1. Petrus 4, 1 Weil nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet euch auch mit demselben Sinn; denn wer im Fleisch gelitten hat, der hat aufgehört mit der Sünde,

In den ersten sieben Versen dieses Kapitels spricht der Apostel weiter über die allgemeinen Grundsätze der Regierung Gottes. Kapitel 3 endete mit der Verherrlichung Jesu Christi. Alles ist Ihm unterworfen, und Er steht bereit, das Gericht über Lebendige und Tote auszuüben. Das ist für uns ein Grund, getrennt von der Welt und ihren Grundsätzen zu leben. Denn obwohl der Herr verherrlicht ist, verwirft die Welt Ihn dennoch, und jeder, der mit Ihm verbunden ist, wird von ihr verworfen werden.
Mit dem Kausalpronomen weil (die griechische Partikel oun, die hier folgernde Bedeutung hat) kehrt Petrus zum Thema des Leidens Christi (vgl. 1. Petr 3,18) zurück und überträgt das Prinzip des geduldigen Ausharrens in zu Unrecht erfahrenem Leiden auf die momentane Situation seiner Leser.
„so wappnet euch auch mit demselben Sinn;“ Diese Aufforderung greift auf 2,21 und 3,18 zurück und faßt die Grundforderung prägnant zusammen: Mit und nach dem Vorbild Christi leiden! „Fleisch“ meint die leibliche, irdische, leidensfähige Existenz Christi. Das Verb hoplisasthe bedeutet sich bewaffnen; ennoia bezeichnet den Gedanken, die Einsicht, die Erkenntnis und die daraus erwachsende geistige Haltung. Das mit „sich wappnen“ übersetzte Wort hoplisasthe, das nur an dieser Stelle im Neuen Testament auftaucht, stammt aus dem militärischen Sprachgebrauch und bezeichnet das Anlegen der Rüstung bei einem Soldaten (vgl. Eph 6,13). Mit der gleichen Entschlossenheit und Sorgfalt, mit der sich ein Soldat für die Schlacht rüstet, sollen sich die Christen den „Sinn“ (ennoian, wörtlich „Gedanken“; das Wort taucht in der Bibel sonst nur Hebr 4,12 auf) Christi in der Verfolgung zu eigen machen: die unbeugsame Entschlossenheit, den Willen Gottes zu tun. Die Adressaten werden also aufgefordert, sich mit der Überzeugung vertraut zu machen, daß Leiden um Christi willen wesenhaft zum Christsein gehört und sich daher bewußt dem Leiden zu stellen. Wer sich mit dieser Überzeugung wappnet, also leidensbereit lebt, wird durch das Leiden weder im Glauben unsicher werden, noch wird er vor dem Leiden fliehen oder gar durch das Leiden in eine Glaubenskrise geraten. Im Gegenteil, er wird das – von Gott zugelassene – Glaubensleiden als Ausweis echten Christseins und als Segen ansehen.
Wir haben mit der Sünde abgeschlossen, wenn wir den Tod Christi im Glauben für uns annehmen. Wir leben noch in der Welt, und doch ist unser Leben im eigentlichen Sinn des Wortes außerhalb der Welt. Wir gehören einer ganz anderen Welt an, und unser Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Die Annahme des Werkes Christi hat eine totale Änderung unserer Stellung zur Folge. Es das Hineingezogenwerden in sein Leiden und seinen Tod. Christus litt im Fleisch, und genauso leiden die Christen im Fleisch. Wer das auf sich nimmt, der hat aufgehört mit der Sünde, d. h., er ist Christus gleichgeworden (wie es auch in der Taufe deutlich wird) und hat mit seinem bisherigen sündigen Leben gebrochen. Weil Christus gestorben ist, sollen die Christen „hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde“ (Röm 6,6 – 7).
Der von Gott getrennte Mensch lebt aber grundsätzlich für sich selbst, er weicht den Leiden aus und will es möglichst schön haben. In Jesus Christus aber ist das andere geschehen. Da ist ein Mensch (nein, der Mensch, wie Gott ihn wollte) hinausgetreten aus dieser leidensscheuen Selbstliebe und hineingetreten in den Gehorsam gegenüber Gott – ins Leiden. Eben diesen Schritt hat die Gemeinde im Glauben an ihn, hinter ihm her auch tun dürfen (vgl. 2, 21).

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