Es wurde über Lothar Matthäus gepredigt

Verwaltungsgericht in Kassel, 9. Januar, Verhandlung in einem Asylverfahren.
Es geht um die Aufenthaltsgenehmigung eines Iraners, der zum christlichen Glauben konvertiert ist. Wir nennen ihn Malik. Der Richter will wissen, was am Sonntag in der Kirche gepredigt worden ist. Maliks Antwort wird übersetzt:„ Von Lothar Matthäus.“ Das Gelächter im Gerichtssaal will kein Ende nehmen, erst recht nicht, als der Richter nachhakt und fragt, ob Matthäus eine neue Stelle als Trainer oder eine neue Freundin gefunden habe. Beim Iraner ist damit die Verwirrung perfekt. Es braucht viel Klärung, bis sich herausstellt, dass der Dolmetscher falsch übersetzt und Malik von „Luther und Matthäus“ gesprochen hat. Versehentlich hat der Übersetzer aus dem Reformator Luther und dem Evangelisten Matthäus den Fußballer Lothar Matthäus gemacht.
Was wie ein guter Witz klingt, kann einen Menschen in Gefahr bringen. Bei Anhörungen von Asyl­suchenden, die sich wegen ihres Glaubens in der Heimat als verfolgt sehen, dürfte es immer wieder zu solchen Missverständnissen kommen. In Deutschland müssen die Beamten des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) herausfinden, wie es um den Glauben der Konvertiten bestellt ist. Insider wie der Berliner Pfarrer Gottfried Martens berichten allerdings von „haarsträubenden Wissenslücken bei Befragern und Übersetzern“, wenn es um den christlichen Glauben geht. Wie gut kennen sie die Materie, die sie abfragen? Ein abgewiesenes Gesuch kann für einen iranischen Christen eine lange Haftstrafe oder sogar das Todesurteil bedeuten. Das BAMF erklärt, man wolle herausfinden, wie intensiv der Betreffende – sollte er zurückkehren – seine Überzeugung in seiner Heimat ausleben werde. Davon hänge es ab, ob für ihn eine tatsächliche Gefahr bestehe oder nicht. Lothar Matthäus? Mir bleibt das Lachen im Halse stecken. Rolf Hoeneisen
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