1.Petrus 4,12 Ihr Lieben, lasst euch durch die Hitze nicht befremden, die euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas Seltsames,

Petrus versichert seine Leser, daß sie einen Platz in seinem Herzen haben und, daß er für sie in ihren Versuchungen mitfühlt. Er folgt dem Befehl seines Meisters, die Schafe zu hüten. Nachdem jetzt ihr Blick auf die Liebe Gottes gerichtet ist, kann er ihnen auseinandersetzen, warum Gott die Verfolgungen für sie zuließ.
Christen sind keine Helden, die das Leiden heroisch auf sich nehmen. Aus 2,11 greift er das Stichwort, Fremde, auf und erweitert es zu einem Wortspiel: „befremden“. Oft erleben sie das Leiden als „etwas Seltsames“ (wörtlich wieder „Befremdliches“), das sie zutiefst verunsichert und ins Fragen bringt.
Die Christen können berechtigterweise fragen, warum sie gerade deswegen von den Mitbürgern abgelehnt, verdächtigt und schikaniert werden, weil sie an den wahren Gott glauben und nach seinem Willen leben, d. h. sich bemühen, grundsätzlich gut zu handeln und auch gut zu den Gegnern zu sein. Deshalb hat Jesus seine Jünger von Anfang an auf den Widerspruch und Widerstand der Mitmenschen hingewiesen: „Wenn die Welt euch haßt, dann wißt, daß sie mich schon vor euch gehaßt hat“. (Joh 15,18-20; vgl. Mt 10,17.24f; 24,9).
Das Bild der Hitze ist hier vielleicht im gleichen Sinn gemeint wie in 1. Petr 1,7, wo in einem ganz ähnlichen Kontext vom Läuterfeuer die Rede ist. Es läßt sich aber auch konkret auf die historische Situation der neronischen Christenverfolgung beziehen: Die Christen wurden beschuldigt, den Brand Roms verursacht zu haben, und im Zuge der anschließenden Greueltaten wurden manche von ihnen mit Pech übergossen und bei Nacht als lebendige Fackeln in den kaiserlichen Gärten verwendet. Möglicherweise befürchtete Petrus, daß die Provinzialbeamten dem Beispiel ihres Kaisers folgen und auch in Kleinasien Christen bei lebendigem Leibe verbrennen würden. Derartige Auswüchse sollten nicht ohne Vorwarnung über die dortigen Christen kommen, als widerführe ihnen etwas Seltsames. Das Leiden der Christen hat also die Funktion, deren Glaubensentscheidung zu erproben und ihre Treue zu läutern vgl. l,6f; Jak l,2f.
So verbinden Rabbiner das hebräische Wort „versuchen“ mit dem Wortstamm „weiter-, höherbringen“. Weil die Gemeinde um die gnädige Erziehungsarbeit ihres Herrn weiss, ist das Leiden für sie nichts Befremdliches, sondern etwas durchaus Sachgemäßes.
Der Rest von Kapitel 4 enthält Ermahnungen und Erklärungen zum Thema Leiden, die im Namen Christi erduldet werden. Das Wort „Leiden“ und Ableitungen davon finden sich in diesem Brief einundzwanzigmal.
„Christen sind wie Teebeutel. Ihre wahre Kraft zeigt sich erst, wenn sie im heißen Wasser hängen.“

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