1Petr.1,3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten,

Die Verse 3-12 bilden im Urtext einen einzigen Satz, in dem, sprachlich sehr gekonnt, mit vielen Nebenbestimmungen und Nebensätzen die Beziehungen der einzelnen Aussagen zu einander ausgedrückt werden. Man hat schon an die Übernahme einer Liturgie gedacht, was aber unwahrscheinlich bleibt.
„Gelobt sei Gott“ Ein solcher Auftakt mit dem Preis Gottes ( oder dem Dank an ihn) ist mehr als bloße Konvention: In einem solchen Beginn mit einem Lobpreis wird deutlich, das gläubige Existenz nicht in sich selbst gründet, sondern sich der ihr immer schon zuvorkommenden Zuwendung Gottes verdankt.
In der Tradition der atl. -jüdischen Gebetsliturgie, die immer den Lobpreis Gottes an den Anfang stellt, fährt Petrus nun fort. Jahwes Namen zu preisen ist Aufgabe des Gottesdienstes des Alten Bundes. Das Achtzehn-Bitten-Gebet mit seinem achtzehnmaligen Refrain: „Gepriesen seist du, Herr“, ist davon noch ein spätes Zeugnis. Die Apostel verachten nicht gute fromme Sitte, sondern füllen sie mit dem Evangelium. Die Juden sagten: Gepriesen sei der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs! Und nun bekennt die Gemeinde Jesu: Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
„Gelobt sei Gott“ (wörtlich eigentlich: „gute Worte für Gott“) drückt die Ehrfurcht und Anbetung vor dem handelnden Gott aus. „Gut“ ist zu verstehen im Sinne Jesu, der dem reichen Jüngling antwortet: „Niemand ist gut, als allein Gott“ (Mk 10,18). „Gut“ hat auch die Wurzelbedeutung von „stark, kräftig“. Im Lobpreis wird Gott also als der angebetet, der allein gut ist, der alle Stärke und Macht hat. Wer Gott preisen will, muß wissen und aussagen können, was er an ihm hat. „der Vater unseres Herrn Jesus Christus“ So hat er sich endgültig geoffenbart. Hier liegt auch die radikale Scheidung vom Judentum, denn die Juden wollten Jesus töten und töteten ihn dann auch, weil er „sagte, Gott sei sein Vater, und machte sich selbst Gott gleich“ (Joh 5,18). Das aber bekennt die christliche Gemeinde zu aller Zeit: Gott ist der Vater Jesu Christi, und Jesus Christus ist Gottes Sohn (vgl. 2. Kor 1,3; Eph 1,3).
Inhalt des Lobpreises ist Gottes Handeln, das aus „seiner großen Barmherzigkeit“ kommt. Das griechische Wort für „Barmherzigkeit“ ist erst von seiner hebräischen Entsprechung her – wörtlich übersetzt „weich sein“, „in Bewegung sein“, „geneigt sein“. Wenn das von Gott ausgesagt wird, ist das für griechisches Denken ein umstürzender Gottesbegriff. Der Grieche sieht Gott als das höchste, in sich selbst ruhende, unbewegte Sein. Der biblische Gott aber ist ein Gott in Bewegung, ein Gott, der sich zuneigt, uns geneigt ist, der handelt und seine Geschöpfe führt. Die „Barmherzigkeit Gottes“ ist zusammenfassender Begriff für alles, was Petrus vorher über das Heils – und Erwählungshandeln Gottes bezeugt hat. Diese Barmherzigkeit ist also kein unverbindliches Mitleid, etwa, wie wir es so oft oberflächlich bekunden. Gottes Barmherzigkeit ist zur Tat geworden, hat einen Namen, ist in Jesus Christus Person geworden.
Dieses Wirken der „Barmherzigkeit Gottes“ ist zusammengefasst in dem Satzteil „wiedergeboren“ zu einer lebendigen Hoffnung. Er (hat) uns wiedergeboren (anagennesas, von dem Verb „wiedererzeugen, neu schaffen“; es steht nur zweimal im Neuen Testament, beide Male in diesem Kapitel: 1. Petr 1,3.23). Die verschiedenen Verben im griechischen Neuen Testament gehören jeweils eher zum Wortfeld des (männlichen) Zeugens oder des (weiblichen) Gebärens, sind aber nie einseitig festgelegt. Inhaltlich meint der Apostel aber damit dasselbe wie sein Herr, der zu Nikodemus sagt: (Joh. 3,3; vgl. auch Joh. 3,5 u. Joh 1,13; Tit 3,5; 1. Joh 2,29; Jak 1,18). Wer Jesus Christus begegnet und ihm vertraut, wird ein völlig neuer Mensch. Gottes Geist verwandelt sein Sein. Petrus will also sagen, daß die Wiedergeburt durch dieselbe Kraft geschieht, durch die auch Jesus aus den Toten auferweckt wurde. Darum schreibt Paulus auch in Römer 8, 11: „Wenn aber der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt…“ Daran können wir erkennen, welch ein gewaltiges Werk Gottes die Wiedergeburt ist! Sie ist gleichgesetzt mit der Auferstehung Christi. Die Neugeburt ist also – ebenso wie die Auferstehung des Herrn –Leben aus dem Tod!
Der Wiedergeborene wird nach dem 1.Petr. nicht zur körperlichen Unsterblichkeit wiedergeboren oder magisch-naturhaft verwandelt, sondern er bleibt auch als Wiedergeborener vergängliches „Fleisch“ und „verdorrendes Gras“ (V24). So wenig „Wiedergeburt“ also ein den Menschen in eine Überwelt entrückender Vergottungsritus ist, so wenig ist sie bloß ein Bild oder Symbol für innere Erlebnisse, mystische Stimmungen oder ekstatischer Schauungen. Sie ist vielmehr eine von Gott selbst geschaffene neue Lebenswirklichkeit, von der sachgemäß darum nicht im Blick auf fromme Seelenvorgänge des Menschen, sondern im Blick auf Gotteshandeln in Jesus Christus die Rede ist.
„Lebendig“ steht hier im Sinne von „bleibend“, ja „vollendend“. Das griechische Wort hat viele Bedeutungsinhalte, etwa „kräftig“, „wirksam“, „Bestand haben“, „fortleben“ und „blühen“. „Lebendig“ meint im Tiefsten „ewig“. Denn „Hoffnung“ beschreibt nicht ein Gefühl, einen innerseelischen Vorgang im Menschen, sondern biblisch ist Hoffnung immer das „Hoffnungsgut“, die feste Gewissheit, dass Gottes Heilsgabe des neuen Lebens vollendet, verwirklicht wird in Gottes Ewigkeit. „Hoffnung“ ist das „Erhoffte“, was wir hier und jetzt schon im Glauben leben und dort verwirklicht empfangen (vgl. Apg 23,6; Röm 4,18; Röm 5,2; Röm 8,20; Röm 12,12; 1. Kor 13,13; 2. Kor 3,12; Eph 1,18; Eph 4,4; Kol 1,5.27; 1. Thess 5,8; Tit 1,2; Tit 2,13; Tit 3,7; 1. Joh 3,3; Hebr 3,6; Hebr 10,23). „Durch“ steht im Sinne von „in Folge von“ und „wegen“der Auferstehung. Der Grund solcher überwältigenden Hoffnung ist „die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“. Die „Auferstehung Jesu Christi“ – dadurch wird seine Siegeskraft herausgestellt; der Ausdruck „Auferweckung“ betont das Handeln Gottes – ist der Beginn der Vollendung. Offb 1,17f.). Doch wird noch ein anderer Punkt dafür maßgeblich gewesen sein, daß im NT verhältnismäßig häufig von der Auferstehung Jesu Christi die Rede ist: die Prägung des Begriffes durch das Judentum. In der jüdischen Hoffnung auf die endzeitliche Vollendung nahm die Auferstehung eine zentrale Stellung ein. Wer da hinein die „Auferstehung“ Jesu verkündigte, bezeugte damit was von den Juden erwartet wird, ist in Jesus da. „Jesu Christus hat den Tod zunichte gemacht und Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht“ (2 Tim. 1, 10).

Verwendete Literatur:
W. Schrage, Der erste Petrusbrief, in: Die ‚Katholischen Briefe‘. die Briefe des Jakobus, Petrus,. Johannes und Judas. 2. Auflage 1980 NTD Band 10 Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen.
Karl Hermann Schelkle: Die Petrusbriefe. Der Judasbrief. Herders theologischer Kommentar zum Neuen Testament. Herder,
Freiburg Band XIII FASZIKEL 2 1980
Norbert Brox Der erste Petrusbrief – Reihe: Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament,  Auflage von 1978 Band XXI Benziger Verlag Neukirchener Verlag
Züricher Bibelkommentare NT 15 Der erste Petrusbrief Eduard Schweizer Auflage 1998

Der erste Brief des Petrus Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament 15/I Reinhard Feldmeier
Thomas Jettel (und z. T. Herbert Jantzen) Bemerkungen zum erste Petrusbrief – Hilfen für Pilger zwischen zwei Welten http://www.sermon-online.de/search.pl?lang=de&id=4756&title=&biblevers=&searchstring=&author=0&language=0&category=0&play=0
Der erste Brief des Petrus erklärt von Uwe Holmer Wuppertaler Studienbibel Taschenbuch – Sonderausgabe 1983
Betrachtungen über den 1. Petrusbrief (1) 1. Petrus 1 H.L. Heijkoo http://www.soundwords.de/artikel.asp?suchbegriff=&id=1153#Vers%203
Der erste Petrusbrief von Heiko Krimmer Edition C
Roger M. Raymer Walvoord Multimedia Bibel 1. Petrus

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