„In unserem Streben nach Größe sind wir ganz verrückt geworden…“

Die Gemeinde ist wegen ihrer Betonung großer Zahlen von den Katakomben ins Kolosseum umgezogen. Wir führen Mammutvorstellungen und gigantische Zusammenkünfte auf. Wir stellen die gefeierten Helden aufs Podium und ahmen Caesar nach, um das Banner Christi voranzubringen. In unserem Streben nach Größe sind wir ganz verrückt geworden. In Wirklichkeit brauchen wir eine Ausdünnung, keine Verdichtung. Vor langer Zeit lernte ich, dass man heranwachsende Pflanzen ausdünnen oder auslichten muss. Wir verringern dabei die Quantität, um die Qualität zu erhöhen. Gideon hat seine Armee ausgelichtet, und ein ähnlicher Prozess würde der Armee Gottes heute auch nicht schaden. Jesus hat die Menge ausgelichtet, wie es uns in Johannes 6 berichtet wird, und ohne Zweifel war dies nicht das einzige Mal. Heute aber ist die verfolgte Minderheit zur populären Mehrheit geworden.
Wir leben im Zeitalter der Shows, der Tricks, des Hokuspokus, der Freaks und der geschickten Künstler. Alles wird mit Spiegeln und doppeltem Boden gemacht. Alles wird daran gemessen, wie groß oder wie laut es ist. Alles muss überdimensional, gigantisch, kolossal oder mega sein. Alle neuen Mittel sind Wundermittel – du nimmst sie und wunderst dich, was nun wohl passieren wird.
In solch einer Zeit ist es schwierig, jemanden mit altmodischem Gehorsam oder mit Treue zu begeistern. Sogar die Christen muss man im Gottesdienst unterhalten. Das Licht der Wahrheit wird bestaunt, aber man lebt nicht darin, und die Menschen erblinden aufgrund eines Übermaßes an unbenutztem Licht, weil sie zwar Hörer, aber nicht Täter des Wortes sind. Zu viel Licht macht genauso blind wie zu wenig.
Aus: W. MacDonald, Seiner Spur folgen – Anleitung zur Jüngerschaft, Bielefeld: CLV, 2008, S. 370-371