückt, dass sie ihre Hoffnung gänzlich auf Gott gesetzt hatten, so dass sie gleichsam in Gott ruhten.
Auch damals lebende „heilige Frauen“ „schmückten“ sich nicht äußerlich, sondern ihr „Schmuck“, ihre Schönheit war dieselbe wie die, die Petrus jetzt den Frauen empfiehlt: Sie „ordneten sich ihren Männern unter“. Sie lebten in gleicher Ein – und Unterordnung. So waren sie „heilige“ Frauen: „Heilig“ im Sinne von „dem Herrn geheiligt“ und „sich heiligend“, indem sie Gottes Willen lebten und taten.