Schauspieler

„Wir sind so gewöhnt, uns vor andren zu verstellen, dass wir uns am Ende vor uns selbst verstellen.“ François VI. Duc de La Rochefoucauld (1613 – 1680)
Schon vor hunderten von Jahren waren Menschen sehr daran interessiert von ihrer Umgebung geachtet, gefürchtet oder verehrt zu werden. In einer Zeit einfacher medialer Vermarktung hat sich dieser Trend massiv beschleunigt. Zahlreiche Ratgeber und Seminare coachen für eine effektive Selbstvermarktung. Wer über das entsprechende Kleingeld verfügt, leistet sich auch einen eigenen Imagespezialisten, der aufzeigt, wie man seine Umwelt am effektivsten hinters Licht führen kann.
Selbst die vielbeworbene Authentizität wird heute professionell nachgespielt: eine weiche Stimme, ein schiefer Blick, sowie ein paar scheinbar persönliche Informationen und schon haben viele Zuhörer den Eindruck, einen ganz besonders „echten“ Menschen vor sich zu haben; auch wenn sie ihn bei Licht besehen kaum kennen.
Mancher ist mit den Jahren so sehr in seine selbstgewählte Rolle verliebt, dass er sie für sein wahres Leben hält. Irgendwann glaubt so eine Person tatsächlich an die eigene Brillanz, Schönheit oder Leistungsfähigkeit. Wer dieser Selbstinszenierung gefährlich werden kann, wird konsequent ausgeblendet oder weitest möglich zum Schweigen gebracht.
Solche Verstellungen können jeden Bereich des Lebens betreffen: Freundschaften, die Ehe, das Berufsleben und natürlich auch den Glauben. Manche Christen sehen hier nur noch was sie sehen wollen. Längst haben sie sich von jedem Aspekt der Selbstkritik verabschiedet. Man ist einfach geisterfüllt, wissenschaftlich oder bibeltreu. Die mühsam errichtete Kulisse wird dann häufig mit der Realität verwechselt. Man übersieht geflissentlich die gefakten Heilungen und billige Erklärungen, die eigene Abhängigkeit vom Zeitgeist oder der eigenen Erziehung, bzw. das Fehlen stichhaltiger biblischer Belege.
Gott kennt ein hartes Wort für solches Verhalten: Heuchelei. Das wird in der Bibel als ziemlich schlimmes Fehlverhalten verurteilt. Damit versucht man nicht nur andere Menschen zu belügen, irgendwie meint man auch Gott etwas vormachen zu können. Besonders tragisch ist bei solcher Schauspielerei die Gefahr massiver Selbsttäuschung. Im Laufe der Jahre wird man unfähig zur realistischen Selbsteinschätzung. Damit schwindet natürlich auch die Möglichkeit Schuld einzusehen oder echte Korrektur vorzunehmen. Irgendwann glaubt der Betreffende, die Welt sei wirklich, wie er sie sich zurechtgebogen hat. Die Realität und Gott lassen sich davon allerdings nicht beeindrucken.
Deshalb gilt besonders für Christen, sei ehrlich und offen jedem Menschen und besonders Gott gegenüber!
„Weh euch, […] ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch scheinen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat! So auch ihr: Von außen scheint ihr vor den Menschen gerecht, aber innen seid ihr voller Heuchelei und missachtet die Ordnungen Gottes.“ (Matthäus 23, 27)
Michael Kotsch