Eine kapitalistische Lösung

Das Thema Flüchtlinge und Migration lässt die Deutschen nicht in Ruhe. Nicht zuletzt der Bilderstrom von Schwarzafrikanern auf Schlauchbooten im Mittelmeer sorgt dafür. Wohl an die zweitausend von ihnen sind in diesem Jahr bisher vor der libyschen Küste ertrunken. Die Regierungen von Malta und Italien wehren sich aber immer stärker gegen die Neuaufnahme von Geretteten. Der deutsche Kapitän des Flüchtlingshilfsschiffes „Lifeline“, der in Malta vor Gericht steht, empörte sich: „Was ist das für eine Welt, in der die Retter zu Tätern gemacht werden? Was ist das für eine Welt, in der stärker gegen das Retten als gegen das Sterben vorgegangen wird?“ Und an die Politik gerichtet: „Die EU nimmt das Sterben aus politischen Gründen in Kauf. Das ist widerlich.“
Als widerlichster Politiker der Bundesrepublik gilt zurzeit wohl der Innenminister, gegen ihn und seine Partei gingen kürzlich in München (!) Zehntausende auf die Straße. Oppositionspolitiker wie Sahra Wagenknecht hauen gerne weiter in die Kerbe: „So schön es auch ist, wie die Welt angesichts der in Thailand festsitzenden Jugendlichen zusammenrückt – So traurig ist es, mit welcher Gleichgültigkeit Europa den toten Kindern vor den eigenen Grenzen begegnet. Auf dem Mittelmeer ertrinken täglich Menschen, unter ihnen viele Kinder und Jugendliche. Die Gleichgültigkeit, die sie erfahren, ist erschreckend.“
Die Krise hat natürlich auch die Kirchen auf den Plan gerufen. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, reiste in diesem Monat in die Gegend südlich von Sizilien und machte sich selbst ein Bild von den privaten Rettungsinitiativen. Auch in seinen Statements mangelt es nicht an kategorischen Forderungen: „Solange es so ist, dass Menschen mit Booten flüchten, müssen wir dafür sorgen, dass diese nicht zu Tode kommen“; das „tausendfache Sterben an der südlichen Grenze Europas“ müsse beendet werden; eine „staatliche europäische Seenotrettung“ muss aufgebaut werden.  Die Politik im Allgemeinen muss sich „neben der Bekämpfung von Fluchtursachen mit sicheren Fluchtrouten befassen“; „Als Friedensnobelpreisträgerin muss die EU hier ihren Beitrag leisten“. So viel Unbedingtheit gab es lange nicht.
Der EKD-Präses Bischof Heinrich Bedford-Strom kommentierte am 19. Juli auf Facebook die Reise seines Kollegen: „Hinter den Kreuzen, die in dem Video bei der Andacht im Hafen sichtbar sind, stehen konkrete Geschichten von Menschen, die ihr Leben verloren haben. Bei den Kindern ist die Vorstellung besonders schwer erträglich. Das dürfen wir nicht hinnehmen. Die Frage, die wir den politisch Verantwortlichen stellen müssen, ist: Was tun sie konkret, um das Sterben zu verhindern? Wenn es darauf keine überzeugende Antwort gibt, und das ist mein Stand, ist die Behinderung der zivilen Seenotretter unverantwortlich…“
http://lahayne.lt/2018/07/26/eine-kapitalistische-losung/