1. Petrus 1,20 Er ist zwar zuvor ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt wurde, aber offenbart am Ende der Zeiten um euretwillen,

“euretwillen“) Gottes Wort der Hoffnung ist unsretwegen Mensch geworden Zu den Worten der deutschen Sprache, die in der alltäglichen Rede wohl kaum mehr vorkommen, gehören „euretwegen-euretwillen“ und „unsretwegen“. Der dahinter stehende Gedanke scheint jedoch noch da: Menschen handeln immer wieder auch für Andere. Ein Vater sagt: „Das habe ich heute für euch (euretwegen) eingekauft und gekocht.“ Eine Frau sagt: „Für uns (unsretwegen) habe ich die Geschäftsunterlagen geordnet und präsentiere sie nun im Gespräch“. Feine Unterschiede sind im Vergleich herauszuhören: Was für Andere geschieht, geschieht nicht immer wegen der Anderen. Einmal ist das Ziel im Blick (eine Für-Sorge), das andere Mal die Ursache (eine Grund-Sorge). Irritierend werden wahrscheinlich die gewählten Beispiele wirken – wenig lebensnah und kaum alltagsvertraut. Sie sollen den Gedanken vorbereiten, dass auch Gott bei seiner Menschwerdung eine unerwartete Rolle einnahm, einen Positionswechsel vornahm – und dies nicht nur für uns, auch wegen uns. Handelt Gott (nur) für uns oder (auch) wegen uns? In der griechischen Originalsprache des Neuen Testaments gibt es eine strikte Unterscheidung zwischen einem Handeln „für“ (hyper) oder „wegen, aufgrund, weil“ (dia). Nicht bloßes Mitleid bewegt Gott in seinem Handeln für uns armselige Menschheit. Das gewiss auch. Tiefer jedoch reichen die Wurzeln des göttlichen Tuns. Es ist nicht bloß Gottes Anblick unserer Not, die ihn innerlich erschüttert und bewegt. Gott ist vielmehr durch sein Wissen um die gesamten Zusammenhänge in seiner Schöpfung zum Handeln motiviert. Wegen uns wird Gott Mensch – nicht nur für uns. Nicht erst Gottes Erleben der Sünde und ihrer grausamen Wirkungen in all den Zeiten der Menschheitsgeschichte lässt ihn handeln. Vor allen Zeiten ist Gott entschieden, uns ein Wort der Hoffnung zu sagen. „Präexistent“ – im Voraus zu jedem geschichtlichen Ereignis – ist Gottes Wille, sich uns als der zu zeigen, der er wesentlich ist. Das Weihnachtsereignis ist von Gott vor langer Zeit geplant worden – genauer: vor allen Zeiten. Immer schon wollte Gott so weit gehen und selbst Mensch werden – wegen uns. „Präexistent“ – vor aller Schöpfung – ist Gottes Mitteilungsbedürfnis. In Jesus, seinem Leben und seinem Leiden, ist das Wort Gottes über sich zu einer Menschengeschichte geworden.
„zuvor ersehen“ meint die ewigen Liebesgedanken Gottes zu unserer Rettung (vgl. zu V. 2). Gott war vor aller Zeit und sein Christus, „ehe der Welt Grund gelegt wurde“. Bevor Gott den Kosmos schuf, hat er schon seine Heilsgedanken beschlossen. Ebenso wird auch deutlich, dass Christus schon vor aller Zeit war (vgl. Joh 8,58; Kol 1,17). Er ist der ewige Gottessohn. Das stellvertretende Opfer des Sohnes war Gottes Heilsplan von Ewigkeit her. Vor aller Zeit hat Gott dieses Heil ausersehen; jetzt, in der Zeit, ist es offenbart, ist er, der Christus, erschienen und hat das Heil vollbracht. „Zeit“ meint hier die Dauer. Petrus charakterisiert die Zeit seit Christi Kommen als „Ende der Zeiten“, als letzte Zeit. Seit Jesu Geburt ist Endzeit in dem Sinne: Auf ihn ist alles zugelaufen. Er ist die Erfüllung. Das Ende allen Wartens. Das Letzte, die Vollendung hat begonnen. In Christus, ist das ganze Heil Gottes „offenbart“, enthüllt. Jetzt tritt klar zutage, was Gott mit dieser Welt, mit uns Menschen will: Er will retten, erlösen, vollenden. „Um euretwillen“ setzt Petrus betont hinzu.

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