„Ich bin kein Heiliger“

Was verbindet Silvio Berlusconi, Franz Josef Strauß, Jon Bon Jovi und Angelina Jolie miteinander? Sie alle sagten in einem Interview schon einmal den Satz „Ich bin kein Heiliger“, bzw. „Ich bin keine Heilige“.
Was heißt das eigentlich, „heilig“, was ist damit gemeint? Wer wissen möchte, wie heutzutage in Deutschland über Heiligkeit gedacht wird, braucht sich eigentlich nur die Berichterstattung über den Bundespräsidenten anzuschauen.
An dem Tag, an dem Christian Wulff als Bundespräsident zurücktrat, sagte ein Politiker: „Wir brauchen keinen Heiligen im Schloss Bellevue, sondern einen, der sich an Recht und Gesetz hält.“
Einige Wochen vorher hatte der Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse schon gesagt: „Man darf von Politikern nicht verlangen, dass sie unfehlbare Menschen, also Heilige sind. Aber man kann und soll von ihnen erwarten, dass sie sich an Regeln und Gesetze halten“.
Von dem ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck hörte man immer wieder Stimmen, die die übergroßen, vielleicht sogar übersteigerten Erwartungen an ihn zu mäßigen versuchten. Der ehemalige Politiker Rainer Eppelmann sagte beispielsweise: „Auch die, die politische Verantwortung übernehmen in unserem Land – bis hin zum Bundespräsidenten, sind keine Heiligen, sondern auch nur Menschen mit Fehlern, mit Schwächen, (…). Ich bin sicher, all das hat auch Joachim Gauck.“
Interessant und viel sagend ist, dass verschiedene Medien die Selbstaussage Gaucks „Ich bin kein Supermann, kein fehlerfreier Mensch“, kurz nachdem er als Bundespräsident vorgeschlagen wurde, mit den Worten „Ich bin kein Heiliger“ zusammenfassten.
Es scheint so zu sein: Nach dem alltäglichen Sprachgebrauch – offensichtlich geprägt durch die katholische Tradition der Heiligsprechung – ist Heilig-Sein mehr als sich an Recht und Gesetz halten. Heilig-Sein geht darüber hinaus, es heißt unfehlbar sein, es heißt keine Fehler und Schwächen haben, es heißt ein Supermann sein – und das muss man nicht sein den zitierten Stimmen zufolge, zumindest nicht als Bundespräsident.
„Ich bin nun mal kein Heiliger“, sagen Menschen über sich. „Ihr braucht keine Heiligen zu sein“, sagen Menschen zu anderen Menschen.
Und doch! Ihr solltet es sein! – insofern ihr euch als Christen versteht.
„Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig“ – so spricht Gott zum Volk Israel im Buch Levitikus. Der 1. Brief des Apostels Petrus wiederholt diese Aussage Gottes. „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.“
Damit ist nun aber nicht gemeint: Ihr sollt fehlerfreie Menschen sein. Da wäre Petrus, oder als der Autor des Briefes, der diesen Namen trägt, wohl der Letzte, dies von Menschen einzufordern: fehlerfreie Supermenschen zu sein. Da weiß er doch selber nur zu gut um seine Fehler – und vor allem um ihre Vergebung bei Gott.
Als Jesus gefangen genommen und die Situation sehr brenzlig wurde, sagte Petrus, dass er Jesus nicht kenne – Jesus, seinen Freund und Meister. Er verleugnete ihn dreimal hintereinander. Aus Angst?
„Die biblischen Autoren bezeichnen die Glaubenden immer wieder mit‚heilig‘. Wobei sie sicher nicht meinen, dass da alles makel- und fehlerlos sei bei den Christen.“
Petrus und alle, Schreiber der Bibel, sind die Letzten, die fehlerfreie Supermenschen einfordern und die Ersten, die wissen, dass Menschen Menschen sind und bleiben, immer auch fehlerhaft, immer auch irgendwie ängstlich, verzagt, träge, egoistisch, hochmütig, aggressiv, starrsinnig und so weiter – und damit dauerhaft auf Gott und sein großes Herz angewiesen, der Einsicht schenkt, und Umkehr, und Vergebung der Sünden.
Aber wie ist Heiligkeit im biblischen Sinne denn zu verstehen? Was sind heilige Christen gemäß der Bibel?
Antwort: Das Wort Heiliger stammt vom griechischen Wort „hagios“ ab, was soviel wie „gottgeweiht, heilig, sakral, fromm“ bedeutet. Es wird meistens in der Mehrzahl benutzt, „Heilige“. „…Herr, ich habe von vielen über diesen Mann gehört, wie viel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem getan hat“ (Apostelgeschichte 9:13). „Es geschah aber, als Petrus, indem er überall hindurchzog, auch zu den Heiligen hinabkam, die zu Lydda wohnten“ (Apostelgeschichte 9:32). „…was ich auch in Jerusalem getan habe; und viele der Heiligen habe ich in Gefängnisse eingeschlossen…“ (Apostelgeschichte 26:10). Es gibt nur einen Fall, wo das Wort in der Einzahl benutzt wird, „ Grüßt jeden Heiligen in Christus Jesus!“ (Philipper 4:21). In der Schrift wird das Wort „Heilige“ in der Mehrzahl 67 mal benutzt, wo hingegen die Einzahl nur einmal gebraucht wird. Aber sogar in diesem einen Fall ist die Mehrzahl der Heiligen in Sicht „…jeden Heiligen…“ (Philipper 4:21).
Der Gedanke des Wortes „Heilige“ ist eine Gruppe von Menschen die für den Herrn und Sein Königreich ausgezeichnet sind. Es gibt drei Referenzen, die vom frommen Charakter eines Heiligen berichten; „…damit ihr sie im Herrn aufnehmt, der Heiligen würdig…“ (Römer 16:2). „…zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi…“ (Epheser 4:12). „Unzucht aber und alle Unreinheit oder Habsucht sollen nicht einmal unter euch genannt werden, wie es Heiligen geziemt…“ (Epheser 5:3).
Deshalb sind, biblisch gesprochen, die „Heiligen“ der Leib Christi, Christen, die Gemeinde. Alle Christen werden als Heilige angesehen. Alle Christen sind Heilige…und gleichzeitig dazu berufen, geheiligt zu sein. Im 1. Korintherbrief 1:2 wird es klar ausgedrückt, „ ..an die Gemeinde Gottes, die in Korinth ist, den Geheiligten in Christus Jesus, den berufenen Heiligen…“ Die Wörter „geheiligt“ und „heilig“ kommen vom selben griechischen Stammwort wie das Wort, das üblicherweise als „Heilige“ übersetzt wird. Christen sind Heilige kraft ihrer Verbindung mit Jesus Christus. Christen sollen heilig sein, und in zunehmendem Maße ihrem täglichen Leben ihre Position in Christus anpassen. Dies ist die biblische Beschreibung und Berufung der Heiligen.