Ben Hur für diese Generation

Das Remake von «Ben Hur» hat es schwer. Kritiker vergleichen mit der berühmten Version von 1959. Sie suchen Fehler und reden dort, wo es um die Darstellung von Jesus geht, von Kitsch. Doch die Neuverfilmung ist besser, als es manchen lieb ist.
1959, als Charlton Heston als Ben Hur sein berühmtes Wagenrennen gegen den Adoptivbruder fuhr, war ich noch nicht geboren. Auch später kannte ich die Story, die als Film elf Oscars einheimste, nur vom Hörensagen. Keiner konnte mich überreden, mich vier Stunden lang vor den Fernseher zu setzen, um ein Familiendrama mitzuverfolgen. Interessant wurde das Thema für mich erst, als ich las, dass Ben-Hur-Autor Lewis Wallace den Romanstoff als Atheist anpackte und als Christ abschloss. Es war das Studium der Person von Jesus Christus, die sein Denken verändert hatte. Und jetzt ist Ben Hur wieder im Kino. Eingedampft auf zwei Stunden. Aufgepeppt mit neuester Technik. Also tauchte ich – ohne Bilder aus dem alten Film im Kopf – mit der 3D-Brille auf der Nase ein ins Jahr 33.
Das militärisch überlegene Rom unterjochte die damals bekannte Welt. Auch Jerusalem. Die Juden verloren ihre Freiheit. Während sich die einen mit den Machthabern arrangierten, griffen die anderen zu den Waffen. Die Zeloten waren bereit, ihr Leben für die Freiheit zu opfern. Die Hauptpersonen sind aber Judah Ben Hur (Jack Huston) und sein römischer Adoptivbruder Messala (Toby Kebbell). Zwietracht macht aus den dicken Freunden hasserfüllte Feinde.
Der neue „Ben Hur“ polarisiert. Von filmisch schwach und kitschig ist die Rede. Es sei ein Streifen für die Kreationisten im Bible-Belt («Die Welt»). Viele Filmkritiker machen das Remake madig. Ich fand den ersten Teil ziemlich langsam, die Actionszenen ziemlich cool, den Schluss ziemlich süss. Zugegeben, das ist ein gewagter Mix. Dennoch – ein Kinobesuch lohnt sich. In welchem Film aus Hollywood sonst spielt Jesus Christus eine wichtige Rolle? Pontius Pilatus erkennt, dass nicht die kämpferischen Zeloten das Problem für Machtmenschen wie ihn sind, sondern der Friedensbringer Jesus. Dessen Botschaft der Feindesliebe bezeichnet Pilatus als Gift. Es wird deutlich, dass Ben Hurs Frau Esther dem Nazaraner nachfolgt. Das krempelt ihr Leben um und führt sie in den Dienst am Nächsten. „Wir bekommen eine zweite Chance“, sagt sie zu ihrem Mann, der angesichts des Gekreuzigten auf die Knie sinkt. Auf dem Weg ans Kreuz hat Jesus Ben Hur versichert: „Ich gebe mein Leben aus freien Stücken.“
Der Film stellt uns in einer Zeit wachsender Angst zwei grosse und aktuelle Fragen: Führt Gewalt zu Freiheit? Kommt Frieden durch Rache? Er gibt uns eine auf Gott bezogene Antwort: Es ist Gottes Liebe, die Kraft zur Vergebung vermittelt und Zerbrochenes heilt. Das wird sichtbar am von Hass und Rachegefühlen zerfressenen Herzen Judah Ben Hurs und den von Lepra gezeichneten Körpern seiner Mutter und seiner Schwester. Bemerkenswerterweise lässt das Remake diese Botschaft nicht weg. Dahinter stehen die US-Produzenten Roma Downey und Mark Burnett. Sie haben schon den Jesus-Film „The Son of God“ und die Serie „The Bible“ produziert. Mit „Ben Hur“ bringen sie mehr als ein aufgemöbeltes Wagenrennen. Sie bieten einem grossen Publikum die Chance, über den Glauben nachzudenken. Der Film endet denn auch mit einem Paulus-Zitat: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten.“
Ich bewerte den Film «Ben Hur» ungleich besser als viele Kollegen. Vielleicht deshalb, weil ich es nie schaffte, die berühmte Filmversion von 1959 anzuschauen? Der Roman von Lewis Wallace (1827-1905) erschien 1880 und trägt den Untertitel „Eine Geschichte von Jesus“. Der Band war im 19. Jahrhundert das meistgedruckte Buch neben der Bibel. Wallace war General, Anwalt, Politiker und Schriftsteller. Während eines Gesprächs mit Wallace spottete ein Stabsoffizier über Gott, Glaube und Christen. Wallace kam ins Grübeln. Er entschloss sich, alles, was mit Bibel und Jesus zu tun hatte, zu erforschen. Später erzählte Wallace, die Begegnung mit dem zynischen Colonel habe zwei konkrete Folgen gehabt: Erstens den Roman „Ben Hur“ und zweitens seine Hinwendung zu Gott. Während die juristischen und militärischen Leistungen von Lewis Wallace in Vergessenheit gerieten, avancierte „Ben Hur“ zu einem Bestseller, dessen Botschaft dank der aktuellen Verfilmung einer neuen Generation zugespielt wird: „Dadurch, dass Christus am Kreuz sein Blut vergoss, hat Gott Frieden geschaffen.“ (Kolosserbrief, Kapitel 1, Vers 20) Rolf Hoeneisen https://www.facebook.com/rolf.hoeneisen/posts/10207158992312495