1.Petrus 5,8 Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.

Wem die Sorgen den Kopf verdrehen, der verliert den nüchternen Blick. Es gibt geradezu einen Sorgenrausch. Die Mahnung »seid nüchtern und wacht« ruft zum klaren Durchblick für die Situation. Das Wort „nüchtern “ kommt außerdem noch in Kap 1,13; 4,7; 1Thes 5,6.8 und 2Tim 4,5 vor.
„Wacht“ bedeutet von der Wortwurzel her eigentlich „seid aufgeweckt“. Hier steht dasselbe Wort, das im NT für die Auferweckung Jesu Christi verwendet wird.
Der Teufel wird hier doppelt gekennzeichnet: Er ist der „Widersacher“ der Christen. Dieses Wort stammt im Griechischen aus der Gerichtssprache und meint den Gegner vor Gericht, den Ankläger.
Das Bild vom brüllenden Löwen stammt aus dem Alten Testament (Ps 7,3; 10,9-10; 17,12; 22,14- 22; 35,17; 58,7; 104,21; Hes 22,25) und stellt die Grausamkeit dieses Jägers bei der Verfolgung seiner Beute dar. Verschlingen bedeutet im wörtlichen Sinn »herunterschlucken « und betont sein eigentliches Ziel: Er will nicht bloß verwunden, sondern vernichten. Die erste von Petrus angeführte Schutzmaßnahme gegen die Strategien des Teufels ist einfach und direkt: Wacht!
Dieser schreckliche Feind geht umher, und sucht, wen er verschlinge! Das Wort „suchend“ weist auf Verlangen, Versuchen und Absicht hin (Sach 3,13; Offb 12,1011).
Mit dem „Teufel“ haben wir heute Mühe. Das Bild vom „brüllenden Löwen“ (Ps. 22,14; vgl. 2. Tim. 4,17;.) ist uns so suspekt wie das vom gehörnten und geschwänzten Ungeheuer. Und doch fasziniert es offenbar. Jedenfalls wird es nicht mehr zur Abschreckung verwendet wie in mittelalterlichen Kathedralen, wohl aber zur Anlockung von Käufern von Modeartikeln bis zu Musik-Disketten. Im Text ist wesentlich, dass der Teufel grundlegend als „Gegner“ gesehen wird. Das ernst zu nehmen zeugt von einer «nüchternen» und «aufgewachten» Haltung (dazu vgl. zu 1,13). Zu solcher Sachlichkeit, die weder verharmlost noch sich schockieren lässt, ruft der Text, nicht zu Diskussionen, ob der Teufel personhafte Macht ist wie Gott oder die Engel oder nur die Summe alles Schlechten in der Welt oder des Bösen in uns selbst. Darum wird auch nicht im Einzelnen beschrieben, wo und wie sich dieses Wirken des Teufels zeigt. So gilt, was der Text sagt, heute wie damals.

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