2.Petrus 1,7 und in der Frömmigkeit brüderliche Liebe und in der brüderlichen Liebe die Liebe zu allen Menschen.

So geht der Blick von Gott wieder zu den Menschen zurück, unter denen wir leben und wirken. Die „Gnostiker“ und die großen „Geistesmenschen“ unter ihnen lassen es gerade an dieser Blickwendung fehlen, die es ermöglicht, den Menschen im Licht der Liebe Gottes zu sehen. Mangelnde Liebe bei allen geistigen Höhen – das ist es, was Paulus und Johannes grundlegend der „Gnosis“ vorwarfen. Der Stoiker Epiktet blieb unverheiratet und behauptete halb im Scherz, er tue für die Welt als unabhängiger Philosoph wesentlich mehr, als wenn er „zwei oder drei drecksnasige Kinder“ in die Welt gesetzt hätte. „Wie kann jemand, der die Menschheit unterweisen muss, sich um das Badewasser eines kleinen Kindes kümmern?“ Petrus sagt also, es sei etwas falsch, wenn die Anforderungen der Menschen eine ärgerliche Unterbrechung für den Gläubigen darstellten.
Darum mahnt er: In der Frömmigkeit aber die Brüderlichkeit, in der Brüderlichkeit aber die Liebe. Natürlich kann man Philadelphia auch mit Brüderliebe übersetzen, dann muß man aber zu dem folgenden Wort „Liebe“ das Wort „allgemein“ hinzufügen, das im grie Text nicht steht. Philein hängt mit philos = „Freund“ zusammen und bezeichnet darum das „freundliche“, herzliche Verhalten zum „Bruder“, eben die Brüderlichkeit. Mit Liebe = Agape aber ist Gottes einzigartiges, bedingungsloses Lieben gemeint, das wir in Jesus vor Augen haben. Und eben diese Gottesliebe ist durch den Heiligen Geist in unsern Herzen ausgegossen, und sie ist die Grundfrucht des Geistes (Rö 5, 5 b; Gal 5, 22).
Es fällt auf, dass dieses Loblied mit dem Glauben beginnt und mit der Liebe endet. Auf dem Fundament ihres Glaubens an Christus aufbauend können die Christen ein wahrhaft christliches Verhalten an den Tag legen, in dem diese sieben Tugenden, die in der Nächstenliebe gipfeln, wirksam sind (vgl. „Glaube“ und „Liebe“ in Kol 1,4 – 5; 1. Thess 1,3; 2. Thess 1,3; Phlm 5).
Die christliche Bruderliebe ist nicht bloß ein Humanitätsgefühl, wie es sich etwa in den Worten ausdrückt: „Seid umschlungen, Millionen, diesen Kuss der ganzen Welt“, sondern Ausdruck der sich ganz verschenkenden Liebe, des Daseins für andere. Sie ist Abbild dessen, von dem Johannes sagt: „Gott ist Liebe“ (1 Jo 4,16).

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