„Pluralismus“, „Relativismus“ und „Toleranz“

„Pluralismus“, „Relativismus“ und „Toleranz“ – diese drei Wörter sind die Quelle für ein einzigartiges Durch- einander, das sich vom persönlichen Glauben bis hin zur öffentlichen Politik erstreckt. Dieses Durcheinander hat zu einer völlig unnötigen Verschüchterung der Christen im öffentlichen Diskurs geführt, als ob die, die das historische Christentum ablehnen, von einem moralisch höheren Standpunkt aus sprechen. Lassen Sie mich mit einigen funktionalen Definitionen anfangen. Allein schon diese Begriffsklärungen würden einige Missverständnisse ausräumen, wenn man sich auf sie einigen würde: Pluralismus ist eine gesellschaftliche Gegebenheit. Relativismus ist eine philosophische Lehre, die eine Interpretation dieser Gegebenheit bietet. Toleranz ist eine persönliche Einstellung und/oder gesellschaftliche Vorschrift, wie wir mit diesem Faktum umgehen.

Pluralismus

Religiöser und philosophischer Pluralismus ist in Amerika (und Europa! Anm. Übers.) einfach eine gesellschaftliche Tatsache. Das bedeutet, es gibt eine Vielfalt an Glaubensrichtungen und dazugehörigen Institutionen. Wer das bezweifelt, kann ebenso die Existenz von New Jersey anzweifeln… ob es einem gefällt oder nicht, es ist immer noch da. Es gibt tausende Denominationen innerhalb der traditionellen christlichen und jüdischen Gruppierungen, daneben die komplette Palette anderer Weltreligionen, ebenso die „säkularen“ Religionen und Weltanschauungen und dazu jede erdenkliche Kombination von all diesen. Das amerikanische Experiment begann mit einem entscheidenden Bruch mit dem europäischen Modell: Der erste Verfassungszusatz der amerikanischen Verfassung bejaht ausdrücklich einen religiösen und philosophischen Pluralismus. Es sollte verhindert werden, dass eine Gruppe die Macht des Staates dazu einsetzte, um das eigene Glaubensbekenntnis zu verbreiten, eine einheitliche Staatskirche aufzubauen oder anderen eine vorgeschriebene Ideologie aufzuzwingen. Es eröffnete den Bürgern aber auch die Freiheit, religiöse oder nichtreligiöse moralische Werte in die öffentliche Politik einzubringen – wenn sie andere davon überzeugen konnten. Seit dieser Zeit hat das Ausmaß des Pluralismus dramatisch zugenommen, doch mit Ausnahme des amerikanischen Bürgerkriegs ist Amerika immer fähig gewesen, eine funktionierende Einheit inmitten dieser Vielfalt zu erhalten. Eine der amerikanischen Stärken war dieses ernsthafte Bestreben nach Pluralismus. Der Staat wurde von der Übernahme durch eine Staatskirche bewahrt, die die Politik über die öffentliche Meinung hinweg dominieren könnte. Die Kirche wurde ebenso vor innerem Verfall bewahrt, der sich schnell einschleicht, wenn sie der Verführung durch die Macht erliegt. Gleichzeitig wurde diese Nation positiv durch die moralischen Überzeugungen ihrer Bewohner geprägt, sei es von bewussten Glaubensbekenntnissen oder daraus entwickelten Traditionen.    

Relativismus
Relativismus ist eine weit verbreitete philosophische Lehre, die eine bestimmte Deutung des Pluralismus bietet. Dabei ist diese Lehre nur eine von mehreren Möglichkeiten, die Pluralität an Überzeugungen zu erklären.     Lassen Sie uns zunächst betrachten, was der Relativismus ablehnt, und dann, was sein Anliegen ist. Er be- streitet, dass irgendeine Religion oder Philosophie Wahrheitsaussagen machen kann, die absolut sind. Es gibt nichts Absolutes. Wir können über Gott sprechen, aber es kann keine Sicherheit darüber geben, ob das was wir über ihn aussagen, wirklich mit der Realität übereinstimmt, wenn es denn überhaupt einen Gott gibt. Die Annahme, dass es eine erkennbare und beständige Wahrheit über letzte Dinge gibt, gilt als naiv und ethnozentrisch: Alle Wahrheitsaussagen sind nur „relativ“, bezogen auf die räumlichen und historischen Faktoren, die sie hervorgebracht haben – soziale, psychologische oder ökonomische. Es gibt keinen überkulturellen Maßstab, anhand dessen Religionen und Philosophien auf ihre Wahrheit hin bewertet werden könnten. Der Relativismus behauptet, dass jede Religion und Philosophie ein Versuch eines Individuums oder einer Gruppe ist, das Unbenennbare aus seiner eigenen eingeschränkten Sicht zu benennen. Der Inhalt eines jeden Glaubenssystems ist nicht von Bedeutung, da es nur zu der jeweiligen Kultur gehört, in der es entsteht. Jede Religion oder Philosophie erfülle letztlich die gleiche Aufgabe auf verschiedenen Wegen: Sie drücke das menschliche Verlangen nach dem Höchsten, Letzten und Absoluten aus und sorge für soziale und psychologische Stabilität. Man darf über eine religiöse Lehre diskutieren, ob sie hilfreich ist, ein soziales oder psychologisches Ziel zu erreichen. Aber es gilt als absurd, die eine als wahr und die andere als falsch zu bezeichnen. Wir sprechen von Schokoladeneis nicht als „wahr“ und von Vanilleeis als „falsch“, obwohl wir bestimmt eines lieber mögen. Beide erfüllen auf nur minimal unterschiedliche Weise dieselbe Funktion. Genauso sagt der Relativist, dass es sinnlos ist, bei Religionen von „wahr“ oder „falsch“ zu reden. Einem Relativisten zufolge ist das einzig „Falsche“, das wir tun können, über den Glauben eines anderen zu urteilen. Das sei mangelnde Offenheit, geboren aus Ethnozentrismus und Scheinheiligkeit.

Der Relativismus lehnt es ab, relativiert zu werden
Die Verwirrung ist oft groß, da sich der Relativismus auf zwei ganz verschiedenen Ebenen in unsere Auseinandersetzungen einmischt, die wir sorgfältig unterscheiden müssen: Auf der einen Ebene ist er einfach eine philosophische Lehre unter vielen. Aber auf der anderen Ebene ist er eine Art Meta-Philosophie, die uns vorschreibt, wie wir alle Lehren aus allen anderen Quellen zu verstehen haben. Das erklärt, wieso er auf der einen Seite so bescheiden klingt – als wenn nur der Relativist die menschliche Fehlbarkeit vollständig berücksichtigen würde –, aber im nächsten Moment so arrogant klingen kann, als ob allein dem Relativisten eine Offenbarung der absoluten Wahrheit zuteil geworden ist. Der Relativismus ist eine Sichtweise, aber er nimmt für sich in Anspruch, der Deutungsrahmen für alle anderen zu sein. Wie wir gesehen haben, ist der springende Punkt an der relativistischen Kritik, dass alle ultimativen religiösen oder philosophischen Überzeugungen richtig verstanden keine möglichen Quellen von wahrem Wissen über Gott oder letzte Wahrheiten sind, sondern nur Produkte ihrer Kultur, die versuchen, das Unfassbare zu fassen. Aber gleichzeitig beansprucht der Relativismus eine Art Immunität gegen die eigene Kritik. Wir sollen glauben, dass allein er nicht nur ein Produkt der relativierenden Faktoren seiner eigenen Kultur (modern, westlich, akademisch, besitzstrebend), sondern auf geheimnisvolle Weise objektiv und zeitlos wahr ist. Er allein kommt zu uns in erkenntnistheoretisch makelloser reiner Wahrnehmung – und entgeht dabei seltsamerweise dem Säurebad seiner eigenen relativistischen Analyse. Das ist das Anmaßende am Relativismus.

Relativismus zerstört Pluralismus
Obwohl der Relativismus dafür bekannt ist, den Pluralismus hochzuhalten, tut er genau das nicht. Denken Sie beispielsweise an die allgemein übliche Darstellung des religiösen Relativismus, die wir alle gehört haben: Dass die verschiedenen Weltreligionen alles Wege sind, die den gleichen Berg hinaufführen. Obwohl die Reisenden auf jeder Straße während des Aufstiegs die anderen auf den verschiedenen Wegen nicht sehen können, treffen alle oben zusammen (mit Gott?). Diese Analogie scheint eine faire und demokratische Perspektive der Vielfalt religiöser Optionen zu bringen. Doch es täuscht, denn wer dies glaubt, hat eine neue Meta-Religion geschaffen; ein Paradigma, das beansprucht, alle anderen Religionen zu interpretieren. Dieses Paradigma soll die eine richtige Lehre sein, mit der man den Pluralismus interpretiert. Als solcher ist der Relativismus alles andere als relativistisch – er ist das Absolute. Er setzt voraus, dass der Relativist nicht ein rein menschlicher Reisender ist, mit eingeschränkter Sicht auf einem der Wege, sondern dass er oder sie eine Flugzeugperspektive auf den ganzen Berg und alle, die ihn besteigen, hat und uns daher sagen kann, wie wir Gott und unsere Suche nach ihm verstehen müssen. Der allerwichtigste Punkt der Analogie, nämlich die herausgehobene Perspektive des Erzählers, wird normaler- weise nicht erwähnt – am wenigstens von ihm selbst. Die Berg-Analogie zeigt, dass der Relativismus wahren Pluralismus ausschließt und sich über ihn erhebt. Es ist okay, auf unserem eigenen kleinen Weg den Berg hochzusteigen, solange wir einsehen, dass der Glaube unseres Weges und seine Praktiken nur unsere persönliche Vorliebe sind, die aus unserer Kultur oder unserem Bewusstseinszustand erwachsen sind. Die Überzeugungen sind nicht wahr in dem Sinne, dass sie mit dem überein- stimmen, wer Gott wirklich ist und wie wir ihn erkennen können. Relativismus erlaubt Pluralität nur in der privaten Welt der Meinungen, die keine allgemeine Gültigkeit haben. Aber er besteht auf Einheitlichkeit, wenn es um letzte Wahrheiten geht, die allgemein gültig sein sollen. Von der Lobhudelei auf den Pluralismus einmal abgesehen, toleriert der Relativismus diesen nicht einmal wirklich, außer eben in dieser überheblichen Weise. Nach dem Pluralismus gibt es eine Vielfalt religiöser und philosophischer Wahlmöglichkeiten. Nach dem Relativismus gibt es letztlich keine Vielfalt der Wahrheiten, sondern nur eine einzige, die alle anderen Kandidaten erklärt. Auf der Ebene letzter Wahrheit gibt es keine Vielfalt, sondern Uniformität: den Absolutheitsanspruch des Relativismus. Beispielsweise klingt es sehr hoch- stehend, wenn jemand sagt, dass es in der Religion darauf ankomme, gemeinsam nach dem Absoluten zu streben – und nicht auf Lehren, Ethiken oder heilige Handlungen. Aber das ist nicht so aufrichtig und   pluralistisch wie es scheint. Jedenfalls sehen sich sehr viele Menschen in verschiedenen Weltreligionen nicht so; viele würden für ihre Überzeugungen und Werte sogar sterben (einige sogar für ihre Heiligtümer). Genaugenommen ist es eher hochmütig als hochstehend. Wenn jemand behauptet, das Christentum (das an einen persönlichen Gott glaubt) und der Buddhismus (der einen persönlichen Gott ablehnt und in seinen Aussagen über einen unpersönlichen Gott sehr vage ist) seien letztlich in den wichtigsten Punkten identisch, der verneint die Pluralität, die dort existiert. Es ist eine von oben herab verordnete Einheit.

Der Streit über den Begriff der „Bekehrung“
Haben Sie mal darüber nachgedacht, warum Wörter wie „Bekehrung“ oder „Wiedergeburt“ heute eher Schimpfwörter sind? Wieso sind sie so beleidigend? Eine mögliche Antwort ist, dass sie von denen, die sie hauptsächlich gebrauchen, so trivialisiert wurden, dass sie nun einen bitteren Beigeschmack haben. Das mag teilweise stimmen, aber es gibt einen tieferen Grund, und der liegt nicht in unserer Bindung an den Pluralismus. Tatsächlich ist es genau andersherum: Ich denke, dass die Idee einer Bekehrung eine solche Furcht auslöst, weil Menschen Angst haben, sich mit den Implikationen des Pluralismus auseinander zu setzen. Eine ehrliche Betrachtung des Pluralismus gibt religiöse Unterschiede und ihre tiefgreifenden Konsequenzen zu. Aber wenn man wichtige Unterschiede zwischen den Religionen erkennt, ist man vor schwierige Entscheidungen gestellt und stößt auf die Möglichkeit einer „Bekehrung“. Es ist viel bequemer, dem Relativisten Glauben zu schenken, der einem ver- sichert, dass alle Wege zum gleichen Ziel führen. Dann brauche ich mir keine Gedanken zu machen über eine echte Bindung an einen Gott oder eine letzte Wahrheit. C.S. Lewis beschreibt die Befreiung, als er in jungen Jahren seinen christlichen Glauben aufgab: „Ich wandelte sehr bald ‚ich glaube’ um in ‚man fühlt’. Welche Erleichterung! Vom tyrannisierenden Mittag der Offenbarung schritt ich in die kühle Abenddämmerung höheren Denkens, wo es nichts zu befolgen gab und nichts geglaubt werden musste, was nicht entweder beruhigend oder hoch- interessant war.“ In gewisser Weise ist es beruhigend zu meinen, die höchste Autorität, der wir uns je stellen müssten, sei unser eigenes subjektives moralisches Bewusstsein. Relativismus ist das wahre Opium fürs Volk. Er verhindert ernsthafte Diskussionen über die wichtigsten Themen, verwässert die Herausforderungen des Pluralismus und versetzt die Menschen in die Lage, als Schlafwandler durch die wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens zu gehen. Fragen über die Existenz Gottes und seinen Charakter sind nicht länger drängend, weil es nicht um Wahrheit geht, sondern um persönliche Meinungen und Vorlieben, und sie haben letztlich auch keine Konsequenzen. Wenn es im Bereich letzter Wahrheiten wirklich Pluralismus gibt, zwingt uns die Ehrlichkeit, diesen ernst zu nehmen. Es gibt echte Differenzen zwischen den Weltanschauungen, die man nicht einfach so verleugnen kann. Es ist ein Unterschied, ob Gott eine Person oder etwas Unpersönliches ist oder gar nicht existiert. Es macht einen Unterschied, ob nach dem Tod ein Gericht kommt oder eine Kette von Reinkarnationen oder die Auslöschung des Bewusstseins. Gegenseitiges Verständnis wird nicht dadurch gefördert, dass man diese Unterschiede als oberflächlich oder zu vernachlässigend hinstellt. Wenn es echte und wichtige Unterschiede zwischen religiösen Positionen gibt, warum sollten dann ein Reden von „Bekehrung“ und ähnlichen Begriffen eine so zeitgenössische Ketzerei sein? Wenn es wirklich einen religiösen Pluralismus gibt, wieso ist dann der Begriff der „Bekehrung“ überhaupt seltsam? Er ergibt einen Sinn in einer Welt, in der religiöse Differenzen echt und von Bedeutung sind. Warum sollten sie für mich nicht wichtig genug sein, meine grundsätzlichen Überzeugungen zu ändern? Die Unterschiede können sogar so wichtig für mich sein, dass ich versuche, auch andere davon zu überzeugen. Was ist daran seltsam, wenn wir wirklich einen Pluralismus akzeptieren? Was unter der Voraussetzung eines Pluralismus Sinn ergibt, wirkt natürlich seltsam bis krank, wenn der Relativismus wahr ist. Wir müssen uns entscheiden, welchem Modell wir folgen. Wenn wir glauben, dass es eine wirkliche Pluralität religiöser Überzeugungen gibt, ergeben sich alle Arten harter Diskussionen. Welche ist oder welche sind wahr? Gibt es Bestandteile, die in mehreren wahr sind? Wie können wir das wissen? Macht es einen Unterschied, wenn wir falsch liegen? Wir neigen dazu, diese Fragen zu verdrängen. Sie sind schwierig, stiften Uneinigkeit und zwingen uns dazu, uns mit der Ausrichtung unseres Lebens zu beschäftigen. Aber die Alternative zu einer Auseinandersetzung mit ihnen ist es, die Kategorien „wahr“ und „falsch“ völlig von der religiösen Diskussion auszuschließen. Das wirkt willkürlich, überheblich und letztendlich unehrlich. Meine Sorge ist, dass der Relativismus eher zur Verwirrung beiträgt, als dass er eine notwendige Plattform für eine ehrliche Auseinandersetzung ist. Mein Anliegen ist Respekt für einen ehrlichen Pluralismus und für die Schaffung einer freundlichen Atmosphäre, wenn wir offen, mutig und demütig über unsere tiefsten Differenzen sprechen.

Toleranz
Toleranz heißt, mit anderen, die reale und tiefgreifende Unterschiede zu uns haben, Seite an Seite in Frieden und Achtung zusammenzuleben. Und, so weit möglich, auch in unserer Politik – auch wenn unsere Toleranz gegenüber Mördern und Kriminellen sicher nur eine beschränkte Toleranz sein wird. Toleranz ist nicht gleich Relativismus und führt auch nicht notwendigerweise zu ihm. Heutzutage geht man allgemein davon aus, dass man intolerant und undemokratisch ist, wenn man den Relativismus in Frage stellt. Aber das ist ein Denkfehler: Wie ich versucht habe aufzuzeigen, ist der Relativismus selbst weniger integrativ, als er vorgibt. In der Praxis gibt es wohl in allen Religionen und Weltanschauungen sowohl tolerante als auch intolerante Menschen. Die Geschichte des Christentums beinhaltet hier leider selbst ein paar traurige Kapitel (ebenso wie alle an- deren Weltreligionen und Ideologien): Am Anfang wurden die Christen verfolgt; doch als ihre politische Macht groß genug war, wurden sie schnell selbst zu Verfolgern. Christen sind zuweilen sehr grausam und arrogant mit Andersdenkenden umgegangen. Damit haben sie die Aufrichtigkeit ihres Glaubens oft untergraben. Nachfolger Christi sind aufgerufen, treu und geduldig zu leben, ihre Feinde zu lieben, denen, die ihnen Böses antun wollen, Gutes zu tun und Salz und Licht in der Welt zu sein. Jesus und das gesamte Neue Testament fordern zu einer Toleranz auf, wie ich sie beschrieben habe. Aber Toleranz heißt nicht, dass wir den Status Quo als heilig betrachten, als ob es moralisch verboten wäre, uns, andere oder die Gesellschaft zu verändern. Toleranz verlangt nicht, dass wir niemals versuchen, einen anderen von der Wahrheit eines bestimmten Gedankens zu überzeugen. Sie verlangt, dass wir trotz der Meinungsunterschiede diese Person respektieren – besonders, wenn wir versuchen sie zu überzeugen oder im Bereich des persönlichen Glaubens, der Ethik oder der sozialen Gerechtigkeit etwas zu verändern. Wenn Gewissensfreiheit ein wesentlicher Zug unserer Wirklichkeit ist, dann kann jeder Mensch sich am besten seine Meinung bilden, wenn nicht unnötiger Druck oder Zwang von außen diesen ohnehin schon schwierigen Prozess noch erschweren. Je wichtiger man die religiösen Unterschiede nimmt, desto wichtiger wird es, sich für die Freiheit des Gewissens in Glaubensfragen einzusetzen. Wir leben in einer pluralistischen Welt, ob wir sie gutheißen oder nicht. Relativismus – speziell wenn er mit Pluralismus und Toleranz verwechselt wird –, ist eine Weltanschauung, die schon von ihrer Anlage her in die Irre und letztlich selbst in die Intoleranz führt. Toleranz sollen wir anstreben, weil sie im Respekt gegen- über jedem Menschen und seinen Entscheidungen wurzelt. Wir stehen an einem außergewöhnlichen Punkt in der Geschichte. Zu- gegeben–, die Kirche ist schwach und hat ihre einstige Führungsrolle (in der westlichen Welt, Anm. d. Übers.) verloren. Aber das heißt nicht, dass der christliche Glaube schwach ist. Ich bin davon überzeugt, dass allein der christliche Glaube das metaphysische und moralische Potential hat, die Welt für den Pluralismus in seiner besten Form zu sichern – jenseits von Extremen der Anarchie oder des Despotismus (1.Tim 2,1-2). Und auch die weltweite Gemeinde Jesu ist nicht kraftlos; Erweckung und Erneuerung sind möglich!

Dick Keyes, L’Abri Fellowship Southborough, U.S.A.
www.labri.org/germany/resource/Akzente_2004_2

Übersetzung: Christian Weißenborn Frauke Bielefeldt

Ein Gedanke zu “„Pluralismus“, „Relativismus“ und „Toleranz“

Schreibe einen Kommentar