1. Petrus 3, 22 welcher ist zur Rechten Gottes, aufgefahren gen Himmel, und es sind ihm untertan die Engel und die Gewaltigen und die Mächte.

Das Kapitel schliesst mit dem Lobe dessen, der der Sieger ist über alle Welt und alle Mächte.
Im Text heißt es, dass Jesus sich zur Rechten Gottes setzte. Die Rechte Gottes ist nicht bloß ein Ruhe- und Ehrenplatz, sondern vor allem der Herrschersitz. In Eph 1,20-23 wird ausgeführt, dass Jesus damit zum ewigen Herrscher über alle Mächte und Gewalten, über alles was Rang und Namen hat und auch als Haupt über die Gemeinde eingesetzt wurde.
Die Auferstehung wird hier als ein „aufgefahren“ beschrieben, und zwar mit dem gleichen Verbum, das in V. 19 das „Hinfahren“ zu den Geistern im Gefängnis bezeichnete. In Apg. 1,10f. bezeichnet es die Himmelfahrt Jesu. Das „Sitzen zur Rechten Gottes“ steht auch im Ps. 110,1, die im NT wohl am häufigsten benützten alttestamentlichen Stelle. Dort ist auch die Unterwerfung aller Feinde erwähnt. Auch Paulus hat das in l.Kor. 15,25-27 (zusammen mit Ps. 8,7) aufgenommen. Auferstehung Jesu Christi ist also als sein Herrschaftsantritt, seine Thronbesteigung verstanden.
Petrus’ abschließende Aussage in diesem Abschnitt und diesem Kapitel betont noch einmal, dass die gefallenen und rebellischen Engelscharen Jesus Christus durch Kreuz und Auferstehung unterworfen sind und dadurch Seelen vom ewigen Gericht errettet wurden – der größte Triumph, den das Leiden einer gerechten Person jemals hervorgebracht hat. Das Wort unterworfen (von hupotassō), „sich unter der Leitung eines Kommandanten in Formation aufstellen“) beschreibt den gegenwärtigen Status aller geistlichen Wesen in Bezug auf Christus. Er steht über allen (Phil 2,9-11).
Wer um die absolute Überlegenheit Jesu über alle diese Mächte weiß, wird aus diesem Wissen Zuversicht und Hoffnung schöpfen. Er wird, selbst unter Leiden, diese Mächte nicht wirklich zu fürchten brauchen. Er wird in Bedrängnissen sein Vertrauen auf seinen über alles erhöhten Herrn setzen, ihm zu Ehre und Dienst.

1. Petrus 3, 21 Das ist ein Vorbild der Taufe, die jetzt auch euch rettet. Denn in ihr wird nicht der Schmutz vom Leib abgewaschen, sondern wir bitten Gott um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi,

Petrus lehrt hier Folgendes: Dass acht Menschen in einer Arche waren und durch das ganze Gericht gingen, ohne Schaden zu erleiden, dass entspricht der Erfahrung des Christen, der sich bei seiner Errettung in Christus befindet, der seine rettende Arche ist. Petrus spricht hier überhaupt nicht von der Wassertaufe, sondern vielmehr von einem bildlichen Eintauchen in die Vereinigung mit Christus, das wie die Arche vor dem Gericht Gottes schützt. Die Auferstehung Christi erweist, dass Gott Jesu stellvertretenden Tod für die Sünden der Gläubigen angenommen hat (Apg 2,30.31; Röm 1,4). Um sicherzugehen, dass er nicht missverstanden wird, schreibt Petrus eindeutig, dass er nicht von der Wassertaufe spricht. Bei der Sintflut wurden die Erretteten vor dem Wasser bewahrt, während diejenigen, die ins Wasser gerieten, untergingen. Sich in der Arche zu befinden und somit vor dem Gericht Gottes über die Welt bewahrt zu werden, symbolisiert, in Christus zu sein und damit vor der ewigen Verdammnis gerettet zu sein. das Zeugnis eines guten Gewissens vor Gott.
Petrus gebrauchte den Ausdruck „Vorbild“. Das griech. antitypon meinte ursprünglich den auf einer Oberfläche von einem typos (Siegel) hinterlassenen Eindruck und beschreibt so die Entsprechung zwischen einem Stempel und seiner Gußform. So wechselt Petrus zur Errettung in Christus über. Das Wort führt zu dem theologischen Begriff Antitypus, der im Neuen Testament einen irdischen Ausdruck einer himmlischen Realität beschreibt – ein Symbol oder Bild von einer geistlichen Wahrheit (vgl. Joh 3,14-16; Hebr 4,1-10; 8,2.5).
Die Errettung ist nicht durch rituelle Mittel zu bekommen, auch nicht durch eine Wassertaufe (ein Abtun der Unreinheit des Fleisches). Wir bitten Gott um ein gutes Gewissen ist eine Übersetzung, die von der Verwendung des griech. eperotema (Bitte) in der LXX und im ntl. Griech. ausgeht. Anhand sprachwissenschaftlicher Vergleiche läßt sich jedoch nachweisen, daß das Wort z.Zt. des NT das feierliche Versprechen beim Abschluß eines Vertrags bezeichnete.
Unser Vers zeigt, daß das Gewissen eine zentrale Bedeutung in unserem Verhältnis gegenüber Gott hat. Solange ein Mensch vor Gott „tot in Übertretungen und Sünden“ (Eph 2, 1) ist, hat er ein abgestumpftes Gewissen. Jeder, der errettet werden möchte, muss zuerst mit dem Wunsch zu Gott kommen, ein gutes (gereinigtes) Gewissen zu erlangen, sowie mit der Bereitschaft, die dafür erforderlichen Bedingungen (Buße und Glauben) zu erfüllen.

1. Petr 3,19-20: In ihm ist er auch hingegangen und hat gepredigt den Geistern (20) im Gefängnis, die einst ungehorsam waren, als Gott harrte und Geduld hatte zur Zeit Noahs, als man die Arche baute, in der wenige, nämlich acht Seelen, gerettet wurden durchs Wasser hindurch.

Das Wort „hingegangen“ enthält von seiner Wortwurzel her im Griechischen die Bedeutung „hindurchdringen“, was durch den Begriff „Gefängnis“ gefüllt wird. Christus hat das „Gefängnis des Todes“, des Bösen erobert. So steht er da als der Sieghafte: „Siehe, ich habe die Schlüssel der Hölle und des Todes“ (Offb 1,18).
Wenn Christus im Geiste „den Geistern im Gefängnis“ gepredigt hat, dann sagt Petrus auch gleich, wer darunter zu verstehen ist, nämlich die Menschen, die vor der Flut gelebt haben. Die Propheten vor alter Zeit waren vom Geiste Christi erfüllt und predigten durch Christi Geist Christi Botschaft; denn der Geist Christi war in ihnen (1. Petr. 1,10.11). Dieser Predigt Christi durch Noah gehorchten die Bewohner der vorsintflutlichen Welt nicht. „Da sprach der Herr: Mein Geist soll nicht immerdar im Menschen walten, denn auch der Mensch ist Fleisch.“ (1. Mose 6,3.)
Ein weiteres Beispiel dafür, dass Christus der Redende war, obwohl er Menschen dazu gebrauchte, findet sich in Eph 2,17: „Und er [Christus] kam und verkündigte Frieden euch, den Fernen, und den Nahen.“ Wie hat Christus nach seinem Kreuzesleiden den Fernen und den Nahen (Nationen und Juden) den Frieden verkündigt? Nicht persönlich, er fuhr ja auf zum Himmel, sondern durch seine Apostel. Sein Geist redete durch die Apostel und tat es auch damals durch Noah.
So wurden „wenige, nämlich acht Seelen, gerettet“. „Seele“ steht hier für Menschen. Diese „acht“ Menschen sind Noah, seine Frau und seine drei Söhne mit ihren Frauen. Hinter diesen „Wenigen“ klingt aber auch das Staunen hindurch, wie viele jetzt durch das Leiden Jesu Christi gerettet werden.

Hat der Herr Jesus im Totenreich gepredigt?

„Hinabgestiegen in das Reich der Toten“ heißt es im Apostolischen Glaubensbekenntnis. Früher wur – de das drastischer formuliert: „Niedergefahren zur Hälle“. Deshalb spricht man von einer „Höllenfahrt“ Jesu und meint damit, daß Er die drei Tage zwischen Seinem Tod und Seiner Auferstehung im Totenreich zugebracht hat, und zwar mit einer ganz bestimmten Absicht. Als Begründung für diese Lehre dienen vor allem folgende zwei Bibelabschnitte:

1. Pt. 3,18-20

18 Denn es hat auch Christus einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Unge­rechten, damit er uns zu Gott führe, zwar getätet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist. 19 In diesem ist er auch hingegangen und hat den Geis­tern im Gefängnis gepredigt, 20 die einst ungehorsam gewesen waren, als die Lang­mut Gottes in den Tagen Noahs abwartete, während die Arche gebaut wurde …

1. Pt. 4,6

Denn dazu ist auch den Toten gute Botschaft verkündigt worden, damit sie zwar den Menschen gemäß nach dem Fleisch gerichtet werden, aber Gott gemäß nach dem Geist leben mächten.

Für diese beiden Texte gibt es verschiedene Auslegungen:

  • Der Herr Jesus hat zwischen Seinem Tod und Seiner Auferstehung den Geistern der Verstorbe – nen, die vor der Sintflut gelebt hatten, das Heil verkündigt und angeboten.
  • Andere wenden dies auf alle Verstorbenen an nach 1. Pt. 4, 6: Denn dazu ist auch den Toten gute Botschaft verkündigt worden …
  • Wieder andere lehren, die „Höllenfahrt“ Jesu nach der Kreuzigung habe dazu gedient, den gefallenen Engeln Seinen Sieg zu verkündigen, wie ja auch das Apostolische Glaubensbekenntnis formuliert: „niedergefahren in das Reich der Toten“

Was ist zu diesen Auslegungen zu sagen?

1) Es gibt keinerlei biblische Belege für die Ansicht, daß der Herr Jesus den Geistern der Verstorbenen das Heil verkündigt und angeboten hat. Das Neue Testament lehrt ganz klar, daß es die Möglichkeit, das Evangelium zu hören und das Heil anzunehmen, nur während des irdischen Lebens gibt:

Joh. 3, 18

Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.

2. Kor. 6, 2

Denn er spricht: «Zur angenehmen Zeit habe ich dich erhärt, und am Tage des Heils habe ich dir geholfen.» Siehe, jetzt ist die wohlangenehme Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils.

Außerdem muß 1. Pt. 4, 6 keineswegs so verstanden werden, daß es sich auf eine Verkündigung Jesu im Totenreich bezieht (dazu später noch mehr). Ich sehe die Gefahr dieser Auslegung darin, daß man aus ihr die Lehre einer zweiten Chance nach dem Tod ableitet. Aber wozu dann noch Evangelisation und Mission, wenn die Menschen nach dem Sterben sowieso noch eine Möglichkeit bekommen, den Herrn Jesus anzunehmen?

2)    Genauso unhaltbar erscheint mir eine Proklamation des Sieges Jesu gegenüber den gefallenen Engeln zwischen Seinem Tod und Seiner Auferstehung. Der Kontext von 1. Pt. 3 zeigt deutlich, daß die „Geister“, denen gepredigt wurde, keine Engelwesen waren, sondern die Zeitgenossen Noahs, die einst ungehorsam gewesen waren, als die Langmut Gottes in den Tagen Noahs abwartete, während die Arche gebaut wurde … (V. 20)

2)Ich ziehe folgende alternative Auslegung vor: 1

Die „Geister“ (pneumasin, ein Terminus, der normalerweise für übernatürliche Wesen gebraucht wird, jedoch mindestens in einem Fall auch auf menschliche „Geister“ bezogen wird, vgl. Hebr 12,23) werden in 1. Petrus 3,20 als jene gekennzeichnet, die einst ungehorsam waren, als Gott harrte und Geduld hatte zur Zeit Noahs, als man die Arche baute. Sie hatten sich in den 120 Jahren, die der Bau der Arche in Anspruch nahm, gegen die Botschaft Gottes aufgelehnt. Gott hatte erklärt, daß er die Schlechtigkeit der Menschen nicht für immer hinnehmen, sondern seine Geduld nur noch um 120 Jahre verlängern würde (1. Mose 6,3). Da die gesamte Menschheit außer Noah (1. Mose 6,5 – 9) bäse war, beschloß Gott, „die Menschen von der Erde zu vertilgen“. Die „Geister“, von denen Petrus in 1. Petr 3,19 spricht, sind wahrscheinlich die Seelen dieser schlechten Menschen, die zur Zeit Noahs lebten. Ihre „Geister“ sind nun „im Gefängnis“ und warten auf das Jüngste Gericht am Ende der Zeiten.

Problematisch bleibt die Frage, wann Christus diesen „Geistern“ predigte. Die Erklärung zur Auferstehung Christi in 1. Petr 3,18 – „nach dem Geist“ – enthält möglicherweise die Vorstellung, daß der präexistente Christus tatsächlich in Noah war und mit Hilfe des Wirkens des Heiligen Geistes durch ihn predigte. Petrus (1. Petr 1,11) spricht auch vom „Geist Christi“ in den alttestamentlichen Propheten. An anderer Stelle bezeichnet er Noah als „den Prediger der Gerechtigkeit“ (2. Petr 2,5). Der Geist Christi predigte durch Noah vor den gottlosen Menschen, die zur Zeit der Abfassung des Petrusbriefes „Geister im Gefängnis“ waren und auf das Gericht warteten.

Diese Deutung scheint dem Tenor dieses ganzen Abschnittes (1. Petr 3, 13 – 22), sich in ungerechter Bedrängnis ein gutes Gewissen zu bewahren, am ehesten zu entspre­chen. Noah wird zum Beispiel eines Menschen, der seinem Gewissen entsprechend handelte, obwohl er sich damit öffentlich lächerlich machte. Er schämte sich nicht vor seinen Zeitgenossen, sondern gehorchte Gott und verkündete die ihm aufgetragene Botschaft. Die Belohnung, die ihm dafür zuteil wurde, daß er, um sein Gewissen rein zu halten, die Schmähungen seiner Umwelt in Kauf nahm, war die Rettung seiner selbst und seiner ganzen Familie, die gerettet wurden durchs Wasser hindurch.

Ich gebe zu: diese Auslegung erscheint etwas künstlich, zumal die Elberfelder Bibel einen anderen Zeitablauf andeutet:

19 In diesem ist er auch hingegangen und hat den Geistern im Gefängnis gepredigt,

20 die einst ungehorsam gewesen waren, als die Langmut Gottes in den Tagen No­ahs abwartete, während die Arche gebaut wurde

Von der Verkündigung Jesu wird im Perfekt (unvollendete Vergangenheit) gesprochen, vom Ungehorsam der Menschen dagegen im Plusquamperfekt (Vorvergangenheit), so daß wir zwei verschiedene zeitliche Ebenen haben; demnach geschah die Verkündigung Jesu wesentlich später als zur Zeit Noahs.

1 John F. Walvoord/ Roy B. Zuck (Hrsg.): Das Neue Testament erklärt und ausgelegt, Neuhausen-Stuttgart:Hänssler 1992

Man muß jedoch beachten, daß die griechischen Zeitformen grundsätzlich gar nicht die Absicht haben, eine genaue zeitliche Abfolge wiederzugeben, und daß der Grundtext hier alles in der gleichen erzählenden Vergangenheitsform (Aorist bzw. Imperfekt) berichtet. Man kann also genauso übersetzen:

19 In diesem ist er auch hingegangen und hat den Geistern im Gefängnis gepredigt,

20 die einst ungehorsam waren, als die Langmut Gottes in den Tagen Noahs abwar­tete, während die Arche gebaut wurde

Das halte ich für die beste Übersetzung, zu der die oben zitierte Auslegung sehr gut paßt.
Wie ist aber 1. Petrus. 4, 6 zu verstehen?
1. Pt. 4,6  Denn dazu ist auch den Toten gute Botschaft verkündigt worden, damit sie zwar den Menschen gemäß nach dem Fleisch gerichtet werden, aber Gott gemäß nach dem Geist leben mächten.

Daß mit den Toten hier Menschen gemeint sind, die physisch lebendig, aber geistlich tot sind, schließt der Zusammenhang aus, denn im Vers davor wird gesagt, daß Gott Lebende und Tote richten wird; das kann sich eigentlich nur auf körperlich Tote beziehen, vgl. Offb. 20, 12. Ebenso unmöglich ist es, in diesen „Toten“ Menschen zu sehen, die im Totenreich (noch einmal) das Evangelium hören und so eine zweite Chance zur Entscheidung für den Herrn Jesus bekommen. Denn die Bibel sagt eindeutig, daß nur dieses irdische Leben die Gelegenheit bietet, die Vergebung der Schuld durch Jesus Christus anzunehmen (s.o.):
Hebr. 9, 27
Und wie es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht …
Nach dem Tod kommt das Gericht (für die Gläubigen das Preisgericht, das ihnen Lohn bringt, für die übrigen das Endgericht, das ihnen Strafe bringt), aber es gibt keine Möglichkeit der Entscheidung mehr.
Die beste und m.E. einzig richtige Auslegung dieses Verses ist, daß die „Toten“ hier verstorbene Gläubige sind, die zu ihren Lebzeiten das Evangelium gehört und angenommen haben.
Im vorliegenden Vers ermutigt Petrus seine Leser, im Gegensatz zu Vers 5, mit der Tatsache, daß diejenigen, die das Evangelium von Jesus Christus gehört und daran geglaubt haben, nicht dem Gericht für ihre Sünden, sondern einer vollkommen anderen Zukunft entgegengehen. Die Strafe für ihre Sünden ist von Christus am Kreuz bezahlt worden. Einzig der leibliche Tod besteht als Wirkung der Sünde auf Erden noch fort. Auch die Gläubigen sterben noch; sie werden nach Menschenweise gerichtet (vgl. das Leiden im Leben, „im Fleisch“, V. 1). Doch ihr leiblicher Tod mündet nicht in das Gericht, sondern in das ewige Leben: Nach Gottes Weise haben sie das Leben … im Geist. Wer sich mit dem „Sinn Christi“ wappnet, wird auf ewig bei Gott leben.2
Daher ist es m.E. unbiblisch, von einer „Höllenfahrt“ Jesu oder einer Verkündigung Jesu im Toten – reich zu sprechen.
Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang noch auf eine weitere Bibelstelle eingehen, die diese Lehre zu stützen scheint:
2 John F. Walvoord/ Roy B. Zuck (Hrsg.): Das Neue Testament erklärt und ausgelegt, Neuhausen-Stuttgart:Hänssler 1992
Eph. 4, 8 – 10
8 Darum heißt es: «Hinaufgestiegen in die Hölle, hat er Gefangene gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben.» 9 Das Hinaufgestiegen aber, was besagt es anderes, als daß er auch hinabgestiegen ist in die unteren Teile der Erde? 10 Der hinabgestiegen ist, ist derselbe, der auch hinaufgestiegen ist über alle Himmel, damit er alles erfüllte.
Auch dieser Abschnitt wird vom bereits zitierten Kommentar m.E. gut und schlüssig erklärt:
Die Verse 9 – 11 sind eine Art Kommentar zu zwei Verbformen in dem Zitat in Vers 8: aufgefahren (V. 9 – 10) und „eingesetzt“ (V. 11; V. 8: „gegeben“). In den Versen 9 – 10 konzentriert Paulus sich zunächst auf die Wendung: Er ist aufgefahren. Die beiden Verse bilden sozusagen einen Einschub, denn in dem Abschnitt geht es eigentlich nach wie vor um die Gaben. Bevor Christus auffahren konnte, mußte er hinabsteigen. Was ist mit den Tiefen der Erde gemeint? Der Genitiv kann auf drei verschiedene Arten ausgelegt werden: (1) „In die Tiefen, d. h. auf die Erde“ (Appositi­on). In diesem Fall ginge es um die Inkarnation Christi, sein „Herabsteigen“ auf die Erde. (2) „In die Tiefen unter der Erde“ (Umstandsbestimmung des Ortes). Das würde bedeuten, daß Christus in der Zeitspanne zwischen seinem Tod und seiner Auferstehung in die Unterwelt hinabgestiegen ist. (3) „In die Tiefen, die zur Erde gehören“ (Genitivus possessivus). Das bezöge sich auf Christi Tod und sein Begräbnis. Die dritte These fügt sich am besten in den vorliegenden Kontext, weil Christus in seinem Tod die Sünde besiegt und damit diejenigen erlässt hat, die der Gemeinde als „Gaben“ gegeben werden.3
Ich halte allerdings die zuerst angeführte Auslegung für die naheliegendste, zumal ich in V. 9 statt „In die unteren Teile der Erde“ eher „in die Niederungen der Erde“ übersetzen würde. „Tiefe der Erde“ ist m.E. nicht korrekt.
Diese Auslegung wird auch von der Parallelstelle Joh. 3, 13 gestützt:
Joh. 3, 13
Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel als nur der, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen.
In V. 12 ist bezeichnenderweise das Gegenstück zum „Himmlischen“ nicht das „Unterirdische“, also das Totenreich, sondern das Irdische; also ist auch hier mit dem Herabsteigen Jesu nicht Seine angebliche „Höllenfahrt“ gemeint, sondern Seine Menschwerdung.
Und die Gefangenen, die Er laut Eph. 3, 8 gefangen geführt hat, sind nicht die Bewohner des To – tenreiches, wie manche meinen. Das ist schon deshalb unmöglich, weil in diesem Zusammenhang nicht von „hinabgestiegen in das Totenreich“ die Rede ist, sondern – im Gegenteil – von „hinaufgestiegen in die Höhe“. Mit den Gefangenen sind m.E. die Menschen gemeint, die vorher in der Gefangenschaft Satans bzw. der Sünde gelebt haben (vgl. Eph. 2, 1 – 3).
Außerdem vermag ich in Eph. 4 keine Logik in dem Gedanken zu erkennen, daß der Herr Jesus, um den Menschen Gaben zu geben, sich nicht nur in den Himmel begeben mußte (soweit ist es nachvollziehbar, denn der Heilige Geist, der uns die Geistesgaben bringt, kam erst nach der Rückkehr des Herrn in den Himmel), sondern auch noch bis in die Tiefen des Totenreiches. Dafür gibt es keine Bestätigung an einer anderen Stelle in der Bibel. Im übrigen fällt auf, daß von einer Verkündigung im Hades hier nicht die Rede ist. Der Herr Jesus dient hier nicht speziell den Verstorbenen, sondern allen Gläubigen generell.
Auch Eph. 4, 8 – 10 kann also nicht als Belegstelle für die Ansicht dienen, der Herr Jesus sei zwischen Seinem Tod und Seiner Auferstehung im Totenreich gewesen, um dort den Verstorbenen das Evangelium zu verkündigen bzw. gegenüber den gefallenen Engeln Seinen Sieg zu proklamieren.
Es werden auch noch andere Bibelstellen als Beweise für diese Lehre genannt, die sich aber fast alle schon beim oberflächlichen Lesen als irrelevant erweisen: Ps. 49, 16/ Ps. 89, 49/ Ps. 139, 8 beziehen sich eindeutig nicht auf den Herrn Jesus (wobei die letztgenannte Stelle auch nur rein hypothetisch von einem Aufenthalt im Totenreich spricht); in Hos. 13, 14 geht es um Israel und in Jona 2 natürlich nur um Jona.
Von Jona spricht allerdings auch der Herr Jesus in Mat. 12, 40 und benutzt dort eine Formulierung, die auf eine „Höllenfahrt Jesu“ hinzuweisen scheint:
Mt. 12,40
Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte in dem Bauch des großen Fisches war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.
Ist mit „Herz der Erde“ das Totenreich gemeint? Das ist theoretisch möglich, aber es erscheint mir sehr unwahrscheinlich. Die Bibel benutzt diesen Ausdruck nie in diesem Sinn (er kommt sonst nie vor). Und er hat hier als Gegenstück den Bauch des Fisches, in dem Jona sich aufgehalten hat. Das Zeichen des Jona war, daß er drei Tage im Fisch überlebt hat – das war ein „Typus“ (eine Vorschattung) der Auferstehung Jesu; das Zeichen Jesu, das hier von Ihm gefordert wurde, war Seine Auferstehung. Auch hier geht es nicht um einen Aufenthalt im Totenreich, sondern eben um die Auferweckung Jesu. Deshalb ist mit dem „Herz der Erde“ mit Sicherheit nicht das Totenreich gemeint, sondern das Grab, in dem der Leichnam des Herrn drei Tage gelegen hat.
Zunächst schwierig zu verstehen ist Apg. 2, 31. In seiner Pfingstpredigt zitiert Petrus hier Ps. 16, 10:

Denn meine Seele wirst du dem Scheol nicht lassen, wirst nicht zugeben, daß dein Frommer die Grube sehe.
Er weist darauf hin, daß David dies gesagt hat, daß David aber noch nicht auferstanden ist, und bezieht diese Aussage dann auf den Herrn Jesus:

Apg. 2, 30 – 31
30 Da er nun ein Prophet war und wußte, daß Gott ihm mit einem Eid geschworen hatte, einen seiner Nachkommen auf seinen Thron zu setzen, 31 hat er vorausse­hend von der Auferstehung des Christus geredet, daß er weder im Hades zurückge­lassen worden ist noch sein Fleisch die Verwesung gesehen hat.
Hier ist nun scheinbar doch von einem Aufenthalt Jesu im Hades, also im Totenreich, die Rede. Die Behauptung des Walvoord-Kommentars zu dieser Stelle, daß „Hades“ hier und anderswo teilweise für das Grab steht, hält einer Überprüfung nicht stand. Ist der Herr Jesus also doch vorübergehend im Totenreich gewesen? Nun, wenn diese Stelle das aussagen wollte, dann würde sie uns zumindest nicht den Zweck dieses Aufenthaltes verraten. Von einer Verkündigung im Totenreich ist hier absolut nicht die Rede.
Beide Stellen sind m.E. mißverständlich bzw. ungenau übersetzt. Ps. 16, 10 müßte präziser lauten: Denn meine Seele wirst du dem Scheol nicht überlassen
Das bedeutet nach der neutestamentlichen Interpretation des Petrus, daß die Seele unseres Herrn nicht in den Scheol (= ins Totenreich) gegangen ist. In diesem Sinn formuliert es auch der griechi – sche Grundtext in Apg. 2, 31:
31 … hat er voraussehend von der Auferstehung des Christus geredet, daß er we­der in den Hades überlassen worden ist
Im Grundtext steht nämlich nicht „im Hades“ sondern „in den Hades (hinein)“. Das ist m.E. in der Elberfelder Bibel nicht korrekt übersetzt. Nur dadurch konnte der Eindruck entstehen, daß es hier um einen Aufenthalt Jesu im Totenreich geht. Aber das Gegenteil ist der Fall! Auch diese Stelle sagt eindeutig, daß Er dort nie gewesen ist.
Wo der Herr Jesus in den drei Tagen zwischen Tod und Auferstehung tatsächlich war und wie Er die – se Zeit verbracht hat, darauf finden wir klare Hinweise:
Kurz vor Seinem Sterben betete Er: „Vater, in Deine Hände übergebe ich meinen Geist!“ (Lk. 23, 46). Das bedeutet: nachdem Er gestorben war, wurde Sein Leichnam ins Grab gelegt, aber sein „Geist“, also der immaterielle Teil Seiner Persönlichkeit, kehrte sofort zu Seinem himmlischen Vater zurück – ohne einen dreitägigen Umweg durch das Totenreich.
Und zu dem einen Seiner beiden Mitgekreuzigten sagte Er bereits vorher: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk. 23, 43). Er hat keineswegs hinzugefügt: „Vorher muß ich aber noch drei Tage lang ins Totenreich, wo ich einen wichtigen Auftrag zu erfüllen habe.“ Zu dem Ausdruck „Paradies“ schreibt ein Ausleger treffend:
In der jüdischen Literatur wird das „Paradies“ normalerweise der „Gehenna“ oder „Hälle“ gegenübergestellt. Die jüdischen Schriften … waren sich einig, daß es der Zu­fluchtsort der Gerechten nach dem Tod oder nach der Auferstehung sei. Jesus und dieser Verurteilte würden also nach dem Tod direkt an diesen Zufluchtsort gehen.4
In 2. Kor. 12, 4 geht aus dem Zusammenhang eindeutig hervor, daß auch dort das Wort „Paradies“ als Synonym (gleichbedeutender Begriff) für den „Himmel“ gebraucht wird.
Allein schon die beiden angeführten Stellen aus dem Lukasevangelium schließen m.E. also eine „Höllenfahrt“ Jesu aus.
Interessant ist hierzu auch 1. Kor. 15, 1 – 7. Hier haben wir eine Formulierung der Botschaft des Evangeliums, wie Paulus es empfangen hat; es ist sozusagen ein paulinisches Glaubensbekenntnis:
1 Ich tue euch aber, Brüder, das Evangelium kund, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch steht, 2 durch das ihr auch errettet werdet, wenn ihr festhaltet, mit welcher Rede ich es euch verkündigt habe, es sei denn, daß ihr vergeblich zum Glauben gekommen seid. 3 Denn ich habe euch vor al­lem überliefert, was ich auch empfangen habe: daß Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften; 4 und daß er begraben wurde und daß er aufer­weckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften; 5 und daß er Kephas erschie­nen ist, dann den Zwölfen. 6 Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten bis jetzt übriggeblieben, einige aber auch entschlafen sind. 7 Danach erschien er Jakobus, dann den Aposteln allen …
Christus ist also gestorben, begraben und auferstanden; von einer „Höllenfahrt“ wird hier nichts ge – sagt. Nun muß man grundsätzlich vorsichtig sein mit dem „argumentum e silencio“ (Argument aus dem Schweigen), denn eine bloße Nichterwähnung beweist noch nicht, daß die umstrittene Sache nicht existiert. Aber wenn der Herr Jesus wirklich zwischen Tod und Auferstehung im Totenreich ge – wesen wäre, dann hätte das hier eigentlich erwähnt werden müssen, so, wie es ja im „Apostolischen Glaubensbekenntnis“ der Fall ist.
Eine ähnliche Darstellung des „Weges“, den der Herr Jesus von Seiner Menschwerdung bis zu Seiner endgültigen Erhöhung „gegangen“ ist, finden wir in Phil. 2, 5 – 11:
5 Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus <war>, 6 der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. 7 Aber er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich ge­worden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden, 8 erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. 9 Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, 10 damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, 11 und jede Zunge bekenne, daß Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.
Die Erniedrigung unseres Herrn endete mit Seinem Tod – danach erfolgte sofort Seine Erhöhung. Wäre Er nach dem Sterben noch im Totenreich gewesen, dann wäre dies hier sicherlich als weiterer Teil Seiner Erniedrigung erwähnt worden. Natürlich wird zwar gelehrt, daß Er im Totenreich nicht gelitten hat oder gedemütigt worden ist, sondern daß Er dort evangelisiert bzw. Seinen Sieg proklamiert hat – aber in die Tiefen des Totenreiches hinabzusteigen, ist ja wohl dennoch nicht gerade als eine Erhöhung anzusehen.
Nein, eine genauere Untersuchung der biblischen Angaben zu diesem Thema zeigt m.E. klar, daß der Herr Jesus nie im Totenreich gewesen ist, sondern sofort nach Seinem Kreuzestod zu Seinem Vater zurückgekehrt ist – natürlich zunächst nur vorübergehend, weil Er ja nach drei Tagen wieder auferstanden ist. Wenn also das Apostolische Glaubensbekenntnis formuliert: „hinabgestiegen ins Reich der Toten“, dann beruht das auf einem Irrtum bzw. auf einer falschen Bibelauslegung.

Copyright (c) 2004 Detlev Fleischhammel

 http://www.jesus-service.de/Verkuendigung_Totenreich.PDF

1. Petrus 3, 18 Denn auch Christus hat „einmal“ für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist.

Von allen Seiten her dringt Petrus immer wieder zum selben Zentrum vor, weil er  jedes Wort von dorther bekommt. Er hat zu reden von dem, was ein mal geschah am Karfreitag und Ostermorgen, in einer Einzigartigkeit, die sich nie und nirgends wiederholt, aber gerade so vollgültig für alle Zeiten und alle Räume den Zugang zu Gott wieder aufgetan hat.
Christus hat … für die Sünden gelitten (vgl. 1. Petr 2,21.24). Die Wendung „für die Sünden“, wird in der Septuaginta für das Sühnopfer gebraucht.
Daß sein Sühnopfer ein für allemal gilt, ist eine ganz bedeutsame Aussage. Sie macht den grundlegenden Unterschied zwischen den Tieropfern des Alten Bundes und dem Opfer deutlich, das den Neuen Bund begründet. Während die Opfer des Alten Bundes ständig wiederholt werden mußten und dabei doch nicht imstande waren, die Sünden wirklich wegzunehmen (Hbr 10, 11), ist das Opfer Christi einmalig, endgültig, ewig wirksam, indem es die Sünde der ganzen Welt für immer getilgt hat. Deshalb heißt es hier: um der Sünden willen (vgl. auch Gal 1, 4; Rö 4, 25).
Die Opfer des Alten Bundes waren „Hilfen auf Zeit“, Jesu Opfer ist „Hilfe für die Ewigkeit“.
Das Stellvertretende am Tode Christi zeigt sich in der Wendung „der Gerechte für die Ungerechten“. Christus, der „Gerechte“, ist in einzigartiger Weise dafür qualifiziert, anstelle der „Ungerechten“ zu sterben. Das göttliche Ziel, das durch Christi Opfertod erreicht wurde, war die Versöhnung der Menschen (damit er euch zu Gott führte).
Um uns zu Gott zu führen – das ist das Ziel seines Opfers. Dadurch gibt es für Sünder wirklich Zugang zu Gott. Was alle Religionen ersehnen und doch niemals erreicht haben noch jemals erreichen können, nämlich einen Weg zu Gott zu finden, – eben dies, ist in Jesus, dem Gekreuzigten, Wirklichkeit geworden.
Petrus schließt seine Aussagen zum Erlösungswerk Christi mit dem Hinweis auf seine Auferweckung. Auch wenn Christus nach dem Fleisch tot war, so ist er doch lebendig gemacht nach dem Geist. „Nach dem Geist“ gibt ein einziges griechisches Wort, pneumati, wieder, das vielleicht auf die dritte Person der Trinität als wirkende Kraft in der Auferstehung Christi deutet. Es kann aber auch Christi menschlicher Geist im Gegensatz zu seinem menschlichen Körper gemeint sein (vgl. 1. Petr 4,6).
Zusammenfassung
Jesus hat sich in dreifacher Weise des Grundproblems des gebrochenen Verhältnisses des Menschen zu Gott angenommen: a. Er hat das vollkommene Sündopfer dargebracht (vgl. Hebr 9,11-14; 10,1-10) und damit die Forderungen des Gesetzes erfüllt; b. Er hat das vom Gesetz für Sünder geforderte Todesurteil an sich vollstrecken lassen (vgl. 2Kor 5,21; Rom 6,23); c. Damit hat er die durch die Sünde verursachte Kluft zwischen Mensch und Gott überbrückt.

1. Petrus 3, 17 Denn es ist besser, wenn es Gottes Wille ist, dass ihr um guter Taten willen leidet als um böser Taten willen.

Wer dem Gekreuzigten nachfolgt, muß jederzeit mit der Möglichkeit von Leiden rechnen. Er steht jedoch letztlich nicht unter der Willkür der Feinde, sondern unter dem Willen Gottes. Gott bestimmt darüber, und hat auch Art und Dauer des Leidens in seiner Hand.
Nicht immer werden die Verleumder zu Schanden und widerlegt. Da ist Petrus ganz nüchtern. Es kann durchaus sein, dass die Christen in Leiden kommen. Das ist ja auch bei den Gemeinden in Kleinasien oft schon die Wirklichkeit (vgl. 1. Petr 4,12ff.). Wer „um böser Taten willen“ in Bedrückung ist, dem widerfährt das zu Recht (vgl. Lk 23,41): Er empfängt, was er verdient. Doch wenn Christen wegen ihrer guten Taten, wegen ihres Lebens als Glaubende in Verfolgung kommen, so ist es „besser“ für sie, wie Petrus schon in 1. Petr 2,12 sagte („das ist Gnade bei Gott“). Da stehen sie unter dem „Selig seid ihr“, das ihnen Jesus selber zuspricht (vgl. Mt 5,9). Trost steckt auch in dem Nebensatz „wenn es Gottes Wille ist“, denn er misst uns das Leiden nur zu, wenn er uns dafür fähig hält.
In V. 13-16 ging es um die Überwindung der Verleumder durch Gutestun. V. 17 faßt das zusammen: im Leiden derer, die Gutes tun, liegt überwindende Kraft. Der folgende Abschnitt veranschaulicht das am Beispiel unseres Herrn Jesus.
Ähnlich wie es schon am Anfang dieser Mahnrede (2,18 ff.) geschah, fasst unser Brief auch hier in 3,17 (vgl. 2, 20) noch einmal alles zusammen, um dann in 3,18 ff. (vgl. 2, 21-25) noch einmal ausführlich von dem zu reden, von dem her allein alles Gesagte recht – und das heisst fröhlich und getrost – gehört werden kann.

1. Petrus 3, 16 und das mit Sanftmut und Gottesfurcht, und habt ein gutes Gewissen, damit die, die euch verleumden, zuschanden werden, wenn sie euren guten Wandel in Christus schmähen.

Auch die Art und Weise, wie der Christ seine Antwort gibt, ist wichtig. Die „Sanftmut“ wird betont, weil sich in das Zeugnis auch der für das Gute Eifernden leicht blinder Eifer, Streitsucht und Überlegenheitsgefühl einmischt. Dadurch entsteht eine Atmosphäre der Auseinandersetzung, die vieles verdirbt. Die Sanftmut aber muß gepaart sein mit Furcht. Wieder ist die Furcht vor Gott gemeint, jenes achtsame Ernstnehmen der heiligen Gegenwart Gottes. Sie bewahrt davor, die Wahrheit des Evangeliums aus Menschenfurcht zu verschweigen. Die Furcht Gottes läßt uns die Verlorenheit der Gottfernen ernstnehmen und ebenso auch die Tatsache, daß uns die Rettungsbotschaft für sie anvertraut ist. Die Furcht Gottes bewahrt vor Unlauterkeit und Eigenruhm und ebenso auch vor Selbstsicherheit. Wer Gott fürchtet, wird darum besorgt sein, daß er abhängig bleibt vom Wirken Jesu (Johannes 15, 5!) und daß er selbst diesem Wirken nicht im Wege steht. Vor Menschen kann man tadellos erscheinen. Ihrem Urteil kann man sich entziehen, nicht aber dem Urteil Gottes im Gewissen. Um ein gutes Gewissen zu haben gilt es, so lauter vor Gott zu leben, daß er nicht im Gewissen gegen uns zeugt.
Das Gewissen ist ein Mechanismus, den Gott in das Innere des Menschen gelegt hat; es klagt eine Person entweder an oder entschuldigt sie. Es ist ein Mittel zur Verurteilung oder zur Bestätigung. Allerdings ist das Gewissen nicht unfehlbar. Es ist weder die Stimme Gottes noch ist es sein moralisches Gesetz. Es ist eine menschliche Fähigkeit, die menschliches Handeln nach dem höchsten Maßstab, den ein Mensch wahrnimmt beurteilt. Das Gewissen funktioniert wie ein Dachfenster, nicht wie eine Lampe; es erzeugt kein eigenes Licht, sondern lässt lediglich moralisches Licht hinein. Aus diesem Grund lehrt die Bibel, dass es wichtig ist, ein reines oder gutes Gewissen zu bewahren. „Das Endziel des Gebotes“, schrieb Paulus an Timotheus, „aber ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben“ (1Tim 1,5).
in Christus“ kommt 164mal im Neuen Testament vor und davon 3mal im Petrusbrief . Es bezeichnet die neue Existenz des Christen, der durch Tod und Auferstehung Christi, vermittels Glaube und Taufe, in eine neue Lebensgemeinschaft mit dem Auferstandenen in die Gemeinde der Gläubigen versetzt wurde und aus dessen Geist heraus ein neues Leben in Glaube und Liebe vollzieht.
Christen, die ungerechtes Leiden ertragen und sich ein gutes Gewissen bewahren, lassen die, die sie verleumden und ihren guten Wandel in Christus schmähen, in eindrucksvoller Weise zuschanden werden. Wieder ermutigt der Apostel seine Leser mit dem Hinweis auf die Tatsache, daß ein untadeliger Lebenswandel ihre beste Verteidigung gegen ungerechte Bestrafung und Verfolgung ist.

1. Petrus 3, 15 heiligt aber den Herrn Christus in euren Herzen. Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist,

„heiligt den Herrn in euren Herzen“ heißt: laßt euer Herz allein von der Wirklichkeit Gottes her bestimmen. In Jesaja 8,13 ist „der Herr“ = Jahwe. Es ist bedeutsam, daß Petrus die Gottesbezeichnung des AT (Jahwe, grie kyrios1″) auf Christus überträgt.
Christen müssen bereit zur Verantwortung sein. Von dem griechischen Begriff für Verantwortung (apologia) leiten sich unsere deutschen Worte Apologie und Apologetik her. Gemeint ist oftmals eine formale Verteidigung vor einem Gericht (vgl. Apg 25,16; 2Tim 4,16), aber Paulus gebrauchte das Wort auch in inoffizieller Hinsicht zur Beschreibung seiner Fähigkeit, denen Rede und Antwort zu stehen, die ihn infrage stellten (Phil 1,16). Allezeit deutet an, dass Christen stets zur Verteidigung bereit sein sollten, ob nun vor einem offiziellen Gericht oder gegenüber jedermann, der von ihnen Rechenschaft über ihre Lebensführung und ihren Glauben fordert. Rechenschaft ist die Übersetzung des griechischen Wortes logos, was „Wort“ oder „Botschaft“ bedeutet. Christen werden aufgerufen, mit dem richtigen Wort auf Fragen zum Evangelium zu antworten, wenn jemand Rechenschaft von ihnen fordert (Präsens).
Erstaunlich ist: Christen fallen nicht zuerst an ihrem Glauben auf – so setzt Petrus hier voraus -, sondern an ihrer „Hoffnung“. „Hoffnung“ ist ein zusammenfassender Begriff für unser ganzes Handeln im und aus dem Glauben (vgl. zu 1. Petr 1,3), ja kennzeichnet den Glauben in seiner Ziel- und Blickrichtung auf die Ewigkeit.

1. Petrus 3, 14 Und wenn ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch nicht vor ihrem Drohen und erschreckt nicht;

Eins ist jedenfalls klar: Der Glaube enthält keine „Unfallversicherung“.
Der Apostel macht keine falschen Versprechungen. Wenn Vers 13 auch die normale Reaktion aufzeigt, so kann doch der Fall eintreten, daß Gutestun Leiden einbringt.
Trotz der allgemeinen Grundregel, trotz Ihrer geradlinigen Lebensführung, trotz Ihres Gottvertrauens gibt es einfach Situationen, in denen Sie einstecken müssen. Und von dieser Ausnahme der Regel ist hier die Rede. Die optative Formulierung zeigt, „wenn ihr leiden solltet (päschoite)“, an, daß die Situation des Leidens nicht generell gegeben ist und sich auch wieder ändern kann, wenn Gott dies will (V. 17). In dieser Formulierung kommt zum Vorschein, daß Gott über das Maß des Leidens wacht, das den einzelnen Christen trifft. Gott wirkt in allem, das den Christen trifft, so mit, daß „ihm alles zum Guten gereichen muß“ (Röm 8,28). Darum sollen sich die Christen vor dem Schrecken, den ihre Gegner verbreiten, nicht fürchten (wörtlich: „Ihre Furcht, phobos, aber fürchtet nicht, me phobethete“; das Wortspiel, das im Anschluß an Jes 8,12 gebildet wurde, ist wohl so zu verstehen: ). Mit logischer Folgerichtigkeit schließt Vers 14 mit einem Zitat aus Jesaja 8,12, in dem es darum geht, daß man Gott fürchten muß und nicht die Menschen.
Das hier mit „selig“ übersetzte griechische Wort, makarioi (vgl. 1. Petr 4,14), gebraucht auch Jesus in der Bergpredigt (Mt 5,3 – 11). „Selig“ zu sein bedeutet nicht, „froh“, sondern vielmehr „bevorzugt“ zu sein.

1. Petrus 3, 13 Und wer ist’s, der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nacheifert?

Eine Frage, die für die, die wirklich im tiefsten Leiden stehen, zunächst provozierend klingt. Warum müssen sie leiden, wenn sie ihr Leben entsprechend der Weisung des Glaubens voll Eifer nach dem Willen Gottes ausrichten? Bewirkt diese Lebensweise wirklich Glück und Heil oder nicht eher das Gegenteil? Die Frage des Briefschreibers ist aber so formuliert, daß sie nur mit Nein beantwortet werden kann. Auch Paulus fragt in ähnlichem Zusammenhang, wenn er die geballten Angriffsmächte gegen die Jesusleute aufzählt: „Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?“ (Röm 8,31). Etwas von diesem triumphalen Ton liegt in dieser Frage des Petrus: Wer kann euch denn wirklich ernsthaft noch bedrohen, etwas Böses antun? Wer könnte euch eigentlich noch schaden? Hier wird der verfolgten und angefochtenen Gemeinde der Blick dafür geöffnet, dass sie einen sieghaften Herrn hat, der für die Seinen eintritt, wie es ja die Verse vorher gerade eindrücklich zugesprochen haben. Das ist doch die Wirklichkeit der Christen: Sie sind „Eiferer (Zeloten!) für das Gute geworden“ (so das Griechische wörtlich). Zeloten (zēlōtēs) beinhaltet den Gedanken an „Intensität“ oder „Enthusiasmus“ und beschreibt eine Person mit großer Leidenschaft für eine bestimmte Sache. Zu neutestamentlichen Zeiten gab es eine radikale politische Gruppierung jüdischer Patrioten, Zeloten genannt, die versprachen, die Juden von jeglicher Fremdherrschaft zu befreien. Zu diesem Ziel machten sie auch vor unmoralischen Maßnahmen nicht halt (wie Lügen, Stehlen, Mordanschlägen), selbst wenn diese zu ihrem eigenen Tod führten.