Freundschaft in der Postmoderne!?

Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen. Nicht nur, dass wir für unser irdisches Überleben auf zahllose andere Menschen angewiesen sind, die uns mit Nahrung, Medizin und Wissen versorgen; wir brauchen Gemeinschaft auch rein seelisch. Menschen, die lange vollkommen allein und zurückgezogen leben werden häufig seltsam oder depressiv. In gewisser Weise hilft es schon, andere Menschen einfach zu sehen oder ihnen im Alltag zu begegnen. Eigentlich aber sucht jeder nach Personen, die sich wirklich für einen interessieren, nach echten Freunden.
Christen haben in dieser Angelegenheit einen doppelten Vorteil. Zum einen wissen sie, dass sie nie wirklich verlassen und allein sind, weil Jesus Christus versprochen hat, immer bei ihnen zu sein. Zum anderen haben sie eine große, weltweite Familie von geistlichen Geschwistern. Und wenn es auch schon einmal Stress in dieser Familie gibt, weil man sich eben doch nicht nur liebt, so gehört man doch irgendwie zusammen. Viele erfahren dass, wenn sie neu an einen Ort ziehen oder wenn sie in einem fremden Land plötzlich auf Glaubensgeschwister stoßen. Ziemlich schnell hat man einen gemeinsamen Draht und versteht sich irgendwie.
In den von der Postmoderne gezeichneten Staaten des Westens hingegen wollen viele Menschen vollkommen ungebunden und individualistisch sein. Gleichzeitig sehnen sich aber auch diese Menschen nach Gemeinschaft, selbst dann, wenn sie offensichtlich künstlich ist.
Seit 2003 werden in den USA über Internet „imaginäre Freundschaften“ angeboten. Je nach Preisklasse bekommt man Mails, SMS, Postkarten, Bilder oder sogar Anrufe seiner „neuen Freundin“. Viele halten dieses Programm für besser, als gar keine Beziehungen zu haben. Für 50 Dollar im Monat bekommt man eine ganze Reihe von elektronischen Nachrichten aufs Handy. Für 14,99 Dollar schickt einem die künstliche Freundin eine Schachtel Pralinen oder Ähnliches nach Hause. Am Ende der Vertragszeit wird man von freundlich gefragt, ob man es denn noch einmal miteinander versuchen soll, oder ob man sich als gute Bekannte voneinander trennt.
Ein japanischer Anbieter offeriert Anrufe und Nachrichten auf dem Smartphone. Meldet man sich bei der virtuellen Freundin aber zu selten oder verweigert man ihr kleine, natürlich kostenpflichtige Geschenke, schweigt sie oder schickt beleidigte Mails.
Diese Angebote sollen nicht nur dem Abonnenten eine persönliche Freundschaft vorgaukeln, sondern auch Kollegen oder Nachbarn, die man gelegentlich einen Blick auf eine der Nachrichten werfen lassen kann.
Über das reale Alter und Geschlecht der imaginären Freunde erfährt der Nutzer natürlich nichts. Das könnte der schönen Illusion ja auch erheblich schaden.
Auch in Deutschland sind sogenannte Single- Tapeten erhältlich, auf der wahlweise ein Mann oder eine Frau sitzt und den Bewohner anlächelt. Es wird damit geworben, dass diese Mitbewohner „jederzeit verfügbar sind, aber kein schmutziges Geschirr herumstehen lassen oder wegen des Fernsehprogramms streiten“. Für 6,99 Dollar kann man in den USA die CD „Amazing Instant Mate“ kaufen. Sobald man nach Hause kommt empfängt einen der Pseudo- Lebensgefährte mit netten Worten wie: „Hallo Schatz, wie war dein Tag?“ oder „Ich bin so froh, dass du wieder da bist.“ Während man den Mantel aufhängt und dass Essen in die Mikrowelle stellt bekommt man zu hören: „Du bist das Beste, was mir jemals passiert ist.“ Oder „Willst du eine Fußmassage?“. Sogar für das Bett kann man ein lebensgroßes Kissen mit verschiedenen Schauspielerporträts kaufen, um sich nachts an ihnen zu kuscheln. Für etwas mehr Geld flüstern sie einem dann vor dem Einschlafen auch noch ein paar nette Worte ins Ohr.
Partnerschaft und Freundschaft wie Gott sie sich denkt kann durch solche Angebote natürlich nicht ersetzt werden. Irgendwie bleibt der Nutzer dabei innerlich leer zurück. Gott kann echte Freunde schenken, die wirklich an einem interessiert sind. Er kann auch helfen die Schwierigkeiten zu bewältigen, die häufig in echten Beziehungen auftreten. Der innigste und vertrauteste Freund für den Gläubigen aber ist Jesus Christus, der jeden Menschen unendlich liebt und ihn besser versteht als er sich selbst. Michae Kotsch