2.Petrus 1,9 Wer dies aber nicht hat, der ist blind und tappt im Dunkeln und hat vergessen, dass er rein geworden ist von seinen früheren Sünden.

Je mehr wir mit und für Christus leben, desto besser lernen wir ihn kennen. Uns in den genannten Tugenden immer mehr zu vervollkommnen heißt, Jesus Christus immer besser kennen und ihm immer näher kommen.
Wenn wir diese Mühe jedoch scheuen, geschieht folgendes, a) Wir werden blind; wir bleiben ohne das Licht, das uns die Erkenntnis Jesu Christi bringt. Ohne Christus leben, heißt nach Petrus im Dunkeln tappen und den Weg nicht erkennen können, b) Wir werden, was Petrus myöpazön nennt. Dieses Wort kann zweierlei bedeuten. Erstens kurzsichtig. Es ist nicht schwer, kurzsichtig zu sein im Leben und alles nur so zu nehmen, wie es sich im Augenblick darbietet, statt auf weite Sicht zu denken. Es ist nicht schwer, immer nur das Vordergründige, niemals aber das Hintergründige zu sehen. Das Wort kann aber auch heißen blinzeln, die Augen schließen. Auch das ist nicht schwer: die Augen vor dem zu verschließen, was wir nicht sehen möchten, zu leben, als hätten wir Scheuklappen, die unser Blickfeld auf das einengen, was zu erkennen uns angenehm ist, sowohl im Hinblick auf uns selbst als auch im Hinblick auf die Welt.
Der Vorwurf, sie hätten vergessen, dass sie die »Reinigung« ihrer „alten Sünden empfangen“ haben, ist hart. Schon David mahnt sich selbst: „… vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: Der dir alle deine Sünde vergibt“ (Ps 103,2f.). Wer die Sündenvergebung vergisst, missachtet als Erstes Jesu und Gottes Liebe; der nimmt zum anderen Gottes Willen nicht ernst; schließlich steckt in diesem Wort die Mahnung, doch ja nicht vergebene Sünde neu in sich aufleben zu lassen bzw. alte (Lieblings -) Sünden, die eigentlich vergeben sein sollten, weiter mit sich zu tragen oder sich von ihnen beschweren zu lassen (1. Joh 3,19-21).
Reinigung ist die Übersetzung von katharismos, von dem sich das eingedeutschte Wort Katharsis („Läuterung“) herleitet. Die derartige Sünde eines Gläubigen macht ihn unsicher bezüglich seiner Reinigung und Errettung von seinem früheren Leben (Eph 2,4-7; 5,8.26; Tit 3,5-6; Jak 1,18; 1Petr 1,23; 1Jo 1,7). Diese Art geistlicher Vergesslichkeit führt dazu, dass solche Christen alte Sünden erneut begehen. Außerdem raubt sie ihnen ihre Heilsgewissheit.
Ohne Christus leben heißt der Gefahr ausgesetzt sein, einen kurzsichtigen oder engbegrenzten Lebensstandpunkt einzunehmen.

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