Charles Manson – Ende einer satanistischen Selbstinszenierung

Ende der 1960er Jahre sorgte er mit mehreren grausamen Morden für den spektakulärsten Prozess seiner Zeit. Jetzt ist er tot, der selbsternannte Herrscher der Welt.
Am 19.November 2017 starb Charles Manson mit 83 Jahren in einem kalifornischen Gefängniskrankenhaus. Vielen galt der kriminelle Sektenführer als Inkarnation des Bösen schlechthin. Auf der anderen Seite hatte er auch nicht wenige Fans, die ihn für seine morbide Inszenierung liebten. Jahr für Jahr erhielt er tausende von Briefen und Autogrammanfragen. Zahlreiche Frauen baten Manson sie zu heiraten. 2014 wäre es auch fast dazu gekommen. Manson erhielt eine Genehmigung, die 26-jährige Afton Elaine Burton zu heiraten. Seine publicitysüchtige Fast-Ehefrau forderte jedoch freie Verfügungsgewalt über Mansons Körper nach dessen Tod. Mit ihrer Rolle als Frau Manson und der Ausstellung seiner Leiche wollte sie Geld verdienen und langfristig in die Medien kommen. Manson verzichtet schließlich auf diese Eheschließung.
Aufgewachsen ist der 1934 geborene Manson in zerrütteten Verhältnissen. Sein Vater blieb unbekannt, seine Mutter war eine Alkoholikerin, die schon bald nach Mansons Geburt eine zehnjährige Haftstrafe wegen bewaffneten Raubüberfalls absitzen musste. Daraufhin wurde der unerwünschte Junge von einem Verwandten zum anderen gereicht.
Bereits mit 16 Jahren kam Manson zum ersten Mal ins Gefängnis. Dort wurde er immer wieder homosexuell vergewaltigt und setzte seine eigenen Gewaltphantasien um. Bis 1967 folgten weitere Verurteilungen wegen Körperverletzung, Diebstahl und Zuhälterei.
Begeistert vom ungeregelten Leben der Hippies zog Manson nach San Francisco. Dort gründete er seine eigene Kommune, seine Family, der insbesondere junge Frauen mit heller Haut und rötlichen Haaren angehörten, die ebenfalls aus schwierigen Verhältnissen stammten. Seine Anhängerinnen band Manson mit charismatischen Reden, Druck, Gruppensex und Drogen an sich. Unter seiner Leitung wollte die Gruppe in der Musikbrache Karriere machen und möglichst schnell berühmt werden. Als das nicht so lief, wie man sich das erträumte, begann die Kommune ihren Lebensunterhalt auf kriminelle Art zusammenzubringen. Selbst die kurzzeitige Freundschaft mit Dennis Wilson, Mitglied der damals angesagten, amerikanischen Band The Beach Boys, brachte nicht den gewünschten Erfolg.
Immer stärker inszenierte sich Manson als okkulter Sektenführer und zukünftiger Weltherrscher. Für 1969 prophezeite er einen ultimativen Rassenkrieg, in dem die Schwarzen nach blutigen Massenmorden den Sieg davontrügen. Absolut sicher seien nur diejenigen, die sich unter seiner Führung ins Tal des Todes zurückziehen würden. Weil die Schwarzen aufgrund der „sklavischen Natur ihrer Rasse“ unfähig dazu wären, sich selbst zu führen, würden sie schließlich Jesus und die Beatles als neue Weltregierung einsetzen. Ganz unbescheiden betrachtete Manson sich selbst als menschgewordene Wiedergeburt Jesu und gleichzeitig des Satans. Als sich der prognostizierte Rassenkrieg nicht so entwickelte wie gedacht, half er selbst ein bisschen nach, um die Gewalt zwischen Weiß und Schwarz zu schüren.
Daraufhin inszenierte Manson mit seiner Family mehrere grausame Morde an Weißen, die Afroamerikanern in die Schuhe geschoben werden sollten. Um diese Entwicklung zu beschleunigen hinterließen die Mörder Indizien vom Tatort in schwarzen Wohnquartieren. Manson hoffte auf Übergriffe gegen Afroamerikaner aufgrund seiner Morde, die dann wiederum zu vermehrter schwarzer Gewalt führen sollten.
Einen ersten Mord beging die Gruppe an dem befreundeten Musiklehrer Gary Hinman (Juli 1969). Nur wenige Tage später drang die Family in das Haus des damals bekannten Regisseurs Roman Polański ein. Dort wurden dessen hochschwangere Frau, die Schauspielerin Sharon Tate und vier ihrer Freunde ermordet. Besondere Aufmerksamkeit erlangte diese Tat durch Polańskis kurz vorher abgeschlossenen Horor- Film „Rosemaries Baby“, in dem die Titelheldin ein Kind des Teufels austrägt. Einen Tag darauf ermordete Mansons Gruppe Leno und Rosemary LaBianca, den wohlhabenden Besitzer mehrerer Supermärkte und Boutiquen mit seiner Frau. Als nächsten brachte man den befreundeten Stuntman Donald „Shorty“ Shea ums Leben, weil man befürchtete er könne die Family verraten. An den verschiedenen Tatorten schlitzte man die Opfer auf, verstümmelte sie und schrieb mit deren Blut Worte wie „Schweine“ an die Wände. – Trotz aller Provokation blieb der erhoffte Rassenkrieg jedoch aus.
Zwei Monate später wurde Mansons Truppe mehr durch Zufall verhaftet, weil sie eine Straßenbaumaschine gestohlen hatten und verkaufen wollten. In der Untersuchungshaft brannte sich Manson gut sichtbar ein Hakenkreuz in die Stirn und bezeichnete in Interviews Hitler wegen seiner rassistischen Ideologie und seiner Vernichtung der Juden als großes Vorbild.
Im März 1971 wurden Manson und drei weitere an den Morden beteiligte Mitglieder der Family zur Todesstrafe verurteilt. Nach der vorübergehenden Abschaffung der Todesstrafe in Kalifornien (1972) wurde das Urteil in lebenslange Haft umgewandelt. Zweimal versuchten Mithäftlinge in den folgenden Jahren vergeblich Manson zu ermorden. In Interviews kokettierte er bis zum bitteren Ende mit seiner rassistischen Ideologie und seiner religiösen Rolle als Vertreter des Satans. Wirkliche Reue über seine blutigen Morde zeigte Manson nicht.
Nun ist er tot, der selbsternannte Messias und okkulte Möchtegern- Weltherrscher, der die Alpträume einer ganzen Generation bevölkerte. Zweifellos war er auch eine tragische Figur. Nie verbrachte Manson längere Zeit in Freiheit. Nach einem schlechten Start ins Leben wandte er sich ganz bewusst einem Leben mit Gewalt, Gesetzlosigkeit, schneller Lustbefriedigung und der grenzenloser Provokation zu. Nun ist es zu spät für ihn, der lange schon nur noch als Relikt seines eigenen Wahnsinns existierte und das als Lebenssinn verstand.
Es ist erstaunlich, wie man ein so langes und gesundes Leben so gründlich verpfuschen kann. Doch auch für einen Charles Manson hätte es bei Gott Vergebung und einen Neuanfang gegeben, wäre er dazu bereit gewesen. Zweifellos wird Manson aufgrund seiner Taten in der breiten Öffentlichkeit noch länger unvergessen bleiben; doch wirklich lohnend war sein Leben ganz sicher nicht. – Jesus Christus jedenfalls begegnet dem tödlichen Rassenhass als Friedensstifter und dem satanischen Weltführer als ultimativer Segensbringer.
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