Problem der modernen Theologie

„Obwohl ihre Position also auf einem kritisch-liberalen Schriftverständnis beruht, ist doch das eigentliche Problem der modernen Theologie nicht ihr Bibelverständnis, sondern ihr Konzept der zweigeteilten Wahrheit.“ S. 58
„Die moderne Theologie (Neo-Orthodoxie, D.J.) bedient sich jedoch gewisser religiöser Wörter, die den Zuhörer an Persönlichkeit und einen festen Inhalt denken lassen. Tatsächlich herrscht aber keine wirkliche Kommunikation, sondern lediglich die Illusion einer Kommunikation, indem Wörter mit einem weiten Bedeutungshorizont gewählt werden. Der Inhalt des unaussprechlichen existentiellen Grenzerlebnisses wird mit Hilfe von assoziationsbeladenen religiösen Wörtern nur scheinbar mitgeteilt.“ S. 61
„Am besten lässt sich die Konzeption der modernen Theologie als ‚Glaube an den Glauben‘ beschreiben, im Gegensatz zu einem Glauben an ein tatsächlich vorhandenes Gegenüber.“ S. 67
„In der modernen Theologie dagegen ist der Glaube nach innen gekehrt, denn er hat kein festes Gegenüber, und die Verkündigung unangreifbar, denn sie kann nicht rational diskutiert werden.“ S. 68
„Es gibt keinen grundlegenden Unterschied zwischen Heideggers weltlichem Mystizismus und dem Mystizismus der modernen Theologie.“ S. 76
„Bei näherer Betrachtung kann man die Theologen des oberen Bereichs entweder als Atheisten im klassischen Sinne oder als Pantheisten bezeichnen, das hängt nur von der Perspektive ab. Auch ihr Gott ist tot.“ S. 88
„Den einzigen Ausweg aus ihrem Dilemma bildet die Rückkehr zur Methodologie der Antithese. Ohne diesen Schritt geht alles Reden über die leibliche Auferstehung Christi am Kern des Problems vorbei.“ S. 89
„Dennoch werden die Theologen ihre hoffnungslosen Versuche bestimmt weiter fortsetzen, denn einerseits ist der Zwiespalt unerträglich, sie müssen ihn aber auch aufrecht erhalten, weil die Zweiteilung der Wahrheit die Grundlage der modernen Theologie ist.“ S. 91
„Inzwischen dürfte klar sein, dass Christentum und moderne Theologie lediglich in einer gemeinsamen Terminologie übereinstimmen – und selbst diese ist mit verschiedenen Inhalten gefüllt.“ S. 110
„Wer die ersten drei Kapitel der Bibel ablehnt, der kann weder eine wahrhaft christliche Position vertreten, noch die Lösung des Christentums verkünden.“ S. 116
„Der Christ ist der eigentliche Revolutionär unserer Generation, denn er widersetzt sich der monolithischen modernen Auffassung, nach der alle Wahrheit relativ ist – wir glauben an die Einheit der Wahrheit.“ S. 120
„Der moderne Mensch muss sich die Frage gefallen lassen, ob er die Antwort des Christentums nicht deshalb ablehnt oder einfach übergeht, weil er bereits in blindem Glauben die Denkvoraussetzung der Naturkausalität in einem geschlossenen System übernommen hat.“ S. 125
„Da nun das Christentum die Wahrheit verkündet über das, was wirklich da ist, bedeutet seine Ablehnung aufgrund eines anderen philosophischen Systems eine Entfernung von der wirklichen Welt.“ S. 135
„Der christliche Glaube ruht auf zwei Eckpfeilern: Der Wirklichkeit der Existenz Gottes, also der Tatsache, dass er da ist, und der Einsicht, dass das Dilemma des Menschen moralisch und nicht metaphysisch begründet ist.“ S. 149
„Das Denken geht dem Glauben voraus. Nur so verstehen wir die Bibel richtig. Wenn wir erklären, dass nur der Glaube, der aufgrund von Erkenntnis an Gott glaubt, wahrer Glaube ist, so sagen wir etwas, das in der Welt des zwanzigsten Jahrhunderts wie eine Explosion wirkt.“ S. 159
„Die Bibel, die historischen Glaubensbekenntnisse und die Orthodoxie sind deshalb wichtig, weil Gott da ist; diese Tatsache verleiht ihnen letztlich erst ihre Wichtigkeit.“ S. 162
„Christliche Wahrheit gründet sich also auf das, was existiert – und letztlich auf den Gott, der existiert. Dann bedeutet wahres geistliches Leben, das rechte Verhältnis zu dem Gott haben, der wirklich da ist – zunächst im einmaligen Akt der Rechtfertigung, dann im Erleben dieses Verhältnisses als fortwährende existentielle Realität. Das meint die Bibel mit wahrem geistlichem Leben – eine andauernde existentielle Beziehung zu dem Gott, der existiert.“ S. 163
Der Sinn des Lebens: „Dieser besteht nicht in der Rechtfertigung, sondern in der Wiederherstellung unserer persönlichen Beziehung zu einem persönlichen Gott, die wir erlangen, wenn wir Christus als unseren Erlöser annehmen.“ S. 174
Francis A. Schaeffer, Gott ist keine Illusion: Ausrichtung der historischen christlichen Botschaft an das zwanzigste Jahrhundert (Originaltitel: The God who is there), Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1984.