Die verratene Reformation – GOTTES Wort und Luther`s Lehr` verneint man heute immer mehr

Das Gerede vom »lieben Gott«
Wenn ein Christ gefragt wird, ob er noch an den »lieben Gott« glaube, dann soll er ohne zu zögern mit Nein antworten. Denn dieser Mythos vom lieben Gott widerspricht den Realitäten unseres persönlichen Lebens und den Realitäten dieser Welt.
In der Weihnachtszeit kann man alle Jahre wieder Orgien des »Mythos vom lieben Gott“ erleben. »Alle Jahre wieder« soll in der »Welt am Sonntag« der Briefwechsel zwischen dem Chefredakteur der »Sun«, Francis Church, und der Briefschreiberin Virginia O’Hanlon aus New York abgedruckt werden, denn auch die »Sun« hatte ihn bis zum Ende ihres Erscheinens 1950 zu jedem Weihnachtsfest auf der Titelseite abgedruckt – seit 1897, als dieser Briefwechsel stattfand. Virginia O’Hanlon aus New York hatte damals bei der »Sun« angefragt, ob es einen Weihnachtsmann gäbe – denn wer sollte es wissen, wenn nicht die »Sun«. Der Chefredakteur war ob dieser Jungmädchenfrage so gerührt, daß er selbst antwortete. In diesem Brief, den wir nun zur Weihnachtszeit in der »Welt am Sonntag« immer wieder werden nachlesen können, heißt es u.a. auf die Frage «Gibt es einen Weihnachtsmann?« folgendermaßen:
»Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiß wie die Liebe und Großherzigkeit und Treue. Weil es all das gibt, kann unser Leben schön und heiter sein. – Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Es gäbe dann auch keine Virginia, keinen Glauben, keine Poesie – gar nichts, was das Leben erst erträglich machte. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig…Der Weihnachtsmann lebt, und ewig wird er leben. Sogar in 10 x 10.000 Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.«
Auch Christa Meves, geliebte und verehrte Psychagogin aller Konservativen, singt ihre Hymne vom »lieben Gott«. In der Weihnachtszeit schrieb sie – ebenfalls wie dereinst der »Sun«-Redakteur – als Antwort auf die Anfrage »eines unbekannten Mädchens«. Diese lautete: »Es ist für mich – jetzt in der Weihnachtszeit – geradezu wie ein Drängen im Nacken: Wie ist er, dieser Vatergott? Wie kann ich ihn sehen, fühlen, sprechen? Bitte, helfen Sie mir – erzählen Sie mir vom Vater!«
Auf diese Frage antwortete Christa Meves in den Vorstellungen ihres »lieben Gottes«:»Und das liegt eben daran, daß es einen Schöpfer gibt, der jeden von uns schon vor Beginn unseres Lebens gewollt und dann so in dieser Eigenart geschaffen und bei diesem Namen ins Leben gerufen hat – liebevoll, gewiß auch immer wieder mit guter Hoffnung und banger Erwartung, mit der Hoffnung darauf, daß die ins Herz eingepflanzte Liebe aufgehe, aufblühe, daß sie Wirklichkeit werde, wirklich Frucht tragen möge und in Gestalt eines guten Lebens von ihm zu erzählen. – Aber das ist natürlich sehr schwer, denn Gott ist antiautoritär. Er redet nicht dazwischen. Er bleibt hinter der Tür, er hat seinen Kindern, den Menschen, die Freiheit geschenkt…Für Gott leben zu wollen – das ist es, was Dir als Drängen bereits im Nacken sitzt, und deshalb bist Du im Grunde schon unterwegs, um Dich für ihn zu verwirklichen, um ihn in Dir zu verwirklichen.( Beide Aufsätze, der Briefwechsel der „Sun“ und der Antwortbrief von Christa Meves, finden sich in der „Welt am Sonntag“ vom 19.12.1982.
Da ist viel Stimmung – aber überhaupt keine biblische Wahrheit drin. Da ist viel Hauch von neuheidnischer Religiosität, aber keine Spur von reformatorischem Realismus. Kein Satz in diesem zitierten Erguß von Christa Meves ist biblisch – im Gegenteil, jeder widerspricht biblischer Botschaft. Was ist das für ein Gott, der mit banger Erwartung darauf wartet, daß die uns eingepflanzte Liebe aufblüht? Was ist das für ein Gott, der hinter der Tür steht, um zu sehen, was die Kinder mit der Freiheit tun? Was ist das für ein Gott, den wir in uns verwirklichen? – Aus der Sicht biblischer Offenbarung ist es ein gräßlicher Abgott – ein gemalter Gott, wie Luther sagen würde.
Gott ist eben kein Weihnachtsmann, und zu der Begegnung mit Gott wird nicht eingeladen mit dem Titel »Religion macht Spaß«, wie es die religionspädagogische Arbeitsstelle der Bremischen Evangelischen Kirche am 2.10.1982 meldete!
Hat man denn nie die Rachepsalmen gelesen? Ist man nie in der Bibel auf die Radikalität des Zornes Gottes gestoßen? Hat man nie gelernt, daß Gott die Sünden der Väter heimsucht an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied? Was sagen denn Weihnachtsmann und lieber Gott zum Völkermord des 20. Jahrhunderts in Auschwitz und Kambodscha, zu den 150.000 Verreckten in Hiroshima, den 35.000 bis 60.000 Verbrannten und Zerbombten in Dresden, den 700.000 Gefallenen in Verdun allein im Jahre 1916, den 6.000 ertrunkenen Frauen und Kindern auf der »Gustloff« 1945, den Gefallenen, Erfrorenen, Verbluteten und Verhungerten der 300.000 Mann Armee von Stalingrad? Wir könnten diesen Katalog weiter fortsetzen. Das Opium vom Weihnachtsmann und »lieben Gott« kann vielleicht kleinen Mädchen in Wirtschaftswunderzeiten, aber nicht den Gequälten des 20. Jahrhunderts helfen!
Aber offensichtlich will man heute dieses Opium vom lieben Gott , von dem nichts »Unangenehmes« ausgehen darf – oder man will gar keinen Gott. Unerträglich ist es für moderne Lebensweise, von Rache und vom Zorn Gottes zu hören. Es muß – wenn schon – dann um jeden Preis der »liebe Gott« sein, von dem man am Heiligabend und am Weihnachtsfest – wenn überhaupt noch – etwas hören will. Der liebe Gott, der die billige Gnade anbietet und dessen Vertreter auf Erden billige Gnade verschleudern, ist der unglaubwürdige Gott- ist kein Gott, ist ein Götze aus der Phantasie modernen Menschentums. Die Bibel weiß von diesem Gott nichts, und die Reformatoren haben sehr wohl gewußt, daß Gott ein Gott der Rache und ein Gott der Vergeltung und der Heimsuchung ist.
Luther ist unter dem Zorn Gottes zusammengebrochen, hat geschrien nach Gnade: »Denn der Tod des Menschen ist etwas anderes als der Tod der Tiere, die nach Naturgesetzen sterben. Er hat auch seinen Grund nicht im Zufall oder in der Zeit, sondern er ist eine Drohung Gottes. Er hat seinen Ursprung im Zorn und in der Entfremdung.
Wir können niemals die Liebe Gottes im Sinne des reformatorischen Christentums und im Sinne des biblischen Zeugnisses erfahren, wenn wir nicht vorher eindeutig unter dem Zorn und unter der Rache Gottes gelebt, gebangt und gelitten haben. Es gibt keinen Weg zur Liebe Gottes ohne die Versöhnung.
Bei eindeutig biblischer Aussage (vergl. im Römerbrief das erste Kapitel) sind wir alle unter dem Zorn Gottes, sind wir alle Verworfene, sind wir alle zum Tode und zur Hölle Verurteilte! Diesen glücksgeilen, religionskonsum-orientierten und nach Religionsersatz dürstenden Nihilisten müssen wir zurufen: Wenn ihr euch nicht bekehrt, bleibt ihr unter dem Zorn Gottes, und der Zorn Gottes könnte Krieg, Krebs, Terror, Einsamkeit, Depression – alles das sein, was euch qualvoll zugrunde richtet. Warum sagen wir das nicht? Die Frage, ob Krieg oder Frieden ist doch z.B. nicht eine Sache unserer Entscheidungen, unseres politischen Geschicks oder unserer Verhandlungen und Proteste – es ist doch eine Frage des Gerichtes Gottes! Es ist im Blick auf uns eine Frage, ob wir uns bekehren und Buße tun gegenüber dem allmächtigen Gott! Es ist eine Frage, wie wir seinen Zorn von uns abwenden – ob wenigstens noch 10 Gerechte im Sodom unserer Tage sind! Wenn wir in dieser »Ichgeilheit« weiter den Turm zu Babel bauen, werden wir erleben, daß wir in der totalen Verwirrung enden.
Aber diese »metapolitische« Dimension der Frage nach Krieg und Frieden wird in dieser neuheidnischen Zivilisation einfach verneint. Möchte es doch eine reformatorische Kirche geben, die nun gerade dieses sagt, was Johannes der Täufer und was Jesus bezeugten, daß wir entweder umkehren und Buße tun, also unseren Sinn ändern, damit wir dem Zorn Gottes entrinnen oder daß wir zugrunde gehen. Luther hat die Angst vor dem Zorn Gottes durchlebt – auch nach seiner Bekehrung immer wieder erfahren und erleben müssen.
In unserer Zeit des Verrates an der Reformation Luthers will man nicht die Überwindung der Angst in der Versöhnung durch Christus, sondern den »Abbau« der Angst in einer repressionsfreien, antiautoritären Gesellschaft. Die emanzipatorische Pädagogik lebt aus dem Aberglauben, daß der Mensch Angst abbauen könne, wenn er aufhöre, seine Triebe zu unterdrücken oder wenn er seine Person »einfließen« lassen würde in die Gruppe, in das Kollektiv, oder wenn er keine »herrschaftslegitimierenden Weltbilder« mehr aufrichten würde, wenn er also nicht mehr an die Herrschaft und Allmacht Gottes und an seinen Anspruch an uns glauben würde. Ein »du sollst« soll die Menschheit nicht mehr hören, eine vergeltende Gerechtigkeit würde ja Angst erzeugen. An die Stelle des Gottvaters tritt die »Mutter Kollektiv«, die alles in sich verschlingt zu einer totalen Spannungslosigkeit um den Preis der Vernichtung der Individualität.
Weil man meint, daß es Angst gar nicht zu geben brauche, weil sie sozio-psychologisch abstellbar wäre, wird eben Angst nicht überwunden, sondern die dann nur verdrängte Angst wird durch diese Praktiken in unserer modernen Gesellschaft nur um so mächtiger. Wir erleben heute eine Generation junger Leute, die nicht nur leidensunfähig ist, weil sie als lustbetonte Konsumentengeneration zur permanenten Glücksgefräßigkeit erzogen wurde, sondern die auch »angstflüchtig« ist – vor der Angst herläuft, von ihr gejagt wird, aber unfähig ist, durch die Angst hindurch zu gehen, um sie zu überwinden im Glauben, der ihr allerdings in der modernen Verkündigung vorenthalten wird.
Was will nun schon dieser mündige, anscheinend angstfreie, im Grunde aber angstverdrängende Mensch über Luthers Kernerlebnis bei Stotternheim sagen: Angst vor einem Gewitter als »Motivation« für den Eintritt eines Jurastudenten in ein Augustiner-Kloster?
Luther war im Jahre 1505 21 Jahre alt und unterwegs von Mansfeld nach Erfurt. Das waren etwa 100 km, die ein Student damals, ohne rot zu werden, zu Fuß zurücklegte. In der Nähe des Dorfes Stotternheim wurde Luther von einem starken Gewitter überrascht – in der Todesangst rief er aus: »Hilf du liebe St. Anna, ich will ein Mönch werden!« Da ist kein Mangel an Büchern, die diese Angst Luthers psychologisch erklären wollen. Wahrheit ist aber nicht die psychologische Erklärung, sondern ganz einfach – wenn man nur auf Luther selbst hören wollte – die Angst vor Gott! Angst vor dem Zorn, vor dem Gericht Gottes! Diese Angst hatte Luther nicht allein – er teilte sie mit seiner ganzen Zeit.
Die verratene Reformation – GOTTES Wort und Luther`s Lehr` verneint man heute immer mehr Huntemann, Georg Verlag: 1983 Bremen, 1983 Seite 20-25

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