Franz von Assisi über das richtige Leben seiner Mitarbeiter

(Natürlich ist nicht alles was Franz von Assisi getan und gedacht hat immer ganz im Einklang mit der Bibel. Angesichts einer spektakuläre Phänomene, Gesundheit und gute Gefühle liebenden Christenheit sind diese Worte aber durchaus bedenkenswert.)

„Wenn auch meine Brüder auf der ganzen Erde ein gutes Beispiel großer Herrlichkeit und Erbauung geben: Dann ist darin nicht die vollkommene Freude.

Und wenn ein Bruder Blinde erleuchte, Verwachsene streckte, Dämonen austriebe, Tauben ihr Gehör, Lahmen ihren Schritt, Stummen das Wort wiedergäbe und einen vier Tage lang Toten erweckte: Da ist nicht die vollkommene Freude.

Und wenn ein Bruder die Sprachen aller Völker und aller Wissenschaften wüsste, so dass er prophezeien und offenbaren könnte, nicht nur das Zukünftige, sondern auch das innere Wissen der anderen: Da ist nicht vollkommene Freude.
Wenn ein Bruder in Engelszungen redete und Sternenlauf und Kräuterkraft wüsste und alle Schätze der Erde ihm enthüllt wären, und wenn er die Kräfte und Eigenschaften von Vogel und Fisch, Tier und Mensch, Wurzel und Stein, von Baum und Wasser kennen würde: Da ist nicht die vollkommene Freude.
Und könnte ein Bruder so erhaben predigen, dass er alle Ungläubigen und Gläubigen bekehrte: Da ist nicht die vollkommene Freude. […]

Wenn ein Bruder an der Pforte eines Klosters klopfen würden und sie würden ihn mit heftigen Ohrfeigen vertreiben und man würde ihm hinterherrufen: Mach dich fort von hier du elender Lump! Wer du auch bist, hier bekommst du gewiss nichts zu essen. Wenn der Bruder das dann ganz geduldig hinnimmt und die Kränkung von ganzem Herzen in Liebe vergibt: Da ist die vollkommene Freude.

Wenn ein Bruder niedergeschlagen unter Schmerzen und Hunger wieder an der Klosterpforte klopft und unter Tränen fleht, dass man ihm öffnet und ihm dann empört entgegengehalten wird: Du bist wohl ein ganz unverschämter Mensch. Und dann käme ein Mönch mit einem Knüppel heraus, wirft ihn zu Boden in den Dreck und prügelt heftig auf ihn ein. Wenn der Bruder diese Kränkungen und Schläge mit Vergnügen erträgt, daran denkend, dass er nicht schlechter behandelt wird als Jesus währende seiner Zeit auf der Erde: Da ist die vollkommene Freude.
Unter allen Gaben des Heiligen Geistes die Christus seinen Nachfolgern verheißen hat, ist es die höchste, um Gottes Willen zu leiden.“ Michael Kotsch