Johannes 1,10 Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht.Der Prolog des Johannesevangelium Teil 11

Er“   ab diesem Vers ist nicht mehr vom Licht die Rede, sondern von einer Person. Das wahre Licht ist nur im Wortausdruck ein Neutrum in Wirklichkeit ein Mensch, ein Mann 1,30. Er, das Licht, kam in die Welt, die er erschaffen hatte.
War“ schließt an das „war“ der Verse 4 und 9 an. Deshalb umschließt es das ganze Sein Jesu von dem Augenblick an, wo er den Geschöpfen das Leben vermittelte (V. 4), bis zu seinem Kommen im Fleisch. Jesus hat nicht aufgehört, das Leben zu sein – eine Aussage, die Hebräer 1,3 in die Worte fasst: Er trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort.
Das Wort für “Welt“ (Kosmos) kommt in diesem Vers dreimal vor. Bei dem Wort „Welt“ denken die biblischen Zeugen nicht an die Natur, nicht an Pflanzen, Tiere und Sterne. Das Wort Welt, das siebenundsiebzigmal im Johannes Evangelium vorkommt, ist einer der bezeichnendsten johanneischen Begriffe. In diesem Fall benennt es die materielle und geistliche Umgebung des Menschen. Das Wort ist nun von dieser Umgebung des Menschen nicht durch einen unüberwindbaren Abgrund getrennt; das Materielle und das Geistliche sind untereinander nicht kontaktunfähig wie Irrlehrer predigen. Die Innewohnung des LOGOS drückt sich ja gerade darin aus, daß es in das System des menschlichen Lebens eingetreten ist und einen aktiven Part in diesem System übernommen hat. Das Besondere daran ist allerdings auch, daß trotz dieser Verbindung von Wort und Welt keine Gleichsetzung stattgefunden hat, diese beiden Aspekte nicht identisch sind. Das Wort ist mehr als die Seele des Universums, denn im nächsten Satz heißt es: „Durch dasselbe kam die Welt ins Sein.“ Die Welt hätte nicht durch seine Mitwirkung entstehen können, wenn es nicht total unabhängig von der Welt gewesen wäre und über ihr gestanden hätte. Auch hier fällt wieder das „Er war“ auf (es bezeichnet die unendliche Dauer seiner Existenz) und das „kam“ (das sich auf die Schöpfungskrisis bezieht). Damit ist also die Transzendenz des Wortes wie auch seine Präsenz im Weltgeschehen eindeutig festgelegt.
Die zweite Satzhälfte „und die Welt ist durch ihn geworden“ erinnert noch einmal an die Schöpfungsmittlerschaft Jesu (vgl. V. 3
„aber die Welt erkannte ihn nicht“.
Das Thema des Nichterkennens Jesu durchzieht das gesamte NT. Am Kreuz sagt Jesus von denen, die ihn gekreuzigt haben: „Sie wissen nicht, was sie tun (Lk 23,34). Im Römerbrief schreibt Paulus: „Blindheit ist Israel zum Teil widerfahren“ (Röm 11,25). Und nach 1. Korinther 2,8 haben die bösen Engelmächte den Heilsplan Gottes in Jesus Christus nicht erkannt. Natürlich war Jesus aus Nazareth für sie alle kein Unbekannter! Aber seine Heilsdeutung blieb der Welt – den abgefallenen Engeln und den abgefallenen Menschen – verborgen. Es ging Jesus also so, wie es dem dreieinigen Gott nach Römer 1,19ff. ging. Nur an einer Stelle wurde Jesus als das wahre, rettende Licht erkannt: dort, wo man im Glauben in seine Nachfolge trat (vgl. Mt. 16,16ff.; Joh. 6,66ff.).
Wir dürfen nicht vergessen, dass das biblische Wort für „erkennen“ (egno, kennen) keine Verstandeslogik im griechischen Sinne meint, die »neutral« arbeitet, sondern eine aus dem praktischen Umgang und dem Vertrauen erwachsende Erkenntnis (vgl. Joh 7,17).
Das System der Welt hatte einfach kein Verständnis für das geoffenbarte Wort, sie hatten keinen Platz für dieses Wort. In den Synoptikern wird uns deutlich, daß der Großteil der Leute nur ein sehr oberflächliches Verständnis für ihn zeigte, und sogar seine eigenen Jünger verstanden nicht ganz seine Worte, seine Persönlichkeit und seinen Auftrag. Diese Ignoranz wurde zur Basis des Konfliktes: Was die Welt nämlich nicht verstand, lehnte sie ab, und aus Verwerfung wurde Haß.
Das Westminster Glaubensbekenntnis beginnt mit den Worten. „Das Licht der Natur und die Werke der Schöpfung und Vorsehung offenbaren bis auf den heutigen Tag die Güte, Weisheit und Macht Gottes, so dag die Menschen es erkennen sollten.“


Verwendete Literatur
Johannes Das Evangelium des Glaubens Merrill C. Tenney,

Multimedia Bibel,

Kommentar zu dem Evangelium des Johannes Frédéric Godet,

Lutherbibel 1984
Was die Bibel lehrt Johannes (4)Kommentar-Reihe NEUES TESTAMENT John Heading,

Das Evangelium des Johannes 1.Teil erklärt von Werner de Boor,

http://www.sinnvoll-leben.de/home/predev.htm

William Barclay Johannesevangelium Band 1
http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_04_Buecher_43.pdf

Schreibe einen Kommentar