Abraham der Böse

Im Jüdischen Museum, einem der meistbesuchten Orte von Berlin, präsentieren derzeit der britische Filmregisseur Peter Greenaway und seine Partnerin, die niederländische Opernregisseurin Saskia Boddeke ihre kritische Interpretation der von Gott geforderten Opferung Isaaks. Die 15 Räume umfassende Sonderausstellung soll den Besucher schockieren und gegen den vorgeblich grausamen Gott einnehmen. Der Besucher soll sich gleich zu Beginn mit Isaak identifizieren und als „Opfer“ der Religion verstehen. In einem Raum findet man Messer, in einem anderen alle Arten von Fesselinstrumenten. Schafe aus Pappmaché sind vor einer Wand mit roten „Blutspritzern“ dekoriert. Nach eigenen Angaben wollen die Ausstellungsmacher nicht das Denken, sondern das Gefühl ansprechen. Viele Bilder und Inszenierungen sollen abstoßen, auch wenn man den gesamten Zusammenhang nur erahnt.
Der christliche Glaube wird in einem Zimmer durch 140 Kreuze symbolisch dargestellt. Auch hier geht es um die grausame Opferung des Sohnes (Jesus) durch seinen Vater (Gott). Am Ende der Ausstellung wird der Besucher provokativ gefragt, „Oder bist Du ein Abraham?“. Natürlich soll man diese rhetorische Frage ablehnend beantworten, denn wer will schon für die hier dargestellte Grausamkeit verantwortlich sein. „Gehorsam und Unterwerfung“ sind für die Ausstellungmacher die Hauptaspekte der Fast- Opferung Isaaks und auch des heutigen Christentums. Gehorsam und Unterwerfung“ werden von ihnen überwiegend negativ, als Unterdrückung und Unterwerfung interpretiert.
Und wieder einmal wird unter großer öffentlicher Anteilnahme eine negative Deutung biblischer Ereignisse inszeniert. Vollkommen ausgeklammert wird dabei die eigentliche Zielrichtung der Geschichte: Der Mensch ist zutiefst in seiner Existenz bedroht. Durch sein eigenes Handeln, im Gegensatz zu Gottes Maßstäben, steht ihm sein eigener Tod sicher vor Augen. Durch den Eingriff Gottes wird der Mensch vor seinem sicheren Schicksal bewahrt und kann weiter leben bzw. ewig bei Gott sein. Eigentlich geht es weniger um die „Opferung Isaaks“ als vielmehr um die „Auslösung Isaaks“. Innerbiblisch ist diese Geschichte eine Ankündigung des Todes Jesu, der allerdings freiwillig stattfindet. Es geht hier weniger um Grausamkeit gegen Schwächere, als um den Ausdruck grenzenloser Liebe, die bereit ist, selbst das eigene Leben einzusetzen, um den geliebten Menschen zu retten. Wie der Vater, der ins brennende Haus läuft, um sein Kind zu retten, obwohl er dabei sein eigenes Leben verliert. Liebe und Vergebung kommen in der bewusst ablehnenden Darstellung der Fast- Opferung Isaaks im Jüdischen Museum leider nicht vor. Wieder einmal ist es halt populärer biblische Aussagen zu kritisieren als sie verständlich zu machen.
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