Wer vereint hat immer recht!?

Immer wieder zerstreiten sich Christen aufgrund eifersüchtiger Revierkämpfe oder lehrmäßiger Bagatellen. Viele gemeindliche Auseinandersetzungen beruhen im Kern auf menschlichen Faktoren: Unterschiede in der Persönlichkeit, der Prägung, der Kultur, der Generationen usw. Einigkeit unter Christen ist nicht nur das Steckenpferd einiger Spezialisten, sondern eine von Gott geschaffene Realität. Durch ihre Wiedergeburt gehören Christen zu einer himmlischen Familie, sind Glieder an einem „ geistlichen Körper“ (1Kor 12) und „lebendige Steine“ im Tempel Gottes (1Petr 2, 5). Diese von Gott gewollte Einheit entsteht allerdings nicht durch ausgetüftelte Werbetricks, gemeinsame Großveranstaltungen, neuen Organisationen oder diplomatisch formulierte Bekenntnisse. Sie ist immer schon vorhanden, weil Gott sie gewollt und geschaffen hat.
In seinem „hohepriesterlichen Gebet“ bittet Jesus seinen himmlischen Vater um geistliche Einheit unter Christen. Diese Bitte richtet sich aber nicht an Gemeindeleiter oder Kirchen- Coachs, sondern an Gott selbst. Die hier gewünschte Einheit soll sich nach Jesu Wunsch definitiv auf der Grundlage biblischer Lehre entwickeln: „Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit.“ (Joh 17, 17).
In einer schon seit Jahren zu beobachtenden Einheits- Euphorie mancher Christen ist das eigentlich geistliche Ziel weitgehend aus dem Blick verloren worden. In einer postmodernen Trunkenheit von gesellschaftlicher Größe und Einfluss wird der Kreis des Christseins unverantwortlich ausgeweitet. Auf evangelikalen Großveranstaltungen sprechen plötzlich Sektierer wie Mormonen oder Vertreter anderer Religionen wie Hindus. Evangelikale sprechen plötzlich davon, dass moralisch lebende Muslime auch in den Himmel kommen. Mitglieder der Neuapostolischen Kirche werden als vorgeblich freikirchliche Christen willkommen geheißen. – Personen, die den Aussagen Jesu entsprechend ziemlich eindeutig als Irrlehrer betrachtet werden müssen, werden hier als geistliche Vorbilder vermittelt.
Katholische Sonderlehren werden bei einigen Evangelikalen bereitwillig relativiert, um eine vorgebliche Einheit der Christen nicht zu gefährden, die bei Licht besehen gar nicht vorhanden ist oder nur durch eine immer weitere Reduzierung geistlicher Überzeugungen erreicht werden kann. Hans Küngs „Projekt Weltethos“ vermittelt im deutschen Religionsunterricht eine trügerische Einheit der Weltreligionen, die auf wenige ethische Grundforderungen reduziert werden. Im „Ökumenischen Rat der Kirchen“ (ÖRK) mündet eine vorgeblich christliche Einigkeit in einem weltanschaulichen Einheitsbrei der pluralistischen Gesellschaft. Angesichts einer immer säkulareren Gesellschaft suchen viele evangelikale Christen den trügerischen Schulterschluss mit allen, die auch nur vage von Gott, Gebet oder Werten sprechen.
Echte geistliche Einheit ist absolut notwendig und erstrebenswert. Egoistische oder eigensinnige Zerspaltungen zwischen Christen sind definitiv Sünde. Die von Jesus gewollte Einheit aber kommt alleine von Gott. Sie wird durch den Heiligen Geist bewirkt, auf der Grundlage der Bibel. Einheit, die deutliche Aussagen Jesu überschreitet, ist eine geistliche Illusion und ein Betrug an den Gläubigen. Michael Kotsch