2.Petrus 1,8 Denn wenn dies alles reichlich bei euch ist, wird’s euch nicht faul und unfruchtbar sein lassen in der Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus.

Der Aufruf von Petrus ist sehr charakteristisch für die neutestamentlichen Belehrungen über Heiligkeit und Heiligung. Die Aufforderung zur Heiligung im Neuen Testament fußt niemals auf dem Gesetz; niemals wird uns diktiert, was wir im einzelnen zu tun und zu lassen haben. Anstelle von Hinweisen auf Einzelvorschriften werden unsere Einsicht und unser Verständnis angesprochen: Wenn ihr vorgebt, gewisse Dinge zu glauben und wirklich meint, was ihr sagt, dann müsst ihr notwendigerweise auch gewisse Dinge tun. Das Neue Testament macht die Heiligung zu einer sinnvollen und vernünftigen Angelegenheit, nicht aber zu einem gesetzlichen Zwang.
Die Wendung „wenn dies … bei euch ist“ betont, dass die genannten geistlichen Eigenschaften den Christen „angehören“. Sie müssen jedoch auch etwas mit diesen Tugenden anfangen. Ein wirksames und fruchtbares geistliches Leben führen sie, wenn dies alles reichlich vorhanden ist. Nur dann kommt es zu einem Fortschreiten in der Gnade. Ein Gläubiger, der sich in diesen sieben Gebieten nicht weiterentwickelt, ist faul und unfruchtbar in seiner Erkenntnis (epignosin, wörtlich „vollständige persönliche Kenntnis“; vgl. V. 2 – 3; 2. Petr 2,20) unseres Herrn Jesus Christus. Auch hier kann wie bei Vers 2 die Vorsilbe epi vor gnosis das tiefere Eindringen in die Erkenntnis unterstreichen. Zugleich ist der Satz auch wieder gegen die neuen Strömungen gerichtet, die ihre „Erkenntnis“ rühmen und gegen einen „bloßen Glauben“ ausspielen.
Der Vers wird zugleich gegen falsche Gnosis gewandt sein. Gnosis, die ohne sittliche Zucht zur Erkenntnis kommen wollte, ist auf falschem Weg. Nein, zur echten Erkenntnis kommen wir auf dem Wege der „Gnostiker“ gerade nicht. Nur die praktischen Betätigungen christlichen Lebens, die im Glauben ihre Wurzel haben (V. 5), bringen uns tiefer in die Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus hinein. Es geht ja nicht um das gedankenmäßige Erfassen von „Wahrheiten“, sondern um das Erkennen einer „Person“, um ein unmittelbares Erkennen, durch das personhafte Gemeinschaft zustande kommt.

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