Johannes 1,14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Der Prolog des Johannesevangelium Teil 15

Johannes 1,14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Der Prolog des Johannesevangelium Teil 15
Dieses Wort, das beim Vater war, wurde ein Mensch von Fleisch und Blut. „Wort“ ist hier in diesem Zusammenhang gar nicht so einfach zu verstehen. Es ist ja nicht ein geschriebenes Wort, das   hier Mensch wird. Es ist auch kein Wort das ausgesprochen wird. Die Grundbedeutung des griechischen Wortes Logos, sagt mehr als das, was wir in unserer Sprache unter Wort verstehen. Man fragte nach dem Logos z.B. einer Pflanze. Also, wieso eine Pflanze sich immer gleich entwickelt. Welcher Logos, welches Prinzip steckt dahinter. Wer gibt diesem Vorgang die Gesetzmässigkeit. Johannes macht es ein für allemal deutlich. Der Logos, das Wort ist nicht ein Prinzip, keine unpersönliche Kraft oder Intelligenz, sondern es ist die Person Jesus Christus. Er hat alles geschaffen und er ist der, der alles am Leben erhält. Wer Jesus eingeladen hat und mit ihm lebt, der kann sich freuen, denn dieses Leben wird von grossem Reichtum geprägt.
Dieser Vers ist die Kardinalaussage des Prologs. Wie konnte das möglich sein: „Das Wort kam in die Welt Durch was konnte sich die Göttlichkeit der Menschheit offenbaren und ihren Nöten begegnen? Die Antwort heißt: Fleischwerdung. Das Wort wurde in gleicher Weise ein Diener der Beschneidung (Röm.15,8). Er wurde ein“ barmherziger und treuer Hoherpriester“ (Hebr.2,17), Er wurde zum Eckstein (Mt,21.42). Er wurde zum Urheber ewigen Heils (Hebr.5,9), und am Kreuz wurde Er schließlich zum Fluch (Gal.3,13). Hier kommt zum letztenmal der Titel “das Wort“ im Johannesevangelium vor.
Die Rückkehr des Begriffs LOGOS hier im vierzehnten Vers stellt einen Zusammenhang zum ersten und zweiten Vers her. Allerdings ist die unterschiedliche, beschreibende Wortwahl auffallend Vers 1 spricht von der unvergänglichen Natur und der Beziehung des LOGOS zu Gott; Vers 14 dagegen beschreibt die veränderte Beziehung des LOGOS zur menschlichen Welt. Es geht hier nicht mehr um das Verhalten und die Möglichkeiten der Menschen, sondern um das Kommen Jesu in unsere irdische Welt.
Warum das Wort Fleisch wurde, erklärt uns Hebräer 2,14ff: »Weil nun die Kinder Fleisch und Blut haben, ist er auch der gleichen Art teilhaftig geworden, damit er … erlöste die, so durch Furcht vor dem Tode im ganzen Leben Knechte sein mussten. »Um uns zu erlösen, um an unserer Stelle die Strafe für unsere Sünden zu tragen, wurde Jesus Christus also Fleisch« – ein Geheimnis des göttlichen Heilsplanes (vgl. Kol 1,22; 1. Tim 3,16). Das Menschsein wurde der Gottheit Christi hinzugefügt. Und doch wandelte Christus sich nicht, als er „Fleisch“ wurde; daher ist das „ward“ (egeneto) vielleicht besser mit „nahm auf sich“ oder „kam als“ zu übersetzen.
Zum Einzelnen:
„und wohnte unter uns“
Das griechische Wort, eskenosen, bedeutet eigentlich: „ er schlug seine Zelte bei uns auf“ Sein Aufenthalt war zeitlich begrenzt, aber nicht illusorisch. Was Wort „eskenosen“ kommt nur fünfmal im ganzen Neuen Testament vor: einmal in diesem Abschnitt und viermal in der Apokalypse (Offenbarung Kap. 7, 15; Kap. 12,12; Kap. 13, 6undKap. 21, 3). Zweimal wird in diesen Abschnitten der Begriff auf Gott bezogen. Im griechischen Alten Testament bezieht sich dieser Begriff auf die Gegenwart Gottes in der Stiftshütte Ein verwandtes. Hauptwort (skene), das eigentlich nur in Verbindung mit der Stiftshütte gebraucht wird, begegnet uns mit dem Verb „eskenosen“ in Offenbarung 13, 6. Der unsichtbare, unbestimmbare Gott wurde durch die Fleischwerdung zum Teil des täglichen Lebens der Menschen.
wir“ sahen seine Herrlichkeit“
Das „wir“ schließt Johannes selbst als Augenzeugen mit ein (vgl. Joh 1,38ff.; Joh 19,35; Joh 21,24; 1. Joh 1,1ff.; Mt 17,1ff.; 2. Petr 1,16ff.). Wir sahen impliziert selbstverständlich, daß der Autor dieses Evangeliums ein Augenzeuge war.
Im Griechischen wird hier ein Verbum gebraucht, theastbai, das eine mehrdeutige Bedeutung hat. Es bezeichnet im Johannesevangelium an allen Stellen ein reales Sehen mit physischen Augen. (vgl. Joh 1,32.3 8ff.; Joh 11,45; 1. Joh 1,1ff.).  Aber darüber hinaus kann theastbai auch ein Sehen umschreiben, da tiefer sieht; das hinter die Oberfläche dringt, ein gläubiges Schauen, So ist das Verbum Joh. 1, 14 gebraucht: es beschreibt ein wirkliches Sehen, mit dem ein Schauen mit den Augen des Glaubens verbunden ist.
„Seine Herrlichkeit“
Es gibt keinen biblischen Begriff, der so ganz das „Wesen“ Gottes ausdrückt, wie das Wort „Herrlichkeit“ Das Gottes Herrlichkeit als strahlendes Licht erfahren und beschrieben wird, zeigt, dass es zum Wesen Gottes gehört, dass er nicht in sich abgeschlossen er selbst ist, sondern dass er sich selbst ausstrahlt. Herrlichkeit bezieht sich auf die einzigartige Größe, die in Jesu Leben – in seinen Wundern, seinem Tod und seiner Auferstehung – zutage traten. Die Fleischwerdung hatte einen offenbarenden Aspekt. „. . . wir sahen seine Herrlichkeit.‘ Dieses „wir sahen“ müßte eigentlich. „wir beachteten, wir gaben acht auf. .heißen (etheasametha). Dieses Verb hat den gleichen Wortstamm wie das Wort „Schauplatz, Theater“ und beinhaltet daher auch weit mehr als einen zufälligen, gelegentlichen Blick. Es umfaßt vielmehr ein sorgfältiges Erforschen der Geschehnisse, und erst so kann man die Wichtigkeit dieses Satzes verstehen.
Zu beachten ist, dass im A.T. kein Mensch, selbst Mose nicht, den strahlenden Glanz der Lichtherrlichkeit Gottes sehen konnte und durfte ( Ex.33,20-23; 34,29ff.).
„eingeborenen Sohnes“
Die Wendung des eingeborenen Sohnes (monogenous; vgl. Joh 1,18; Joh 3,16.18; 1. Joh 4,9) bedeutet, daß Jesus von Anbeginn der Welt an auf eine Art und Weise der Sohn Gottes ist, die sich grundlegend von der Art und Weise unterscheidet, wie ein Mensch, der glaubt, ein Kind Gottes wird. Jesu Sohnschaft ist einzigartig, denn er ist ewig und eines Wesens mit dem Vater.
Einzig gezeugt“(Luthertext: »eingeboren“) heißt im menschlichen Bereich das einzige Kind (vgl. 1. Mo 22,2ff.; Ri 11,34; Lk 8,42; Lk 9,38).
Fünfmal wird er im Neuen Testament der Eingeborene genannt. Der „Erstgeborener“ ein Titel der eine Auszeichnung im Rang, und nicht in der Chronologie der Geburt andeutet.
1) In Römer 8,29 ist Er der „Erstgeborene vieler Brüder“.
2) In Kolosser 1,15 ist Er der „Erstgeborene der Schöpfung“.
3) Im 18. Vers des gleichen Kapitels, ist Er der „Erstgeborene aus den Toten“.
4) In Hebräer 1, wenn Er als Erstgeborener in den Erdkreis eingeführt wird, wird den Engelscharen geboten, Ihn anzubeten.
5) In Offenbarung 1, 5 ist Er der „Erstgeborene der Toten und der Fürst der Könige der Erde
Beachten wir noch, dass Vers 14 zum ersten Mal Jesus als den „Sohn“ beschreibt – obwohl das eigentliche Wort für „Sohn“ erst später kommt – und damit klarstellt, dass das göttliche „Wort“ und der »Sohn« ein und dasselbe sind!
„voller Gnade und Wahrheit“
Daß hier gerade die biblischen Begriffe Gnade und Wahrheit als seine Eigenschaften genannt werden zeigt, dass Johannes sein Thema nicht philosophisch-spekulativ angeht.
Im Alten Testament bedeuten die beiden Begriffe Gnade und Wahrheit „chäsäd“ und „ämät“ sie gehören in 2 Mose 34,6 zu den Elementen des Namens Gottes, den Gott Mose für sein Volk Israel mitteilt: „Jahwe Gott: barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Gnade und Treue“. In diesem Namen wird ausgeführt, was es bedeutet, dass dieser Gott sich als Gott seines Volkes vorstellt 2 Mose 20,2.

Verwendete Literatur
Johannes Das Evangelium des Glaubens Merrill C. Tenney
Multimedia Bibel
Lutherbibel 1984
Was die Bibel lehrt Johannes (4)Kommentar-Reihe NEUES TESTAMENT John Heading,
Der Prolog des Johannesevangeliums ( Johannes 1,1-18) Joachim Jeremias
http://www.bibelstudium.de/index.php?articles/1262/Wir+haben+seine+Herrlichkeit+angeschaut

Ulrich Wilckens Das Evangelium nach Johannes


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