Schon bald ist das Leben vorbei

Vor wenigen Tagen starb Emma Morano aus Pallanza am Lago Maggiore. Ich kannte sie nicht, weshalb sich meine Trauer in Grenzen hält. Und überhaupt hatte sie nicht viele Freude, zumindest nicht mehr. Bekannt geworden ist sie in erster Linie aufgrund ihres Alters. Für rund ein Jahr war die 1899 geborene Italienerin der älteste lebende Mensch der Welt. Ein besonderes Rezept fürs Älterwerden kannte sie nicht. Weder aß sie nur vegetarisch noch betrieb sie außerordentlich viel Sport. Ihr Leben war eher hart und von schmerzhaften Einschnitten gekennzeichnet. Ihr erstes Kind starb schon nach wenigen Monaten. Ihr Mann schlug sie regelmäßig, ehe sie sich von ihm trennte. Sie wuchs auf in einer Zeit der Monarchien, lange vor dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg, der ersten Mondlandung und der Erfindung des Computers. Nun ist sie tot.
Sterben muss jeder! Das gehört bekanntlich zu den Dingen, die absolut sicher sind. Allerdings sind die wenigsten Menschen wirklich auf ihr Ende vorbereitet. Die meisten versuchen jeden Gedanken an ihre eigene Sterblichkeit möglichst effektiv zu verdrängen. Sie denken an Personen, die noch viel älter sind als sie. Sie machen detaillierte Pläne für die weitere Zukunft, als ob das auch deren Umsetzung garantieren würde. Mit jedem Jahr ernähren sich gesünder und verwenden immer mehr Stunden ihres Lebens auf Sport und Arztbesuche. Sie vermeiden Berührungen mit dem Thema Tod und mit leidenden, sterbenden Menschen. – Verdrängung oder Flucht sind in Hinsicht auf den Tod aber keine wirklich weiterführenden Reaktionen.
Tatsächlich ist der Tod kein punktuelles Ereignis, sondern ein Prozess. Für manche beginnt das Jahre vor dem eigentlichen Ende. Andere sind zwar lange körperlich fit, geistig aber lange schon nicht mehr von dieser Welt. In gewisser Weise beginnt der Tod bereits mit der Geburt, spätestens jedoch mit der deutlichen Verlangsamung der biologischen Erneuerungsprozesse ab dem 20.Lebensjahr. Wenn dann irgendwann das Herz stehenbleibt, dauert es noch Stunden ehe der ganze Körper wirklich tot ist.
Der Tod ist unheimlich, weil er einen einzigartigen Einschnitt bildet und unumkehrbar ist. Auch der Trost antiker Philosophen, dass man vom Tod keine Angst haben müsse, weil man ja nicht mehr da sei, wenn von einem Besitz ergreife, kann nicht wirklich trösten. – Sterben ist schwierig, zweifellos. Meistens ist es mit Schmerzen, Verlust und Ungewissheit verbunden. Vieles für das man gelebt und gekämpft hat wird spätestens jetzt weitgehend bedeutungslos. Dazu kommt häufig die Ungewissheit ob und wenn ja, wie es nach dem Tod weitergeht.
Christen wissen, dass mit dem Tod nicht alles zuende ist, sondern dass sie schlussendlich die Ewigkeit bei Gott verbringen werden. Das ist eine durchaus schöne Perspektive. Für Christen ist der Tod keine Strafe, sondern eigentlich der Übergang in eine bessere Welt, ohne Alter, Krankheit, Egoismus, Betrug, Gier und Leid. – Wer bisher dem Tod nur auszuweichen versuchte, sollte sich Zeit nehmen, ernsthaft über Leben und Tod nachzudenken, sowie sich den biblischen Informationen über eine nachirdischen Existenz und ein göttliches Gericht zu stellen.
„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Psalm 90, 12)  Michael Kotsch