Der Zweifel verhält sich zum Glauben wie die Dunkelheit zum Licht

Wir leben in einer Zeit, die lieber zweifelt als glaubt. Wir reden oft vom „blinden Glauben“ und vom „aufrichtigen Zweifel“. Sowohl der Glaube als auch der Zweifel können blind oder aufrichtig sein, doch selten sprechen wir vom „aufrichtigen Glauben“ oder vom „blinden Zweifel“. Glaube und Zweifel werden beide gebraucht, aber der Glaube hat mehr Gewicht. Selbst wenn ich etwas bezweifele, muss ich glauben, dass es Kriterien gibt, nach denen es beurteilt werden kann. Ich muss erst an etwas glauben, ehe ich etwas anzweifeln kann. Der Zweifel verhält sich zum Glauben wie die Dunkelheit zum Licht, wie die Krankheit zur Gesundheit. Er ist das Fehlen von etwas. Eine Krankheit mag das Fehlen von Gesundheit sein, aber Gesundheit ist mehr als das Fehlen von Krankheit. So verhält es sich auch mit Zweifel und Glauben. Der Zweifel ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr.
„Der Zweifel ist eine Zeitlang nützlich … Wenn Christus eine gequälte Nacht lang im Gebet verbrachte, wenn er am Kreuz ausrief: ,Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?‘, dann ist es uns gewiss gestattet zu zweifeln. Aber wir dürfen nicht dabei stehen bleiben. Den Zweifel als Lebensphilosophie zu wählen ist etwa so, als wählte man die Unbeweglichkeit als Transportmittel.“ Seite 33
Glaube & Zweifel von John Ortberg Gerth Medien September 2009 224 Seiten ISBN 978-3-86591-860-4 16,95 Euro www.gerth.de

Schreibe einen Kommentar