Ehe wird Privatsache

Ganz geschickt haben Grüne und Liberale die Situation vor der Bundestagswahl genutzt, um noch schnell ihre Sexualvorstellungen weiter zu zementieren. Wieder einmal haben sich all diejenigen als unverbesserliche Idealisten erwiesen, die vor zehn Jahren den Beteuerungen der Schwulenlobby geglaubt haben, man strebe nur eine gesetzliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften an, aber keine vollkommene Gleichstellung mit der Ehe. Jedem erfahrenen Politikbeobachter aber hätte eigentlich klar sein müssen, dass es genau darauf hinauslaufen würde. –Und noch sind wir ganz sicher nicht am Ende des Weges sexueller Liberalisierung.
„Ehe für alle“ heißt das trügerische Motto der jetzigen Aktion. In Wirklichkeit wird hier die breite Öffentlichkeit aber wieder einmal durch klug gewählte Begriffe manipuliert. Tatsächlich wird natürlich keine „Ehe für alle“ gefordert. Mehrere Partner gleichzeitig zu heiraten bleibt auch jetzt noch verboten. Pädophile und Zoophile müssen glücklicherweise auch weiterhin auf ihren staatlich sanktionierten Partner verzichten. „Ehe für alle“ klingt aber auf den ersten Blick so demokratisch und so gerecht. Endlich könne eine unverständliche Ungleichberechtigung aufgehoben werden, wird hier suggeriert. In Wirklichkeit geht es natürlich nur darum, das Genderkonzept ungezügelter Sexualität weiter zu festigen und gegen alle anderen Auffassungen durchzusetzen, in Deutschland und international.
Schon vor Jahren hat die deutsche Regierung den Begriff der „Familie“ neu definiert. Offiziell versteht man darunter nicht mehr die lebenslange Verbindung eines Mannes mit einer Frau und ihren Kindern, sondern eine Gruppe in der „Erwachsene mit Kindern zusammenleben“. Um wie viele Erwachsene oder Kinder es sich handelt, wie und ob sie miteinander verwandt sind oder welches Geschlecht sie haben ist bei dieser neuen Sichtweise von „Familie“ weitgehend irrelevant geworden. Nun ist auch der offizielle Sprachgebrauch von „Ehe“ ganz von seinem ehemals christlich- biblischen Hintergrund gelöst worden. „Ehe“ meint heute eben nur noch das zeitweilige Zusammenleben von mehreren Erwachsenen, nicht mehr und nicht weniger. Christen aber verstehen unter „Ehe“ die dauerhafte, exklusive und liebevolle Gemeinschaft zwischen einem Mann und einer Frau.
Es kann nicht mehr lange dauern bis sich der Staat ganz aus allen Partnerschaftsfragen verabschieden wird. Spätestens dann müssen sich Christen wieder ganz neu auf Gottes Vorstellungen von Ehe besinnen und unabhängig von gesellschaftlichen und politischen Moden verpflichtende Partnerschaft leben. Wahrscheinlich ist die Zeit nicht mehr weit, in der die eigentliche Eheschließung nicht mehr vor dem Standesamt stattfindet, sondern vor der Öffentlichkeit der Gemeinde. Auch wenn bequemerweise christliche und staatliche Vorstellungen von Ehe jahrhundertelang Hand in Hand gingen, ist das heute endgültig vorbei. Gottes Vorstellungen von einer christlichen Ehe gehen weit über die staatlicher Vorgaben hinaus. Christen sollten sich neu darauf besinnen, dass nicht alles was deutsche Gesetze legitimieren auch vor Gott akzeptabel ist.
Zu erwarten, dass ein säkularer, gottferner Staat christliche Perspektiven vertritt ist eben illusionär. Und selbst wenn Politiker so etwas versuchen würden, haben sie damit in einer materialistisch- genußorientierten Welt kaum Aussicht auf Erfolg. Statt christliche Moral im Staat herbeizusehnen müssen wir uns als Christen eben immer mehr darauf besinnen, selber vorbildlich zu leben und tatkräftig auf Jesus Christus hinzuweisen. Wenn dann diejenigen, die alles ausprobiert haben, die nur noch nach Lust und Laune gelebt haben das Scheitern und die Öde dieser Existenz erfahren haben, dann sind manche offen für die glaubwürdige Alternative echter Treue und dauerhafter Partnerschaft zwischen einem Mann und einer Frau.
Lasst uns beten für die Verantwortungsträger unseres Landes; aber nicht so sehr für eine kosmetische Erhaltung christlicher Hüllen, sondern weit eher für geistliche Weisheit und echte Umkehr. Vor allem aber ermutigt einander, treu Jesus nachzufolgen und seinen Maßstäben zu vertrauen, auch wenn der Zeitgeist sexuelle Grenzenlosigkeit bewirbt.
Michael Kotsch

Die neue Irrlehre.

Im Thronsaal Gottes wollte der Satan einst mit Gott eine Wette abschließen, dass er es schaffe, in kürzester Zeit eine neue Irrlehre in die Welt zu bringen.
Gott sprach: „Nur zu!“
Als die neue Irrlehre aufkam, sagten die Liberalen: „Wie langweilig!“. Die Pietisten sagten: „Wie unbiblisch!“. Die Charismatiker sagten: „Wie dämonisch!“ Und die Reformierten sagten: „Wie verwerflich!“
Ein paar Leute, die man nicht so recht konfessionell einordnen konnte, fanden den Gedanken jedoch ganz spannend. Sie beteten, handelten und bemerkten, dass man ohne die neue Irrlehre wohl nicht mehr leben könne.
Die Liberalen wurden schnell auf die Entwicklung aufmerksam und gründeten eine Diskussionsgruppe.
Die Pietisten fanden plötzlich 15 Jahre später, in bisher unbeachteten Versen, eine tiefe biblische Begründung.
Nachdem sich der Gedanke bei allen etabliert hatte, empfingen die Charismatiker eine Prophezeiung, dass die Lehre vom Heiligen Geist war und die Jugend Europas damit große Dinge auf der ganzen Welt bewegen würde.
Die Reformierten beschlossen nach heftigen Auseinandersetzungen zähneknirschend, dass es keine Irrlehre mehr war.
Im himmlischen Thronsaal sprach Gott lächelnd: „Gewonnen!“
Der Satan knirschte: „Immer nutzt du mich aus!“ und trollte sich.
FB Matthias Störmer

Formen der modernen Religionskritik

Günter Rohrmoser fasst gekonnt sechs Ansätze der modernen Religionskritik zusammen:

  1. Religion als Betrug: Priester hätten die Religion im Interesse der Herrschenden erfunden. „Diese Theorie hält zwar keiner Prüfung stand, sie ist aber vordergründig sehr überzeugend gewesen.“
  2. Evolutionäre Theorien: Religion als Kindheitsphase der Menschheit. „An die Stelle der Herkunftsreligion tritt die Wissenschaft, die ebenfalls ein universales System zur Erklärung der Welt und der Wirklichkeit bietet, moralische Orientierungen gibt und vor allem beansprucht, die als illusionär durchschauten Versprechungen der traditionellen Religion durch wirklichen Fortschritt zu ersetzen.“
  3. Säkularisationstheorie: Prozess einer immer weiter fortschreitenden Religionslosigkeit. „… eine der grössten Selbsttäuschungen der Neuzeit. Denn die Neuzeit ist angefüllt mit Religion. Auch wird es eine religionslose Gesellschaft kaum geben, denn wenn die Herkunftsreligion ausfällt, bleibt dieses Vakuum nie unbesetzt.“
  4. Religion als Opium des Volkes und als Ausdruck der Entfremdung: Mit dem Verschwinden von Religion und einer durch religiöse Tradtion geformten Sprache würde den Menschen die Möglichkeit genommen, ihr Elend überhaupt zu artikulieren. Zum anderen sei die Religion nicht nur Ausdrucksmöglichkeit des Elends, sondern der Protest dagegen. „Der Zusammenbruch des Sozialismus ist … als eindeutiger experimenteller Beweis über die Tragfähigkeit und die Realisierungschancen dieses religiös bestimmten Sozialismus auch im Marx’schen Sinne anzuerkennen. Da wir aber diese Dimension nicht sehen, wächst bei uns zumindest in der öffentlichen Diskussion eine neue Art von Sozialismus heran, so, als hätte es dieses Ereignis gar nie gegeben…“
  5. Psychoanalytische Theorie der Projektion: Religion als kollektive Neurose. „Was Freud als Aggressions-, Destruktionstrieb oder Todeswunsch beschreibt, also den in dern menschlichen Natur eingesenkten Trieb zur Vernichtung, war immer Teil der Erkenntnis des Wesens von ‚peccatum‘.“
  6. Religion als Kontingenzbewältigung: Unter den Bedingungen der Moderne schien die Religion zweck- und funktionslos geworden zu sein. Die Kontingenztheorie geht davon aus, dass die Religion einen Sinn hat, „wenn sie das menschliche katastrophenbedrohte Dasein stabilisiert und auch noch in der Erfahrung der Sinnlosigkeit den Menschen mit Sinn ausstattet.“ Sie gibt damit eine alternative Antwort auf den Zweck von Religion. „Konsequenterweise ergibt sich daraus auch die eigentlich widersinnige Frage nach dem Nutzen und der Funktion Gottes. … Wir haben relative Konstanten, die wir Regeln oder Gesetzmässigkeiten nennen; Gott hingegen handelt, aus der Sichtweise des Menschen, kontengt, er gibt nicht nur Glück, Frieden und Stabilität, sondern er hat die fatale Neigung, auch häufig das Gegenteil zu tun.“

Günter Rohrmoser. Harald Seubert (Hg.) Kann die Moderne das Christentum überleben? Logos Editions: Ansbach, 2013. (17-24)

„Wie man Freunde gewinnt“ — biblisch weitergedacht (Teil 2)

In einem vorherigen Blogeintrag haben wir versucht, Dale Carnegies Klassiker Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden biblisch zu beleuchten. Wie schon erläutert lautet Carnegies Grundtenor: “Bringe deinem Gegenüber Wertschätzung entgegen—dann wirst du in der Lage sein, ihn für dein Anliegen zu gewinnen!”
Carnegies Ansatz entspringt in erster Linie nicht irgendwelchen psychologischen Überlegungen sondern, wie er in dem Vorwort seines Bestsellers beschreibt, empirischer Untersuchungen von unzähligen Zeitungsartikeln, Unterlagen aus Familiengerichten, den Werken der alten Philosophen und neuen Psychologen und vor allem auch Biographien von großen Politikern und einflussreichen Menschen. In all’ diesen Untersuchungen ging es Carnegie darum herauszufinden, wie diese Menschen mit anderen umgegangen sind und sie so für ihr Anliegen gewinnen konnten.
Aber hier ist der Clue: in diesen Nachforschungen ist Carnegie auf etwas gestoßen, was – wenn wohl auch für ihn unbewusst – Gott in seine Schöpfung, den Menschen, gelegt hat und was sich in seinem Wort widerspiegelt: die positive Auswirkung von Lob und Bestätigung. In seinem Buch Practicing Affirmation: Weiterlesen

Nicht alle Religionen sind gleich!

Die Überzeugung, alle Religionen seien im Wesentlichen gleich, ist unter säkularen jungen Erwachsenen sehr verbreitet. Ich halte das für eine Form emotionaler Unreife. Das Leben erfordert immer wieder harte Entscheidungen, und zu glauben, man könne sie vermeiden, ist kindisch. Vielleicht hat es zunächst den Anschein, man könne auf diese Weise um eine Menge harter Arbeit herumkommen. Aber die Idee einer Gleichheit der Religionen ist schlicht und einfach eine Lüge. Jede Religion, selbst jene, die zunächst den Anschein erwecken, Raum zu lassen für vieles andere, erhebt eigene, unverwechselbare Ansprüche. Und die Ansprüche, die Jesus erhebt, sind besonders ärgerlich, denn wenn sie zutreffen, gibt es keine Alternative als die, die Knie vor ihm zu beugen. Timothy Keller

„Wir sollen Gott fürchten und lieben“

„Gottesfurcht ist ein alter Begriff aus der Bibel; sicher ist er auch etwas aus der Mode gekommen.“ So heißt es im „Kirchenlexikon“ bei „Kirche im NDR“. Die Gottesfurcht wird als Ehrfurcht erklärt, aber gleich wird auch hinzugefügt: „Andererseits hat diese Gottesfurcht auch ihre Schattenseiten. Vielleicht wurde uns, als wir Kinder waren, Angst gemacht mit dem Satz: Gott sieht alles! Das kann einen Menschen richtig krank machen. Darum hat ein Psychotherapeut dies einmal als ‘Gottesvergiftung’ bezeichnet.“ Das Fazit des Autors, ein Superintendent in der evangelischen Kirche: „Gott fürchten und lieben – beides gehört zusammen – aber wenn Sie mich fragen: Die Liebe hat das größere Gewicht. Schließlich ist die Bibel eine ‘Gute Nachricht’.“
Die Gottesfurcht, so scheint es, wird gerade so toleriert (oder auch ganz ignoriert wie im „Glaubens-ABC“ auf den EKD-Seiten); sie muss der Liebe den ihr gebührenden höheren Rang zu gestehen; sie steht zumindest in Spannung, möglicherweise auch im Gegensatz zur Botschaft und Frucht des Evangeliums. Alt, aus der Mode geraten und Schattenseiten – Positives ist selten zu der arg verstaubten Tugend zu hören.
Aber damit nicht genug: Am meisten Angst hat man heutzutage offensichtlich vor der Angst vor Gott, und Furcht – in welcher Wortkombination auch immer – riecht verdächtig nach ängstlicher Grundhaltung. Vielfach wird nun zu verstehen gegeben, dass die Gottesbeziehung von Christen einzig von der Liebe dominiert werden soll. Hat die Gottesfurcht als Relikt einer vermeintlich kranken, angstgesteuerten Zeit also ausgedient? Weiterlesen

Mt 22,35-40 Welches ist das höchste Gebot im Gesetz?

Luther 1984:   35 Und einer von ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und fragte:  36 Meister, welches ist das höchste Gebot im Gesetz?  37 Jesus aber antwortete ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«.  38 Dies ist das höchste und größte Gebot.  39 Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.  40 In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Elberfelder:  35 Und es fragte einer von ihnen, ein Gesetzesgelehrter, und versuchte ihn und sprach :  36 Lehrer, welches ist das größte Gebot im Gesetz ?  37 Er aber sprach zu ihm: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.»  38 Dies ist das größte und erste Gebot.  39 Das zweite aber ist ihm gleich: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.»  40 An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

EinheitsÜ:  35 Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn:  36 Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?  37 Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.  38 Das ist das wichtigste und erste Gebot.  39 Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.  40 An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.

Gute Nachricht: 35 Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, stellte Jesus eine Falle. Er fragte ihn: 36 »Lehrer, welches ist das wichtigste Gebot des Gesetzes?« 37 Jesus antwortete: »Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit deinem ganzen Verstand!38 Dies ist das größte und wichtigste Gebot. 39 Aber gleich wichtig ist ein zweites: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst! 40 In diesen beiden Geboten ist alles zusammengefasst, was das Gesetz und die Propheten fordern.«

Neue Genfer Ü: 35 Nun versuchte einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, Jesus eine Falle zu stellen. Er fragte ihn: 36 »Meister, welches ist das wichtigste Gebot im Gesetz?« 37 Jesus antwortete: »›Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand!‹38 Dies ist das größte und wichtigste Gebot. 39 Ein zweites ist ebenso wichtig: ›Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst!‹ 40 Mit diesen beiden Geboten ist alles gesagt, was das Gesetz und die Propheten fordern.«

Volxbibel: 34/35 Als die Pharisäer hörten, wie Jesus den Sadduzäern das Maul gestopft hatte, dachten sie sich eine neue Frage aus. Einer von den Theologen ging mit folgendem Ding zu ihm hin: 36 „Meister, was ist das absolut wichtigste Gesetz von Gott, was will er von uns?“ 37 „‚Liebe Gott, deinen Chef, mit allem, was du hast, mit deinem ganzen Gefühl, volles Rohr, entscheide dich dafür!‘ 38 Das ist das wichtigste Gesetz überhaupt! 39 Und gleich danach kommt: ‚Liebe die Leute, die mit dir leben, genauso, wie du dich selber auch liebst!‘ 40 Da steckt alles drin, alle Gesetze und Forderungen, bei den Propheten angefangen bis heute.“

 

Schock: Auch Käßmann hatte zwei deutsche Eltern!

Nein, ich bin nicht katholisch geworden …
… und ich like auch nicht alles, was mein FB-Freund Klaus Kelle so bloggt, aber an seinem Geburtstag möchte ich doch mal einen Kommentar weiter geben in dem er sich kritisch mit einer Bibelarbeit von Margot Käßmann auseinander setzt.
Und da Frau Käßmann sich rechtliche Schritte vorbehält, hier der vorsorgliche Hinweis: ich zitiere ihn nur und verweise unten auch auf die Erwiderung von Frau Käßmann …:
Der Titel hier stammt übrigens von dem Satiriker-Blog messeinmoll.com  – ist also ironisch gemeint …
von KLAUS KELLE:
Quelle: http://the-germanz.de/da-weiss-man-wo-der-braune-wind-wirklich-weht/
Zu den zweifellos bleibenden Worten des deutschen Papstes Benedikt gehört das von der Diktatur des Relativismus. In diesen Tage, da wir alle medial den Evangelischen Kirchentag in Berlin erleben mussten, regt es mich an, heute Nachmittag noch einmal beim Papst emeritus nachzulesen.
Lichtjahre liegen zwischen diesem Kirchenführer und einer anderen „Kirchenführerin“ aus Deutschland namens Käßmann. Schon seit ihrer an Naivität nicht zu übertreffenden Bemerkung, man müsse mit den Taliban beten, ist die Frau für mich nicht mehr ernstzunehmen. In Berlin setzte sie noch einen drauf, als sie im Zusammenhang mit Familie sagte: „Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern: ‚Da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht.“ Da muss man zwei oder drei Mal lesen, um diese Ungeheuerlichkeit zu begreifen. Das absolut normale Lebensmodell in unserem Land wird mit einem Handstreich zu „Nazi“ erkärt. Natürlich ging es auch wieder um die AfD, die sich eine höhere Geburtenrate der deutschen Bevölkerung wünscht oder – wie Käßmann das zusammenfasste: einen „Arierparagrafen der Nationalsozialisten“. Ganz ehrlich: Wenn diese an politischer Naivität nicht mehr zu toppende Theologin, die zwar mit den Taliban beten will, mit der AfD aber offenbar nicht, das wirklich so gesagt hat, wie es heute tausendfach in den sozialen Netzwerken herumspukt, dann beginne ich ernsthaft, an Käßmanns Geisteszustand zu zweifeln. Der demografische Faktor, die traditionelle Familie, die deutschstämmige Bevölkerung – alles „Nazi“? Wo ist eigentlich die Grenze bei diesem Schwachsinn? Und was haben die Jubelmassen in Berlin in ihren Wasserflaschen gehabt?
Alles wird neuerdings relativiert. Die Russen und die Amis sind das gleiche, Terroropfer und Verkehrstote werden gleichgesetzt, Ehe und Wohngemeinschaft – nichts wird mehr richtig ernst genommen. Menschen, die ihre Überzeugungen oder ihren Glauben ernst nehmen, werden als seltsam wahrgenommen, als Sektierer.
evangelisch.de kommentiert evtl. rechtlichen Schritte gegen bewusste Verfäschung in den sozialen Medien (etwa in dem Sinne von: „alle Bürger mit dt. Eltern sind Nazis“):
Käßmann hatte am Donnerstag in einer Bibelarbeit beim Kirchentag in Berlin die Forderung der AfD nach einer höheren Geburtenrate kritisiert. Sie sagte, diese entspreche dem „kleinen Arierparagrafen der Nationalsozialisten“: „Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern“ – und setzte mit Blick auf die AfD nach: „Da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht.“ Im Kurznachrichtendienst Twitter wurden vielfach nur die beiden letzten Sätze ohne den Zusammenhang zum Arierparagrafen zitiert und dadurch der Eindruck erweckt, Käßmann habe alle Bürger mit deutschen Ahnen zu Neonazis erklärt. Unter anderem stieg die kürzlich aus der CDU ausgetretene Politikerin Erika Steinbach in die Empörungswelle ein und postete ein Bild, auf dem von „linksfaschistischen Ergüssen“ die Rede war.
Wo das angebliche Falschzitat her kommt, fragt sich der Leser von evangelisch.de dann aber schon, wenn dort ebenfalls ohne Umschweife steht: Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern: ‚Da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht‘ – oder ist es zwingend auf den AfD-Kontext hinzuweisen um nicht zu verfälschen?
Die Reformationsbotschafterin Margot Käßmann hat in einer Bibelarbeit auf dem Kirchentag in Berlin die AfD hart kritisiert.
Die Forderung der rechtspopulistischen Partei nach einer höheren Geburtenrate der „einheimischen“ Bevölkerung entspreche dem „kleinen Arierparagrafen der Nationalsozialisten“, sagte Käßmann am Donnerstagmorgen. „
Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern: ‚Da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht’“, kritisierte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unter tosendem Beifall.
Käßmann verwies darauf, dass selbst sie als mehrfache Großmutter bereits türkischstämmige Mitschüler gehabt habe. Diese seien mittlerweile deutsche Eltern von deutschen Kindern.
Ist die Reaktion von Frau Käßmann auf die (dümmliche) AfD-Forderung nach einer höheren Geburtenrate der „einheimischen“ Bevölkerung nicht selbst populstisch? Welche Verständnisebene hat Frau Käßmann denn erwartet? Hat Sie bei dem von evanglischer Seite mehrfach kolpotierten tosendem Beifall der Kirchentagsbesucher nicht schon gemerkt, dass sie sich vergallopiert hat?
Was evangelisch.de darf, dürfen Dritte nicht?
Übrigens hat Klaus Kelle in einem anderen Bericht im Focus auf einen Vortrag von Vishal Mangalwadi in Reichelsheim verwiesen – der kommt am 31.10.2017 auch nach München (D.V.) …
Zum Nachlesen:

https://brink4u.com/2017/05/28/schock-auch-kaessmann-hatte-zwei-deutsche-eltern/?fb_action_ids=10154682555290829&fb_action_types=news.publishes

„Wie man Freunde gewinnt“ — biblisch durchdacht

Vor 80 Jahren ist Dale Carnegies Klassiker Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden auf Englisch erschienen (1937). Seitdem ist dieses Buch fünfzehn Millionen mal verkauft, in unzählige Sprachen übersetzt und 2011 vom Time Magazine auf Rang #19 der 100 einflussreichsten Bücher eingestuft worden. Schon das kurze Überfliegen der dreißig Verhaltensregeln im Umgang mit Menschen(siehe am Ende dieses Artikels), bei denen man beliebt sein und die man beeinflussen will, zeigt dass Carnegies Grundtenor wie folgt lautet: „Bringe deinem Gegenüber Wertschätzung entgegen”. William James drückt den Grundgedanken, von dem Carnegies Ansatz entspringt, wie folgt aus:
„Das tiefste Bedürfnis im Menschen ist die Sehnsucht nach Anerkennung.” (Engl.: „The deepest principle in human nature is the craving to be appreciated.”)
Aus christlicher und biblischer Sicht wirft Carnegies Klassiker so einige Fragen auf und ist vielleicht so manchem suspekt: „Ich bringe meinem Gegenüber Wertschätzung entgegen, damit er mich mag und mich in meinen Vorhaben unterstützt?!” Dies ist vielleicht nur eine von vielen Fragen, die die unten aufgelisteten Umgangsregeln aufwerfen (und das nicht nur für einen Menschen, der sein Leben auf dem Fundament der Bibel ausrichtet). Andererseits liegt unserem christlichen Umgang miteinander der Gedanke des „einer den anderen Höher achten als sich selbst” (Phil. 2, 3) zu Grunde, der in vieler Hinsicht auf den zwischenmenschlichen Umgang hinausläuft, den Carnegie beschreibt.
Obwohl Carnegie nicht beabsichtigt, seinen Ansatz an einem biblischen Menschenbild auszurichten, trifft er jedoch im Kern etwas, was jeder Christ lernen sollte in seinem Umgang mit seinem Nächsten zu pflegen: Bestätigung, Affirmation und Zuspruch über positive Dinge, die man in dem Leben des anderen beobachten kann. Solch eine christliche Wertschätzung seinem Nächsten gegenüber sollte jedoch nicht dazu dienen, dass man sich versucht, bei dem anderen beliebt zu machen, oder man mit seinen eigenen persönlichen Vorhaben weiterkommt, sondern letztendlich der Ehre Gottes. Weiterlesen

Veganismus als Weltanschauung

Der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag. Eine dialektische Programmheftanalyse
Wer sich in diesen Tagen dem Berliner Messegelände nähert, könnte den Eindruck bekommen, die BSR veranstalte ihre Jahreshauptversammlung. Aber, nein: Das Orange ist die Farbe des Evangelischen Kirchentags. Warum auch immer. War das Violett lange das Erkennungsmerkmal des Protestantismus, ist es nun das Orange. Wahrscheinlich ist violett nicht auffällig genug. Und auffallen muss man, in einer pluralen, ja, bis ins Atomare fragmentierten Gesellschaft, in der divergierende Lebensentwürfe das einzig Verbindende sind. Zur Andersartigkeit gibt es keine Alternative.
Wer dann das Programmheft zur Hand nimmt, könnte weiterhin den Eindruck bekommen, die Organisatoren des Kirchentags hätten sich bemüht, all diesen 79.576.394 Lebensentwürfen Raum zu geben. Niemand soll zurückbleiben. Alle sind eingeladen. Zum Fest des… Ja, und jetzt wird es schwierig. Was feiern wir eigentlich? Kirchentag? Reformation? Evangelisch? Evangelium? Deutsch? Nein. Der Deutsche Evangelische Kirchentag feiert im Reformationsjahr die Vielfalt. Multikulturalität und Dialogorientierung sind an allen Ecken und Ende des Programms spürbar. Und das ist gut so.
Das heißt: Es wäre noch besser, wenn die Kerninterpretamente christlichen Glaubens und christlicher Gegenwartskultur nicht auch vor der universal-verbindlichen Vielfaltsfolie verhandelt würden, so sie nicht gleich ganz wegfallen. Das Thema Religionsfreiheit etwa kommt vor allem hinsichtlich der zu bestimmenden Grenzen des Begriffs vor („Religionsfreiheit oder Hassrede? Herausforderungen für LSBTTIQ* weltweit“ – „Wieviel Religion verträgt der Staat?“) bzw. in seiner negativistischen Deutungsvariante als Recht auf Freiheit von Religion („Werden nichtreligiöse Menschen diskriminiert?“). Einer (dem Anspruch nach) christlichen Großveranstaltung, die just am „Weltgebetstag für China“ beginnt, hätte man insgesamt mehr zugetraut.
Das Wort „Christenverfolgung“ – eines der größten humanitären Probleme unserer Zeit – kommt auf den 576 Seiten des Programmhefts nicht vor. Zu hoffen bleibt, dass der koptisch-orthodoxe Bischof Angaelos (Stevenage, Großbritannien) das Schicksal der Christen in Nordafrika sowie im Nahen und Mittleren Osten bei der Veranstaltung „Religionsfreiheit ist Menschenrecht“ zumindest anschneiden darf. Am Ende gerne auch ohne das unerwünschte Wort.
Überhaupt: Im Anfang war das Wort. Die Begriffe im Programmheft bleiben oft schwammig und stereotyp, so dass sich Veranstaltungstitel zum Verwechseln ähneln. „Sag‘ mir, wie hältst du’s mit der Religion?“ (S. 375) behandelt den Fußballgott, „Wie hältst du es mit der Religion“ (S. 234) die Islamfeindlichkeit. Von Christentum ist wenig, von Religion viel die Rede. Sprachliche Inklusion zulasten der Klarheit. Alles ist Religion: Veganismus („Christenpflicht oder Ersatzreligion?“ – Zentrum Weltanschauungen), „Feminist*innen aller Religionen“ (sollen sich vereinigen) und „Blasphemie! – Ein Religionsgespräch zu Gilbert and George“.
Dann gibt es noch einen „Ich-kann-nicht-singen-Vormittag“. Gut so. Das zentrale Wort des Kirchentags ist ohnehin „ich“ (also: nach „Luther“ und „Klima“). Der Subjektivismus hat die Reformation seit Kant fest im Griff. Das wissen wir. Das Programm des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentags (Leitwort: „Du siehst mich“) darf ab sofort in Bachelorarbeiten als Beleg genannt werden. „Selbstbestimmte Sexualität?“, „Transhumane Revolution. Die Selbsterschaffung des unsterblichen Menschen“, „Ich bin so frei“, „Hier stehe ich“. Selbst bei Aufgaben, für deren Bewältigung Christus persönlich die Gemeinschaft von mindestens Zweien empfiehlt, schlägt das nicht-feststellbare Subjekt durch: „Was ist meine Mission?“ (Thementag „Glauben in einer pluralen Welt“).
„Lasst die Welt ruhig plural sein, wir glauben an Jesus Christus, den Sohn des lebendigen Gottes – Wort und Wahrheit, Hoffnung und Heil! Kommt, wir bezeugen Ihn!“ – Denkste, Puppe! Doch, halt – es gibt ja noch den „Markt der Möglichkeiten“ auf dem Messegelände. Hier hat dann wieder die Vielfalt in alle Richtungen Platz, auch evangelikale Gemeinschaften und katholische Einrichtungen, selbst Lebensrechtsinitiativen. Und dass die Veranstalter den Dialog mit Andersgläubigen und Andersdenkenden aufnehmen, dass sie nicht nur über Rechtspopulismus sprechen lassen, sondern auch die AfD zum Mitreden einluden, dass auch die Ökumene eine Rolle spielt – das macht dann doch Lust auf viereinhalb Tage Kirchentag. Ich jedenfalls gehe hin. Ist ja wohl meine Sache. Und schließlich sollte man einen Kirchentag nicht schon aufgrund des Programmhefts be- und verurteilen. Vielleicht ist es ja doch alles ganz – anders. Josef Bordat  https://jobo72.wordpress.com/2017/05/24/veganismus-als-weltanschauung/