1.Petrus 1,13 Darum umgürtet die Lenden eures Gemüts, seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird in der Offenbarung Jesu Christi.

Beim Lesen dieses Aufrufs spürt man etwas von der Bestimmtheit des Petrus. Er will uns sagen, dass jetzt nicht die Zeit zum Abschalten, zur Apathie ist. Schaut man sich die Eindringlichkeit an, mit der er sagt: „Haltet euch bereit! Bleibt nüchtern! Setzt eure ganze Hoffnung auf die Gnade!“ Der Rhythmus dieser Sätze ist ein hartes Stakkato. Heute würden wir es vielleicht so sagen: „Kommt zur Sache, Leute! Die Lage ist ernst!“ Man lässt sich so leicht von der Welt berieseln und in den Schlaf wiegen. Wenn wir uns aber von diesem Narkosemittel befreien wollen, müssen wir uns seinem Einfluss widersetzen. Ich habe das Empfinden, dass Petrus hier sagt: „Ihr müsst euch klarmachen, dass ihr zwar in diesem Kosmos lebt, aber dass ihr euer Denken, euren Blick, euer Wesen jenseits des Hier und Jetzt richten müsst. Ganz egal, wie knüppeldick es auch kommen mag: richtet eure Hoffnung jenseits der gegenwärtigen Umstände, denn sonst fällt ihr dem Kosmos-Denken zum Opfer.
Der ganze Briefeingang war Zuspruch, überwältigende Zusage des ganzen Heils Gottes in Jesus Christus an die Gemeinden. Aus dem Zuspruch, nach dem Zuspruch folgt der Anspruch. Diese Reihenfolge ist biblisch unumkehrbar. Erst die Zusage, dann die Aufgabe; erst die Gabe, dann der Dienst; erst die Gnade, dann der Gehorsam. So beginnt schon die Reihe der zehn Gebote: „Ich bin der Herr dein Gott…“ Das ist die volle Zusage, und dann erst folgt: „Du sollst nicht…“ (vgl. 2. Mo 20,2ff.). Genauso spricht Jesus den Seinen erst die volle Glückseligkeit zu in dem neunmaligen „Selig sind…“, das die Bergpredigt einleitet, und dann folgt die Dienstaufgabe (vgl. Mt 5,3ff.).
Darum umgürtet die Lenden eures Gemüts“ Glaubensgehorsam ist ein bewußter Willensakt. Christen, die in Konflikt mit der Welt stehen, müssen sich eine entschlossene Haltung der Heiligkeit zu eigen machen, die sie zum Handeln befähigt. In der Antike war es üblich, sein Gewand zusammenzuraffen, wenn man es eilig hatte und schnell vorwärts kommen musste. Diese Praxis wird hier bildhaft auf das Denken angewendet. Alle neue Lebensgestaltung beginnt mit unserem Denken. Das grie dianoia“ ist mehrdeutig. Gemeint ist; Denkkraft, Verstand, Gesinnung, Gedanke, aber auch Gemüt oder Gedankenwelt – all das ist in dem Ausdruck enthalten. In der LXX ist dianoia meist Übersetzung für „Herz“.
„Umgürtet die Lenden eures Gemüts“ (V. 13
“seid nüchtern“ (V. 13; vgl. 1. Petr 4,7; 1. Petr 5,8; 1. Thess 5,6.8). Das hier gebrauchte griechische Wort nephontes, von dem Verb nepho („nüchtern sein“), wird im Neuen Testament immer bildlich verwendet. Es beschreibt einen Zustand frei von jeder Form geistiger oder religiöser „Trunkenheit“ oder Ausschweifung. Statt von äußeren Dingen gelenkt zu sein, sollen die Christen von ihrem Inneren, ihrem Glauben, bestimmt sein. Nüchternheit ist nicht Verachtung der Welt, wohl aber ihre richtige Beurteilung und ihre richtiger Gebrauch.
„Setzt eure Hoffnung ganz“
Ein heiliges Leben verlangt eine klare Zielsetzung. Die Hoffnung der Gläubigen muß sich vollkommen (teleios, „völlig, unveränderlich“) und ohne Vorbehalt auf die Gnade (vgl. V. 10) stützen, die ihnen in der Offenbarung Jesu Christi (apokalypsei; vgl. das gleiche Wort in V. 7; vgl. auch das Verb apokalyphtenai, „offenbar werden“ in V. 5) geschenkt wird.
“ganz auf die Gnade, “
Gnade bezeichnet in umfassender Weise alles, was Gott den Erlösten in Jesus schenkt, hier im besonderen die zukünftige Vollendung, die Darreichung des in den Himmeln aufbewahrten Erbes. Gnade ist unverdientes Geschenk. Nun geht es darum, ganz ausgerichtet zu sein auf die Enthüllung Jesu Christi und damit auf die Gnade, auf das unverderbliche Erbe, das Jesus ihnen mitbringt. Es heißt hier; Habt eure Hoffnung gesetzt…. Wer seine Hoffnung auf die Gnade setzt, setzt damit auch sein Vertrauen auf sie. Das Wort völlig macht die Sache noch radikaler. Wer dem Gekreuzigten mit Entschiedenheit nachfolgt, lebt sehr einseitig.
“die euch angeboten wird in der Offenbarung Jesu Christi.“
Schon viermal sprach Petrus in seinem Brief von der Wiederkehr des Heilands und der damit einhergehenden letzten Stufe des Heils, „der Seelen Seligkeit“ (V. 5.7.9. 13). Er spricht in diesem Brief nicht von der Entrückung, sondern von der „Apokalypse“, Christi Enthüllung und Erscheinung, wenn Seine Heiligen mit Ihm in Herrlichkeit offenbar werden.
Die intensive geistige Vorbereitung, die in den drei Ermahnungen in Vers 13 zum Ausdruck kommt, ist erforderlich, damit die Christen sich nicht den Begierden hingeben (syschematizomenoi; vgl. auch Röm 12,1), die ihr früheres sündiges Leben (vgl. Eph 2,3), als sie noch nichts von Gott wußten (vgl. Eph 4,18), beherrschten.

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