Idomeneo

„Idomeneo“

Mozart gegen Mohammed – Waffenstillstand im Kampf der Kulturen?

Das Klima in Deutschland ist angespannt. Am Montag hatte die Deutsche Oper in Berlin bekanntgegeben, dass die geplante Inszenierung der Mozart-Oper „Idomeneo“ vom Spielplan gestrichen sei. Am 5. November sollte das Stück wieder auf dem Spielplan stehen. In der Inszenierung des Regisseurs Hans Neuenfels zieht König Idomeneo in einer Szene die abgeschlagenen Köpfe von Poseidon, Jesus, Buddha und Mohammed aus einem Sack. Nachdem Berliner Sicherheitsbehörden die Oper über Hinweise informiert hatten, dass die Wiederaufnahme des Stückes ein unkalkulierbares Risiko für das Haus darstellten, entschloss man sich lieber Mozarts „Le Nozze di Figaro“ und Verdis „La Traviata“ aufzuführen.

Zugegeben, der Gedanke in einer Oper zu sitzen und mit einem enthaupteten Jesus-Kopf konfrontiert zu sein, würde mir als Christ bitter aufstoßen. Was mich jedoch noch betroffener macht ist die Tatsache, dass die Entscheidung nicht aus Rücksicht auf die religiösen Gefühle von Zuschauern getroffen wurde, sondern aus Angst vor Krawall und Anschlägen von Islamisten. Hätten Vertreter christlicher Kirchen ihren Unmut über solche eine Szene zum Ausdruck gebracht, wäre die Inszenierung höchstwahrscheinlich mit dem Hinweis auf die künstlerische Freiheit verteidigt worden.

Doch es geht hier um weit mehr als die Einzelentscheidung in Berlin, die sicher nach bestem Wissen und Gewissen getroffen wurde. Der Entschluss, ein Stück abzusetzen, weil etwas passieren könnte, macht auf dramatische Weise deutlich, dass sich das Klima in der westlich-demokratischen Welt gewandelt hat. Die Erfahrungen nach dem Karrikaturenstreit und den Krawallen um die Papst-Vorlesung haben ein Bedrohungsszenario geschaffen, dass selbst sonst so unerschrockene Köpfe nicht kalt lässt. Die Entscheidung der Intendanz in Berlin ist lediglich ein Gradmesser für den politischen Klimawandel. Die weiße Fahne zu schwenken ist zwar das falsche Signal, macht aber eines deutlich: Vor einem Kampf der Kulturen muss man nicht länger warnen. Er hat längst begonnen und der demokratische Westen ist mitten drin. Demokratie und Freiheit müssen nicht nur am Hindukusch verteidigt werden sondern auch in Deutschland – Berlin inklusive.

Autor: Michael Gerster http://www.glaube24.de/

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