Die Bergpredigt

„Die „Bergpredigt“ ist vielleicht der am weitesten bekannte Teil der Lehren Jesu, obwohl er wohl auch der ist, der am wenigsten verstanden wird – und ganz bestimmt der, dem am wenigsten Gehorsam geschenkt wird. Unter den gesamten Lehren Jesu ist die Bergpredigt wohl der Teil, der einem Regierungsprogramm am nächsten ist. Und es gibt wohl keinen Begriff, der ihre Absicht besser zusammenfasst und ihre Kampfansage an die heutige Gesellschaft klarer erkennen lässt, als der Ausdruck ‚christliche Gegenkultur.‘
Insoweit als die Gemeinde Christi sich heute an die Welt angepasst hat und die beiden Gemeinschaften – Welt und Gemeinde – nur noch als zwei Ausführungen der selben Sache erscheinen, widerspricht die Gemeinde ihrer wahren Identität. Es gibt wohl kaum eine Bemerkung, die einen treuen Christen mehr schmerzen könnte, als die Feststellung eines Weltmenschen: ‚Ihr seid ja gar nicht anders als wir.‘
Die Nachfolger Jesu sind aber dazu bestimmt, anders zu sein – sowohl anders als die Volkskirchen und -gemeinden als auch anders wie die säkulare Welt, sowohl anders als die Religiösen als auch anders als die Ungläubigen.
Die Bergpredigt ist dazu die vollständigste Skizzierung der christlichen Gegenkultur, die wir im NT haben. In ihr finden wir ein christliches Wertesystem, ethische Standards, fromme Hingabe, die christlichen Haltungen und Prinzipien zu Geld, Ehrgeiz, Life-Style und zum Netzwerk unserer Beziehungen. Alle dazu gemachten Aussagen und Lehren sind im völligen Widerspruch mit den Prinzipien und Normen der nichtchristlichen Welt. Die christliche Gegenkultur ist das Leben des Reiches Gottes – tatsächlich ein ganz menschliches Leben, aber ausgelebt unter göttlicher Regierung.“ John Stott, The Message of the Sermon on the Mount, IVP 1978