Asyl: Unrechtmäßige Stimmungsmache

Immer mehr Menschen gefallen sich in möglichst harten Aussagen gegen Ausländer, insbesondere wenn diese durch eine dunkle Hautfarbe erkennbar sind. Und mag man sich ausländische Studenten, Fußballer und Facharbeiter gerade noch gefallen lassen, denn gelten Asylbewerber als ganz besonders schlimme Leute. Dabei ist das im Artikel 16a des deutschen Grundgesetzes zugesagte Recht auf Asyl ursprünglich aus Gedanken christlicher Nächstenliebe inspiriert worden. Im Kern geh es darum, Menschen, die in ihrem Heimatland zu Unrecht massiv verfolgt und bedroht werden, Schutz zu bieten. Besonders nach den traurigen Erfahrungen während der Zeit des Nationalsozialismus, als viele in Deutschland politisch und religiös Verfolgte in anderen Ländern zurückgewiesen wurden, wollte man es hierzulande besser machen. Tausenden von Verfolgten wurde seither durch die Gewährung von Asyl buchstäblich das Leben gerettet.
Mancher beschwert sich über die hohen Asylbewerberzahlen. Gleichzeitig wünschen sich die meisten Bürger aber auch eine gründliche Prüfung der angegebenen Asylgründe. Manche merken nicht, dass sich das natürlich gegenseitig ausschließt. Denn entweder lässt man sehr viele mutmaßlich Verfolgte erst gar nicht ins Land, weil man ihr Anliegen so schnell eben nicht prüfen kann. Dabei werden dann natürlich auch viele wirklich Verfolgte ausgeschlossen. Oder man nimmt die Betroffenen solange auf, bis man ihre Anträge geprüft und dann entschieden hat. Dadurch würden allerdings monate- oder jahrelang Menschen mit unsicherem Aufenthaltsstatus in Deutschland leben.
Ein besonderer Aufreger der jüngsten Vergangenheit waren die Zahlen abgelehnter Asylbewerber, die immer noch in Deutschland leben. Laut Deutschem Bundestag handelt es sich dabei um 550 000 Menschen. Sofort nach Veröffentlichung der Zahlen überboten sich ausländerkritische Politiker in ihrer Empörung über das vorgebliche Versagen des Staates. Demnach sei die Regierung nicht in der Lage oder nicht willens, illegal in Deutschland lebende Personen auch tatsächlich abzuschieben. An einer genaueren Analyse der vorliegenden Zahlen waren die betreffenden Populisten aber nicht interessiert, weil das natürlich die beabsichtigte Dramatik ihrer Aussagen verwässert hätte.
Zum einen handelt es sich zum allergrößten Teil nicht um Personen, die in den vergangenen zwei Jahren als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. 406 000 „abgelehnte“ Asylbewerber leben seit mindestens sechs Jahren hier.
Die weitaus meisten von ihnen leben zwischenzeitlich aber durchaus legal in Deutschland. Fast die Hälfte von ihnen (46,6 Prozent) hat zwischenzeitlich ein unbefristetes Aufenthaltsrecht. Weitere 34,8 Prozent haben eine befristete Aufenthaltserlaubnis; aber eben kein Asyl. Viele von ihnen stammten aus Polen oder Bulgarien und dürfen sich als Mitglieder der EU frei in Deutschland bewegen.
18 Prozent dieser abgelehnten Asylbewerber haben aufgrund von Krankheit oder fehlenden Papieren eine befristete, vorläufige Duldung. Illegal in Deutschland befinden sich nach amtlicher Zählung 52.870 Menschen, „ausreisepflichtige Personen ohne Duldung“. Zuständige Behörden gehen aber davon aus, dass eine größere Zahl dieser Personen zwischenzeitlich Deutschland verlassen haben, allerdings ohne sich ordnungsgemäß abzumelden, weshalb sie noch in den Statistiken auftauchen. Über ein mutmaßliches Versagen von Politik und Polizei sagen die Zahlen wenig bis nichts. Es sollte bei der medialen Aufregung nicht vergessen werden, dass jährlich zehntausende abgelehnter Asylbewerber das Land freiwillig verlassen und beispielsweise allein im letzten Jahr 21 000 Personen von zuständigen Behörden abgeschoben worden sind.
Der Schutz verfolgter Menschen ist ein hohes Gut. Dieser Schutz kostet natürlich und fordert heraus. Außerdem braucht es viel Zeit, zwischen berechtigten und berechtigten Asylanträgen wirklich gerecht entscheiden zu können. – Christen danken Gott für die politische, religiöse und wirtschaftliche Sicherheit in Deutschland. Und sie beten für die vielen Millionen Flüchtlinge, die weltweit ihre Heimat verloren haben, verfolgt werden und vielfach auch in den Ländern Unterdrückung erleben, in denen sich vorläufig aufhalten dürfen.
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