Gibt es eine biblische Hoffnung für unsere Welt?

Ernst Bloch, der Marxist, schrieb ein Buch über „Das Prinzip Hoffnung“, Jürgen Moltmann eine „Theologie der Hoffnung“ und in vielen Kreisen liest man Bücher wie z. B. von Hal Lindsey und anderen, die eine ganz genaue Zukunftserwartung ausarbeiten. Überall geht es um die Frage, welche Hoffnung wir für die Zukunft unserer Welt haben. Die Hoffnungslosigkeit ist tief in der europäischen und besonders in der deutschen Kultur verwurzelt. Das erklärt, weshalb wir uns so sehr nach Hoffnung sehnen. Vielleicht verbergen es manche hinter Materialismus und Vergnügen, aber dennoch zweifeln sie, ob es eine Hoffnung für unsere Welt gibt – nach allem, was wir aus ihr gemacht haben; nach zwei Weltkriegen und dem Druck der technischen Entwicklung, die unsere Erde bedroht, nach dem Trauma Tschernobyl, der Bedrohung durch Atomwaffen und unserer ständigen Verschmutzung der Erdatmosphäre. Gibt es eine biblische Hoffnung für unsere Welt? Was ist die Zukunftserwartung der Christen? Die meisten Bücher zu diesem Thema handeln von der Zukunft der Menschen und der Zukunft der Christen im Himmel. Aber was ist mit der Erde? Ist nicht unsere ganze Welt gefährdet? Manche Christen meinen, das Feuer der Atombombe könnte das Mittel sein, mit dem Gott unsere Erde vernichtet, um dann die neue Erde, das Reich Gottes zu errichten. Sie glauben an den Weltuntergang und hoffen auf eine nagelneue Welt danach. Das klingt sehr bibeltreu. Aber stimmt das? Es gibt andere Christen, die behaupten, dass alles, was in der Bibel über das Feuer und das Gericht berichtet wird, geburt spricht, aber hier lesen wir etwas anderes: Jesus spricht von der Wiedergeburt der ganzen Welt. Etwas Ähnliches lesen wir auch im 1. Korintherbrief 15,52–55. Das Bild hier ist nicht das einer Frau in den Geburtswehen, sondern das eines Mannes oder eines Menschen, der ein altes Kleid ablegt und ein neues anzieht. Es handelt sich um ein Zitat aus Psalm 102,27. Dieses Bild hatte Jesus vor Augen, als er z.B. in Matthäus 24,35 über den Weltuntergang spricht. Das sind die biblischen Bilder des Verhältnisses zwischen dieser Welt und der zukünftigen. Es sind keine altmodischen Bilder. Sie sind ebenso wahr und trostvoll wie gestern. Aber diese Verheißungen lehren keinen Weltuntergang. Damit spreche ich diejenigen an, die dies immer geglaubt und nicht bemerkt haben, dass es sich um stoisches Heidentum handelt, das sie in die Bibel hineingelesen haben. Wenn ich über dieses Thema ins Gespräch komme, gibt es immer das gleiche Gegenargument: Ja, aber die Bibel lehrt uns doch ganz klar, dass unsere Welt sich im Feuer auflösen wird! (2. Petrus 3, 10) Wie kann man das verstehen im Licht dieser anderen Verse in Römer 8 und 1. Korinther 15? Sie scheinen einander auszuschließen – hat Petrus die Zukunft anders gesehen als Paulus? Ich bin überzeugt, dass die Schrift als gedankliche Einheit zu verstehen ist, durch Gottes Geist vermittelt, und es deshalb keine Uneinigkeit gibt. Hier kommt es auf die Übersetzung an. Die meisten Übersetzungen sind einer Interpretation von einem „Jüngsten Tag“ als „und die Erde und die Werke auf ihr altmodische und längst überholte Bilder sind, die aus der jüdischen Apokalyptik stammen. Auch hier stellt sich die Frage: Ist das biblisch? Ich glaube, wir müssen, wenn es um solche wichtigen Fragen geht, ganz vorsichtig sein und wirklich versuchen, die Bibel selbst sprechen zu lassen, anstatt unsere eigenen Standpunkte in sie hineinzulesen. In Römer 8,18–22 findet man meines Erachtens die schönste Beschreibung der Zukunft. Das Seufzen der Kreatur, wie Luther übersetzt, führt nicht zum Tod, sondern zur Geburt einer neuen Welt. Dieses Wort von Paulus ist gegründet auf Matthäus 19,28, wo Jesus selbst über die Wiedergeburt gesprochen hat. Wir denken immer, dass die Bibel Menschen meint, wenn sie über Wieder- Römer 8 18 Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. 19 Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes. 20 Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen worden – nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat –, auf Hoffnung hin, 21 dass auch selbst die Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit frei gemacht werden wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. 22 Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt. (Elberfelder)

Es ist verständlich, dass einige Übersetzer zu dieser späteren Übersetzung kamen, denn sie wollten den letzten Satz von Vers 10 mit dem vorangegangenen harmonisieren. Sie dachten, wenn der erste Teil über Zerstörung spricht, kann der zweite Teil ihm nicht widersprechen und sollte ähnlichen Inhalt haben. Die Hitze, der Brand, von dem Petrus in diesem Vers schreibt, ist ein Feuer, das allen Schmutz und Abfall beseitigen wird. Es verbrennt das Schlechte, um alles Wertvolle hervorzubringen.

So erscheint der Herr, sagt der Prophet Maleachi (Maleachi 3,2) und Petrus wiederholt es, nicht um die Erde zu verbrennen – denn dann hätte der Feind Gottes doch gewonnen – sondern um seine Schöpfung zu reinigen und zu retten. Er wird verbrennen, was nicht dazugehört. Er wird alles, was eigentlich am Anfang nicht gemeint war, den Flammen übergeben. Es ist wichtig zu verstehen, was Petrus mit den Elementen meint, die „vor Hitze zerschmelzen werden“. Wir denken dabei gleich an unseren Chemieunterricht: Wasser ist H2O, Wasserstoff und Sauerstoff sind chemische Elemente. Als Menschen des 21. Jahrhunderts haben wir sofort eine Vorstellung im Kopf von den Bestandteilen, aus denen unsere Welt aufgebaut ist. Und denken bei Petrus’ Worten an eine Kernexplosion wie beispielsweise Tschernobyl oder Hiroshima. Eine Angst einflößende Vorstellung, die natürlich das Ende der Welt nahe legt. Petrus hat keinen Moment an Elemente im chemischen Sinn gedacht. Das griechische Wort für „Elemente“ ist „stoicheia“. Die Wortstudie im Neuen Testament (Galater 4,3+9; Kolosser 2,8+20) verdeutlicht, dass das Wort negativ belegt ist. Unter diesen Elementen wurden Geistesmächte verstanden, die den Menschen gefangen hielten. Diese Mächte, die den Menschen unfrei machen, werden verbrennen – nicht die von Gott geschaffenen guten Strukturen und Elemente, sondern die störenden, die Gottes gute Schöpfung verdorben haben. Ich könnte hinzufügen: Ideologien, die die Menschen verführen, Krieg und Hass, Krankheiten und Tod. Dann werden endlich die Erde und die Werke, die darauf sind, „…ihr Urteil finden“ (2. Petrus 3,10 Luther). Der Ausdruck für „finden“ ist im Griechischen identisch mit einem Jubelruf. Die gleichen Worte stehen im Gleichnis vom verlorenen Sohn: „…denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden und verloren und ist gefunden worden“ (Lukas 15,32b Elberfelder). Dies hat einen sehr fröhlichen Klang: Die Erde und die Werke darauf gehen nicht verloren. Wir gehen, wenn wir Christen sind, durch das Feuer von Gottes Heiligkeit, und dabei wird alles verbrannt, was ihm nicht würdig ist. Das wird vieles sein, was wir in eigenem Ruhm und Egoismus aufgebaut haben. Aber alles, was in Gottes Augen Ewigkeitswert hat, gehört dazu – vor allem unsere Persönlichkeit wird durch das Feuer hindurch geläutert und gereinigt. Petrus beschreibt eine Zukunftserwartung, die voller Hoffnung ist. Und wenn Jesaja über die zukünftige Welt spricht, kommt uns die Schöpfung, wie sie in den ersten Tagen war in den Sinn (Jesaja 11, 6+7). Johannes schreibt in seiner Offenbarung über das neue Jerusalem, den neuen Himmel und die neue Erde. Im Griechischen gibt es zwei Wörter für „neu“, die leicht unterschiedliche Bedeutungen haben. Das erste Wort für „neu“ ist „neos“ und bedeutet nagelneu, z. B. im Sinne eines neugeborenen Babys. „Kainos“ hingegen, das zweite Wort für „neu“, wird benutzt, um eine Erneuerung auszudrücken – eine Erneuerung von etwas, das sich von seinem eigentlichen Zweck entfremdet hat. Immer wenn im Neuen Testament über die neue Schöpfung, die neue Erde oder das neue Jerusalem gesprochen wird, steht „kainos“ im griechischen Urtext. Die Wälder werden bleiben, aber ohne sauren Regen, und die Seen werden frisches Wasser haben – alles wird erneuert! Auch das gesamte Alte Testament betont, dass Gottes Werk, seine erlösende Macht, diese Erde erneuern wird, sie von Sünde reinigen und den Tod überwinden wird. Er ist seiner Schöpfung treu. Das beste Bild, das ich kenne, um diese Verwandlung der Welt zu verdeutlichen, sind die Beschreibungen Jesu nach seiner Auferstehung. Jesus war nicht völlig anders. Die Menschen erkannten ihn (Lukas 24,31, Johannes 21,7). Und doch war er zur gleichen Zeit außerhalb von Zeit und Raum aller Geschöpfe. Er konnte einen Raum betreten, obwohl alle Türen verschlossen waren (Johannes 20,19). Aber es gab auch Momente, wo selbst seine Jünger ihn nicht erkannten (Johannes 21,3) – hervorgerufen durch seine Erhabenheit, Würde und seine „andere Weltlichkeit“, die sie so beeindruckte, dass sie nicht wagten, ihn zu fragen, wer er war, obwohl sie zur gleichen Zeit wussten, dass er es war (Johannes 21,12). Der Hebräerbrief schreibt von der „…Verwandlung der ganzen Schöpfung, die erschüttert wird, damit nur das Ewige bleibt“ (Hebräer 12,27 – Neues Leben). Diese Welt muss durch eine Transformation gehen und das Aussehen wird verwandelt. Wir werden staunen, wie es möglich ist, dass alles, was wir hier zu Gottes Ehre getan haben, dann sichtbar sein wird. Das sah Johannes in Offenbarung 21,24, wo steht, dass die Völker ihre Schätze in das neue Jerusalem tragen. Und dieses Wissen bestärkte den Apostel Paulus darin, die Gemeinde zu effektiver Arbeit und zu einem heiligen Lebenswandel aufzurufen. Es macht einen Unterschied, ob wir glauben, dass es einen kompletten Bruch und eine völlige Diskontinuität geben wird oder dass Gott hier eine neue Stadt bauen wird, mit Steinen, die hier gebrannt wurden, sodass es auch Kontinuität gibt. Es macht einen Unterschied, ob wir an eine neue Periode glauben, die uns von der Erde weg in ein himmlisches Leben führt, oder an eine Einheit von Gottes Erlösungsplan und dass es in jeder Periode in unterschiedlichen Zeiten von Gottes Bund mit seinen Menschen, ein und derselbe Herzenswunsch von Gott ist, dass seine Schöpfung schließlich wiederhergestellt und verherrlicht werden soll. Es gibt einen Grund, effektiv zu arbeiten; es gibt einen Grund, sich über die Werke unserer Hände zu freuen. Das normale Leben, mit allem, was dazugehört – Arbeit, Kindererziehung, Essen, Trinken, wissenschaftlichem Arbeiten, Gartenarbeit, Schule – alle Dinge, von denen wir uns manchmal fragen, wofür wir das tun, und die uns, wenn wir zurückblicken, manchmal zum Fragen bringen, „Wofür war das alles?“ – nach Gottes Verheißung hat das alles seinen Wert. Was wir hier als Nachfolger Jesu zu Gottes Ehre getan haben, das geht, sagt Petrus, nicht verloren. Deshalb haben wir guten Mut und können verstehen, warum Paulus mit soviel Nachdruck gesagt hat, „…dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn“ (1. Korinther 15,58b, Luther). Was wir in den hier genannten Bibelstellen lesen, ist nicht ein hoffnungsloser Bericht über den Untergang der Welt. Die Bibel spricht von ihrer Verwandlung. Damit ist zwar eine Krise verbunden, aber eine hoffnungsvolle. Es ist nicht wahr, dass diese Welt ewig weiterexistiert und immer besser wird. Oder wie die östlichen Religionen glauben, dass alles sich immer wiederholt. Es ist auch nicht wahr, dass diese Welt hoffnungslos verschwindet, so wie die Perser, die Stoiker und die Griechen es glaubten. Viele Menschen, mit denen wir zusammen leben, sind von diesem Denken beeinflusst. Die biblische Zukunftserwartung ist eine andere. Die ganze Bibel lehrt uns, dass Gott die Welt gut gemacht hat und dass er seitdem der Schöpfung treu geblieben ist. Er hört nicht auf, bis er die ganze Schöpfung verwandelt hat. Unsere Zukunft ist nicht im Himmel, sondern auf dieser Erde. Eine Hoffnung, die so sicher ist, wie Christus vor 2000 Jahren für eine ungläubige Welt ans Kreuz ging. Wir warten auf die Auferstehung als begründete und sichere Hoffnung. Wir erwarten mit Spannung die Wiederkunft von Jesus Christus. Wir sollen und können Zeichen der Hoffnung sein. Lukas 24 31 Ihre Augen aber wurden aufgetan, und sie erkannten ihn. (Elberfelder) Hebräer 12 27 Das deutet auf eine Verwandlung der ganzen Schöpfung, die erschüttert wird, damit nur das Ewige bleibt. (Neues Leben) Offenbarung 21 24 Und die Völker werden wandeln in ihrem Licht; und die Könige auf Erden werden ihre Herrlichkeit in sie (die Stadt) bringen. (Luther) 1. Korinther 15 58b Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn. (Luther) Wim Rietkerk  http://www.labri.org/germany/resource/Akzente_2005_1.pdf

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