1 Petrus 1,1 ein Apostel Jesu Christi, an die auserwählten Fremdlinge, die verstreut wohnen in Pontus, Galatien, Kappadozien, der Provinz Asien und Bithynien,

Der Schreiber Petrus eröffnet den Brief entsprechend der Gepflogenheit seiner Zeit mit seiner Signatur. So nennt er seinen Dienstnamen gleich am Anfang dieses Briefes und weist damit weg von seiner Person und hin auf seinen Dienstauftrag. Seine Vollmacht ist nicht in ihm selbst begründet, sondern eben in dem Dienst, zu dem ihn Jesus Christus selbst berufen hat. Das kommt auch deutlichst in der knappen Beifügung zum Ausdruck: „ein Apostel Jesu Christi“. Jesus Christus selbst hat ihn zum Apostel berufen (vgl. Mk 3,14; Apg 1,2). „Petrus“ ist sein Dienstauftrag, „Apostel« seine Dienstbezeichnung“. „Apostel“ ist ein einmaliges, unwiederholbares Amt, gemeindegründend (vgl. Eph 2,20), in das Jesus seine zwölf Jünger berufen hatte (vgl. Mt 10,2; Mk 3,14. Petrus schreibt diesen Brief in seiner ganzen apostolischen Vollmacht. Die Signatur Petrus kalkuliert im voraus eine breitere Zuhörerschaft als nur jüdische Gläubige. Dies wird vielleicht durch seine Anspielungen auf die Leser, d.h. auf solche, deren Vergangenheit als „eure Unwissenheit“ (1,14) bezeichnet wird, gestützt. Zu dieser Zeit waren sie „nicht ein Volk“ (2,10), sondern übten heidnische Praktiken aus, von denen sie nun befreit worden waren (4,3.4), durch ihre Bekehrung sind sie Kinder Abrahams „geworden“
Schon in den ersten tröstenden und ermutigenden Worten des Briefes kommt die zutiefst seelsorgerliche Intention des ganzen Schreibens zum Ausdruck. Gott hat die Christen nicht nach den Gesetzen des Zufalls oder nach menschlichem Ermessen zu seinen Auserwählten (vgl. 1. Petr 2,9) gemacht, sondern nach seiner souveränen, unbedingten Gnadenwahl. Die Erwählung ist Teil seines vorherbestimmten Planes. Sie gründet sich nicht auf das Verdienst derer, die erwählt sind, sondern allein auf die Gnade und Liebe Gottes, die ihnen von Anbeginn der Welt an galten.
“Auserwählen“ heißt wörtlich übersetzt »herausrufen«. Das macht deutlich, dass zwei dazu gehören: einer, der ruft (das ist ganz allein Gott), aber auch einer, der hört, der sich rufen lässt (das ist der hörende und gehorchende Mensch). So hat Petrus mit Andreas den Ruf Jesu gehört: »Folgt mir nach« (Mt 4,19). Petrus hätte sitzen bleiben können, dann wäre er nicht zum »Menschenfischer« geworden. Aber Petrus hat gehört und gehorcht. Er ist aufgestanden und hinter Jesus hergegangen. So wird er »auserwählt«. »Erwählung« ist ganz gewiss völlig Gottes Tun; aber sie geschieht ebenso gewiss nicht zwangsweise. Dort, wo ein Mensch hört und gehorcht, vollzieht sich Gottes Erwählung. »Erwählung« ist nicht im Sinne von »Bevorzugung« zu verstehen; vielmehr stehen Erwählung und Gehorsam zusammen. Meinen Nicht -Glauben kann ich so nicht Gott anlasten. Das ist eine zu billige Lösung. Wenn eine Firma zehn Arbeiter sucht und nur acht sich melden, ist dann die Firma schuld? Trotzdem bleibt in der biblischen Erwählung Gottes Freiheit ganz gewahrt.
Dabei sind eben die »Auserwählten« jetzt und hier in dieser Welt »Fremdlinge«. Diese Kennzeichnung greift zurück auf den Vater des Glaubens, Abraham (vgl. Hebr 11,9). Er lebte als »Fremdling« im verheißenen Land.
Dabei hat dieses Fremd-sein auch ganz praktische Konsequenzen. In vielen Ländern des Orients damals unterlag der »Fremdling« drei Beschränkungen:
a) Er konnte sein Recht nicht selbst vor dem Richter einklagen. Er war darauf angewiesen, dass ihm ein Einheimischer zur Seite trat.
b) Der »Fremdling« konnte auch keinen dauernden Besitz erwerben, sich also nicht sesshaft machen.
c) Und der »Fremdling« konnte auch keinen festen Beruf ergreifen, seinen Lebensunterhalt also nicht selbst sichern. Das ist täglich für viele Christen Wirklichkeit, in islamischen Staaten zum Beispiel.
Die »Fremdlingsexistenz« war, ist und wird auch wieder Kennzeichen der wirklichen Jesus -Jünger sein. Bis hin zu dem, dass sie »verstreut wohnen« (wörtlich: »in der Diaspora«), dass sie in der Zerstreuung sind. Gerade weil sie »nicht von der Welt« sind, leben die Christen an ihrem jeweiligen Ort zerstreut, im Sinn von ausgesondert, anders als die anderen. Doch steckt in dieser Kennzeichnung auch eine ganz positive Aussage.
Es ist kein Privatbrief, sondern ein Zirkularschreiben an viele christliche Gemeinden, der auch gewiss nicht die Privatmeinung des Petrus wiedergibt. Er redet hier i. A., als Gesandter Jesu Christi, und sagt das Wort und die Weisung seines Herrn. So ist dieser Brief »Wort Gottes«, inspiriertes Wort Jesu Christi. Die Adressaten des 1. Petrusbriefes (wohnen) verstreut … in Pontus, Galatien, Kappadozien, der Provinz Asien und Bithynien, wie verwehte Salzkörner in fünf der römischen Provinzen von Kleinasien. Der Brief war offensichtlich als Rundschreiben an die Gemeinden in diesem Gebiet gedacht. Für die Judenchristen hatte der Begriff „verstreut“ (diasporas) eine ganz besondere Bedeutung: „Diaspora“ war normalerweise der Ausdruck für Juden, die außerhalb ihres Mutterlandes lebten. Petrus greift dieses Wort, das früher nur für Israel galt, hier auf, um die Situation der Urkirche anschaulich zu machen.

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